Kritik an der Weltgesundheitsorganisation
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INT / Sexualerziehung: Zu wenig Lust und Erotik in Sexualerziehungsprogrammen

IEF, 10.03.2022 – Zu diesem Ergebnis gelangte eine vom „Pleasure Project“ in Zusammenarbeit mit der WHO durchgeführte Analyse von Studien.

Die Organisation namens „Pleasure Project“ untersuchte in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Rahmen einer Meta-Studie das Vorkommen des Lustaspekts in Aufklärungs- und Sexualerziehungsprogrammen. Das 2004 gegründete „Pleasure Project“ setzt sich laut eigener Definition dafür ein, „Safer Sex“, also den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten beim Geschlechtsverkehr, weniger „technisch“ und mehr „sexy“ zu machen. Ein weiteres Anliegen ist die Einbeziehung von Lust und Spaß in die Sexualerziehung und die Motivation von Sexualpädagogen, „schmutzig zu reden“ und die Aspekte von Verlangen, Vergnügen, Freude und Lust in ihren Unterricht zu integrieren.

WHO: Einbeziehung von „Lust“ verbessere die sexuelle Gesundheit

Die Ergebnisse der vom „Pleasure Project“ und der WHO durchgeführten Meta-Studie wurden im Online-Fachjournal PLOS ONE am 11. Februar 2022 veröffentlicht. Im Rahmen der Studie wurden sieben verschiedene Datenbanken nach Fachartikeln, die zwischen dem 1. Januar 2005 und dem 1. Juni 2020 erschienen sind und sich dem Lustaspekt in Programmen betreffend die sexuelle Gesundheit widmeten, durchsucht. Laut Studienautoren würde ihre Untersuchung den Beweis dafür liefern, dass das Einbeziehen des Lustaspekts in Sexualerziehungsprogramme das Wissen rund um Sexualität verbessern und den „Safer Sex“-Praktiken wie der Verwendung von Kondomen zu einer größeren Akzeptanz verhelfen würde. „Programme und Aufklärungsmaßnahmen, die ein umfassendes Verständnis von sexueller Gesundheit vermitteln, haben traditionell die „Safer Sex“-Praktiken mit den Argumenten der Risikominimierung und Verhinderung von Krankheiten beworben, ohne darauf zu verweisen, dass diese auch die Intimität zwischen den Partnern, die Lust, Zustimmung und das Wohlbefinden fördern können“, so die Co-Autorin der Studie, Dr. Lianne Gonsalves, von der Weltgesundheitsorganisation. Die Studie zeige ganz klar, dass Programme, die die Gründe, warum Menschen Sex haben – wie etwa den Lustaspekt – besser integrieren, bessere Ergebnisse bei der Förderung von Maßnahmen der sexuellen Gesundheit erzielen würden.

Ruf nach ganzheitlicher Sexualpädagogik

Schutz vor sexuellen Krankheiten sei ein wichtiger Aspekt ebenso wie Lust und Freude, so Johannes Reinprecht, Direktor des Institut für Ehe und Familie (IEF) die Studie kommentierend. Allerdings würden Ansätze, die beide Aspekte oder nur eines der beiden ins Zentrum stellen, zu kurz greifen. Generell kritisiert Reinprecht an der Mainstream-Sexualpädagogik, dass ihr die Ganzheitlichkeit fehle. Sie würde Aspekte des „Ich“, des „Jetzt“ und der „Lust“ einseitig überbetonen. „Eine ganzheitliche Sexualpädagogik geht über das `Ich´ hinaus und sucht auch das `Du´. Sie ist nicht abhängig von sofortiger Triebbefriedigung im `Jetzt´ und `nur für den Moment´, sondern ist offen für ein `auf Dauer´. Es gehe ihr nicht bloß um Lustverwirklichung, sondern um Liebe im wahren Sinn des Wortes. Alles andere öffnet dem Missbrauch Tür und Tor, weil es den Partner zum Objekt macht“, merkt Reinprecht abschließend an.

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