IEF, 24.10.2018 – Im Juni diesen Jahres verkündete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass in der von ihr geführten internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) Geschlechtsdysphorie ab dem Jahr 2022 nicht mehr als psychische Krankheit geführt werden soll.

Geschlechtsdysphorie beschreibt das Phänomen, dass das empfundene Geschlecht nicht mit dem biologischen Geschlecht eines Menschen übereinstimmt. Bislang war „Gender Incongruenz“ unter der Kategorie „Mental Health“ in der WHO Klassifikation von Krankheiten aufgeführt. Weil nun jedoch neue Erkenntnisse darüber vorlägen, dass es sich hierbei nicht um eine psychische Krankheit handle, wurde es aus der Klassifikation herausgenommen, erklärt Dr. Lale Say von der WHO. Eine weitere Beibehaltung hätte außerdem zur Stigmatisierung von Transgender-Personen beigetragen. Um der Gefahr der Stigmatisierung zuvor zu kommen und außerdem die gesundheitliche Versorgung von Transgender-Personen zu sichern, wurde „Gender Incongruenz“ jedoch nicht vollkommen aus dem ICD entfernt, sondern in das neu entworfene Kapitel „Sexual Health“ verschoben, so Lay. Das solle unter anderem auch zu einer größeren gesellschaftlichen Anerkennung von Transgender-Personen beitragen. Durch die höhere gesellschaftliche Akzeptanz erhofft sich die WHO auch, dass die gesundheitliche Versorgung betroffener Personen besser wird. Die Koordinatorin für Jugendgesundheit und Hochrisikogruppen räumt ein, dass diese Entscheidung unter anderem durch Interessengruppen von Transgender- Personen gefordert und befürwortet wurde. Dies sei jedoch nicht der einzige Grund für die Änderung gewesen. Die Entscheidung sei letztlich ein Ergebnis von Beratungen einer externen Beratergruppe und den Erfahrungsberichten und Forderungen von Interessengruppen gewesen. In einem sehr ähnlichen Verfahren wurde beispielsweise Homosexualität komplett aus dem ICD entfernt, so Say.

Kritik an unvorsichtigem Umgang mit geschlechtsangleichenden Maßnahmen

Andere Ärztevereinigungen wie beispielsweise die American Psychiatric Association führen Geschlechtsdysphorie jedoch weiterhin unter der Klassifikation der psychischen Störungen. Das American College of Pediatricians (ACP) wiederum warnt vor dem leichtfertigen Umgang mit der Transgender-Thematik, insbesondere sollten nicht voreilig Hormonbehandlungen oder Geschlechtsoperationen durchgeführt werden. Diese seien letztlich destruktiv für das Kind. Der Präsident des ACP, Dr. Joseph Zanga, wehrt sich daher gegen Tendenzen, einen Geschlechtswechsel im Kindesalter als etwas Normales darzustellen. Dies führe unausweichlich dazu, mehr Kindern pubertätsblockende Hormone zu verschreiben. Die Folge wären ua eine lebenslange Einnahme von Geschlechtshormonen und die Operation von an sich gesunden Körperteilen. In der Diskussion sei zu bedenken, dass nicht wenige Problemfälle sich oft in der späten Pubertät von selbst lösten. Das erste und wichtigste Prinzip, dem der Arzt folgen sollte, sei das Nichtschadensprinzip. „Do not harm“ sei eine ethische Devise, der sich der Arzt gerade auch in dieser Debatte verschreiben sollte, statt der Masse zu folgen, so Zanga.

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