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INT / Gender: Altersgrenze für Hormonbehandlungen gefallen

IEF, 10.10.2022 – In ihren neuen Leitlinien hat die World Professional Association for Transgender Health (WPATH) die Altersgrenzen für Pubertätsblocker aufgehoben.

Gemäß den neuen Standards of Care and Ethical Guidelines (SOC8) sollen Altersgrenzen für Hormonbehandlungen mit Pubertätsblockern oder operative Geschlechtsumwandlungen zukünftig den Patienten in Absprache mit den Eltern und Ärzten überlassen werden. Das hat die WPATH, eine Organisation, die sich mit der Behandlung von Geschlechtsdysphorie (Diagnose, die an Personen gestellt wird, die sich nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren können) beschäftigt, beschlossen.

Hormonbehandlungen ab 9 Jahren?

Die WPATH empfiehlt nun in ihren upgedateten Standards, dass Medikamente zur Geschlechtsumwandlung bereits ab den ersten Anzeichen von Pubertät verschrieben werden können und keine starre Altersgrenze eingehalten werden müsse. So könne man bereits bei Neunjährigen, die gerade erst in die Pubertät kommen, mit einer Hormonbehandlung beginnen. Amy Tishelman, Co-Autorin der SOC8, betonte bei der Jahreskonferenz der WPATH Anfang diesen Monats, dass Empfehlungen zu Altersgrenzen weggelassen wurden, damit praktizierende Ärzte keine Angst vor rechtlichen Konsequenzen haben müssten, wenn sie sich bei der Behandlung von Geschlechtsdysphorie nicht an vorgeschriebene Altersgrenzen hielten.

Neue Standards trotz Warnsignalen

Diese Entwicklungen sind vor dem Hintergrund, dass kürzlich die Tavistock Gender Klinik aufgrund ihrer umstrittenen Genderbehandlungen schließen musste, bemerkenswert. Unter anderem standen dort nämlich in viel zu jungen Jahren begonnene und später von den Patienten bereute Hormonbehandlungen unter scharfer Kritik. Aus einem Bericht der angesehenen Jugendärztin Hilary Cass, der für die Betriebseinstellung der Tavistock Klinik ausschlaggebend war, ging hervor, dass für den Einsatz von Hormonblockern ein klarer klinischer Nachweis fehle, dass diese nicht zu späteren Gesundheitsschäden führen würden. Zu den Auswirkungen von Hormonbehandlungen lesen Sie etwa den Erfahrungsbericht der 17-jährigen Amerikanerin Chloe.

Die britische Professorin Kathleen Stock zeigte sich schockiert über das Update der Standards. „Die internationale medizinische Gemeinschaft muss aufhören, ihre Gehirne an solche Organisationen unter dem Deckmantel der medizinischen Best Practices auszulagern, weil diese eindeutig ideologisch sind und, wie ich sagen würde, völlig unverantwortlich handeln“, kritisierte Stock die WPATH scharf. Dieses neue Dokument werde als Goldstandard angesehen und es sehe nicht so aus, als ob hier die vielen medizinischen und ethischen Implikationen von Geschlechtsbehandlungen ernstgenommen werden würden, so Stock, die für ihre Ansichten immer wieder öffentlich angefeindet wurde und sich aufgrund einer Rufmordkampagne sogar  gezwungen sah, ihre Professur an der britischen Sussex University abzugeben. (TS)

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