Umgang mit Tod
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INT / Lebensende: Gremium fordert Richtungswechsel im Umgang mit Tod

IEF, 28.02.2022 – Wissenschaftler fordern ein Umdenken bei der Sterbebegleitung und eine gerechte Verteilung der medizinischen Versorgung.

Eine internationale Kommission des wissenschaftlichen Lancet Journals setzte sich mit dem Thema Lebensende auseinander und veröffentlichte kürzlich seine Beobachtungen und Forderungen. Wie das Institut für Bioethik und medizinische Anthropologie (IMABE) ausführlich berichtet, kritisierte die Kommission die Verlagerung des Todes und des Sterbens in den medizinischen Bereich. Eine Überbetonung von aggressiven Behandlungen zur Lebensverlängerung, enorme globale Ungleichheiten beim Zugang zu Palliativversorgung sowie hohe medizinische Kosten am Lebensende, führten zu unnötigem Leiden von Millionen Sterbenden.

Das Sterben sei nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein soziales, psychisches und spirituelles Ereignis, machten die Experten klar. Die gesellschaftliche Kompetenz im Umgang mit Tod und Sterben müsse wiedererlangt werden und nicht suggeriert werden, nur Fachleute könnten mit Sterbenden umgehen.

Ein weiteres brennendes Thema, auf das der Bericht hinwies, sei die rasch gestiegene Lebenserwartung von 66,8 Jahren im Jahr 2000 auf 73,4 Jahre im Jahr 2019 und die daraus resultierenden Folgen. Da die Menschen länger lebten, erlebten sie auch zusätzliche Jahre in einem schlechteren Gesundheitszustand. Die Anzahl der Jahre mit erheblichen chronischen Einschränkungen sei von 8,6 Jahren im Jahr 2000 auf 10 Jahre im Jahr 2019 gestiegen. Die Lancet-Kommission erwarte daher einen rasanten Anstieg von Todesfällen in Industrienationen aufgrund von Tötung auf Verlangen oder Suizidassistenz. Nicht nur Menschen, die am Ende ihres Lebens stünden, würden durch assistierte Tötung sterben, sondern auch jene mit „unerträglichem Leiden“, Demenzkranke sowie „lebensmüde“ Gesunde.

Die Kommission schlägt konkrete Maßnahmen vor, um ein Umdenken bei der Sterbebegleitung herbeizuführen. So sollte etwa die Aufklärung über Tod, Sterben und Sterbebegleitung für Menschen am Lebensende, ihre Familien und für Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen von grundlegender Bedeutung sein. Außerdem müsste der Zugang zu palliativmedizinischer Versorgung insbesondere der Schmerzlinderung ausgebaut werden. Detaillierte Informationen finden Sie im Bericht von IMABE. (TSG)

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