IEF, 03.01.2020 – „Würde ist ein christlicher Wert. Wir Christen anerkennen die Würde in jedem Menschen, immer“, so Palliative Care Spezialist Carlos Centeno bei einem Kongress im Dezember 2019 in Rom.

Konsens der monotheistischen Religionen bei ethischen Fragen am Lebensende

Von 11.-12.12.2019 fand im Vatikan ein interreligiöser Kongress mit dem Titel „Religion and Medical Ethics: Palliative Care and the Mental Health of the Elderly“ statt, der sich mit medizinischen Fragen am Lebensende beschäftigte. Organisiert wurde die Fachtagung von der Päpstlichen Akademie für das Leben, dem World Innovation Summit on Health (WISH), einer Initiative der Qatar Foundation, sowie dem British Medical Journal (BMJ). Bezüglich ethischer Fragen am Lebensende gebe es „innerhalb der monotheistischen Religionen einen großen, einzigartigen Konsens“, sagte Erzbischof Vincenzo Paglia, Leiter der Päpstlichen Akademie für das Leben, bei der Pressekonferenz zur Tagung im Vatikan. Der Kongress mit 250 Teilnehmern werde „einige emotional sehr belastende“ Fragen besprechen, so Sultana Afdhal, Geschäftsführerin von WISH. Dabei gehe es etwa um Suizid unter alten Menschen oder auch Palliativpflege bei Kindern. Angesichts der handfesten ethischen Schwierigkeiten, in denen sich Ärzte und Pfleger oft befänden, sei gerade der Austausch von Fachleuten aus Medizin und Pflege mit religiösen Experten immens wichtig, so Afdhal. Glaube und religiöse Überzeugungen von Patienten spielten „eine wichtige und zentrale Rolle bei Entscheidungen zu ihrer Behandlung“, betonte auch Kamran Abbasi, leitender Redakteur beim BMJ.  Sein Journal wolle vor allem empirisches Fachwissen in den Diskurs einspeisen.

„Der Würdebegriff muss zurückerobert werden“

Der katholische Palliative Care Spezialist Professor Carlos Centeno rief dazu auf, den Würdebegriff in der „Euthanasiedebatte“ zurückzuerobern. „Pro-Euthanasie” Aktivisten behaupteten, dass assistierter Suizid ein „Sterben in Würde“ ermögliche. „Wir befürworten ein Sterben in Würde. Aber bedeutet Würde, den Zeitpunkt des Sterbens zu wählen? Für Christen nicht“, betonte Centeno. Für Christen bedeute es vielmehr, den natürlichen Zeitpunkt des Todes zu akzeptieren. „Für Christen ist die Würde in der Person; sie ist intrinsisch. Sie kann nicht genommen werden.“, so Centeno.

„Palliative Care ist ein Menschenrecht“

Weil Verfechter von legaler Tötung auf Verlangen bzw. assistiertem Suizid von einem „Recht zu Sterben“ sprächen, müsse vielmehr betont werden, dass der Mensch ein Recht auf Leben habe, so Erzbischof Paglia. Daraus ergäbe sich, dass „Palliative Care ein Menschenrecht ist“. Der Erzbischof betonte außerdem die „allgemeingültige Bedeutung von Leiden und Tod“ und die Verpflichtung der Menschen daraus, sich um die Leidenden zu kümmern, unabhängig von religiöser Weltanschauungen.

Handreichung für Ärzte und Pfleger geplant

Ein Ergebnis der Tagung könne etwa eine Handreichung für Ärzte und Pfleger sein, was bei der Behandlung und Betreuung von Menschen christlichen oder islamischen Glaubens zu beachten sei, kündigte Mitorganisator Nick Bradshaw von der Qatar Foundation, laut Ärzteblatt an. Der Kongress ist ein Teil von mehreren Initiativen des interreligiösen Dialogs. So hatten Ende Oktober katholische, jüdische und islamische Vertreter ein ein Positionspapier zum Umgang mit sterbenskranken Patienten veröffentlicht. Darin werben sie für Palliativmedizin, also bestmögliche Lebensqualität für sterbenskranke Menschen, sowie die Gewissensfreiheit von Ärzten und Pflegern. „Euthanasie (Tötung auf Verlangen, Anm. d. R.) und assistierter Suizid sind von Natur aus und in der Konsequenz aus moralischer wie religiöser Sicht falsch und sollten ausnahmslos verboten werden“, heißt es in dem Papier. Das IEF hat berichtet. (TSG)

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