Klimaschutz
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INT / Menschenrechte: Kinder Klima Katastrophe

IEF, 19.11.2021 – Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Glasgow riefen feministische NGOs zu einer freiwilligen Geburtenkontrolle für den Klimaschutz auf.

Auf Kinder verzichten, um das Klima zu retten – ein Lebensmodell, das in der westlichen Welt bereits seit mehreren Jahren als “verantwortungsvoller Umgang mit dem Planeten” beworben wird. Dabei scheint der Vorschlag so überzeugend zu sein, dass laut einer jüngst in The Lancet publizierten Studie 39 Prozent von jungen Leuten weltweit darüber zweifelten, ob sie aufgrund des Klimawandels noch Kinder bekommen sollten. Einige Zivilrechtsorganisationen scheinen diesen Trend zu unterstützen. So haben vor allem NGOs, die sich für Familienplanung und Geschlechtergleichstellung einsetzen, im Zusammenhang mit der gerade zu Ende gegangenen UN-Klimakonferenz in Glasgow zur Förderung der „freiwilligen Familienplanung“ aufgerufen, um die negativen Folgen des Klimawandels abzuwehren.

NGOs: Resilienz und Anpassung an Klimawandel durch Familienplanung

In einem Paper zu “Climate Justice and Sexual and Reproductive Health and Rights behaupten die NGOs Women and Gender Constituency und SRHR & Climate Justice Coalition, dass “Verhütung nicht als Strategie zur Bekämpfung von Klimawandel” betrachtet werden sollte. Verhütungsmittel und sexuelle und reproduktive Gesundheit und die dazu gehörigen Rechte (SRHR) – wie etwa das immer wieder behauptete Recht auf Abtreibung (das IEF hat berichtet) – seien vielmehr ein Mittel, um „Resilienz“ gegenüber dem Klimawandel zu fördern und den davon betroffenen Menschen zu helfen, sich an die neuen Umstände anzupassen. Ähnlich sehen das auch die Initiative Women Deliver und der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), die durch die Förderung der SRHR die Resilienz und Anpassung an den Klimawandel von Frauen und Mädchen stärken wollen.

UNFPA: SRHR als Mittel gegen die Folgen des Klimawandels

Der UN-Bevölkerungsfonds warnt davor, dass der Klimawandel vor allem die ärmsten und vulnerabelsten Menschen am härtesten treffen werde, da diesen die Mittel fehlten, um sich an die sich verändernden Bedingungen anzupassen und ihren Lebensunterhalt und ihr Wohlbefinden zu sichern. Um das zu verhindern, schlägt die UN-Organisation vor, dass Staaten bei der Implementierung von Klimaschutzmaßnahmen vor allem die sexuelle und reproduktive Gesundheit und die dazugehörigen Rechte (SRHR) fördern.

In einem Bericht vom Jänner 2021 mit dem Titel “The Link Between Climate Change and Sexual and Reproductive Health and Rights” spricht Women Deliver außerdem von einen “klaren und quantifizierbaren” Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Klimawandel. Dabei empfiehlt die NGO, basierend auf dem Projekt Drawdown und anderen Untersuchungen, die freiwillige, menschenrechtsbasierte und kultursensible “Familienplanung” als eine kosteneffektive Lösung zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums und Abmilderung der negativen Folgen des Klimawandels. Laut diesen Berechnungen würde eine Kombination aus auf Freiwilligkeit basierenden reproduktiven Maßnahmen und einem geschlechtergerechten Zugang zur Bildung zu einer Reduktion von Treibhausgasen in Höhe von 85 Gigatonnen in den Jahren 2020 bis 2050 führen.

Bevölkerungskontrolle neu verpackt

Wie die „neuen“ Lösungen zur mittlerweile verpönten Bevölkerungspolitik stehen, erklärte ein Umwelt-Journalist bereits im Jahr 2018 in einem Artikel für Vox. Darin legt er dar, warum das Thema „Überbevölkerung“ in seinen Artikeln fast nie vorkomme. Die Bevölkerungsproblematik sei im Laufe der Geschichte nämlich oft mit Rassismus, Xenophobie und Eugenik konnotiert gewesen. Dadurch würde die Erwähnung von Maßnahmen der Bevölkerungskontrolle immer einen „unangenehmen Beigeschmack“ aufweisen, den es zu vermeiden gelte. Dabei gäbe es genug Möglichkeiten, das Problem auch indirekt anzugehen, so der Journalist, unter anderem durch die Förderung des Zugangs zur Familienplanung und Bildung für Frauen und Mädchen.

Familienplanung und SRHR als vermeintliche Lösung aller Probleme

Liest man einige der weiter oben erwähnten Papers und Artikel, scheint die Gewährleistung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der dazugehörigen Rechte (SRHR) die Lösung für so unterschiedliche Probleme wie Wasserknappheit, die Zerstörung von Kliniken und Straßen durch Naturkatastrophen, geschlechtsbezogene Gewalt oder Zwangsheirat, zu sein, so Mag. Antonia Holewik, Juristin am Institut für Ehe und Familie (IEF). Die international agierenden Institutionen gingen dabei nicht auf die tieferliegenden strukturellen Probleme ein, wie technische Entwicklung, Krisenmanagement und den Umgang der Geschlechter untereinander, sondern würden in den SRHR ein Allheilmittel sehen, das freilich nur oberflächlich und kurzfristig Abhilfe schaffen würde, gibt Holewik zu bedenken. Gleichzeitig dürfe auch nicht übersehen werden, dass die nun propagierte Familienplanung und die Förderung der SRHR nur ein neues Framing für eine von der westlichen Welt aufoktroyierte Bevölkerungskontrolle sei. Die Ziele wären immer noch die gleichen, auch wenn sich die Mittel zum Teil verändert hätten.

Klimaschutz als neue Religion

Hinter der Frage, ob man dem Klimaschutz zuliebe auf Kinder verzichten sollte, verberge sich für Holewik hingegen eine grundlegende Umkehrung von Wertigkeiten. Hier stehe der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt, sondern werde zum Diener einer vergöttlichten Natur. Klimaschutz werde dabei zum Selbstzweck und die Erde zu einer Naturgottheit, der der Mensch quasi geopfert werden müsse. Unser Planet habe bereits unzählige Entwicklungsstadien mit unterschiedlichsten Bedingungen durchlaufen. Die Natur habe sich dabei immer wieder verändert und angepasst. Die ansonsten neutralen Begebenheiten, wie das Klima, hätten nur eine Wertigkeit und Bedeutung in Bezug auf den Menschen, so Holewik. Gleichzeitig dürfe sich der Mensch nicht aus der Verantwortung stehlen und die Erde ausbeuten. In seinem Einflussbereich sei er vielmehr für ihr Wohlergehen und Gedeihen verantwortlich. Jedoch nicht um ihrer selbst willen, sondern um sie für sich und die kommenden Generationen zu erhalten.

Verantwortungsvoller Umgang mit Konsumgütern

Bei der Frage, wie man individuell zum Umweltschutz beitragen könne, schlägt Holewik einen verantwortungsvollen Umgang mit Konsumgütern vor. Der Hauptvorwurf gegenüber entwickelten Staaten im Zusammenhang mit Umweltschutz sei nämlich übermäßiger und undifferenzierter Konsum. Was hingegen die Demografie betreffe, so hätte man in der ersten Welt mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. Hierzulande müsse man das Augenmerk auf die Überalterung der Gesellschaft richten und darauf, dass weniger Kinder als gewünscht auf die Welt kämen (das IEF hat berichtet), gibt Holewik abschließend zu bedenken. (AH)

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