DE / Lebensende: In katholischen Heimen auch künftig keine Sterbehilfe

IEF, 12.04.2021 – Die deutsche Caritas stellt sich klar gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.

Nach dem Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe (das IEF hat mehrfach berichtet), haben kirchliche Institutionen nun die Frage zu beantworten, wie sie mit der Entscheidung des Höchstgerichts in der Praxis umgehen wollen.

Neher: Keine Beihilfe zur Selbsttötung

Der Präsident des Deutschen Caritasverband, Peter Neher, hat in einem Interview mit der Kirchenzeitung des Bistums Hildesheim klargestellt, dass katholische Einrichtungen in Deutschland keine Beihilfe zur Selbsttötung leisten werden. „Das widerspräche grundlegend der christlichen Auffassung von der Unantastbarkeit des Lebens vom Anfang bis zum Ende“, so Neher. Auch sei der Suizid kein angemessenes Mittel der Schmerz-, Leid- und Altersbewältigung. Allerdings halte der Caritas-Präsident es für wichtig, „dass der Wunsch zu sterben auch in kirchlichen Einrichtungen thematisiert werden darf und wir offen damit umgehen“.

Palliativmedizin und persönliche Zuwendung

Aus Beratungen des Caritasverbands für suizidgefährdete junge Menschen wisse er, wie notwendig es sei, mit diesen ins Gespräch zu kommen. Der Wunsch zu sterben entstehe häufig aufgrund von Einsamkeit, Leid und Schmerzen. „Mit den Mitteln der Palliativmedizin und persönlicher Zuwendung lassen sich aber inzwischen Wege finden, mit deren Hilfe sich die Menschen trotz ihrer Nöte und Ängste bewusst auf den Sterbeprozess einlassen können.“

Keine Einladung für Sterbehelfer

Die Einrichtungen hätten jedoch nicht das Recht, von Bewohnern eingeladenen Sterbehilfevereinen oder Ärzten den Zugang zu verwehren, stellte Neher auf Nachfrage klar. „Aber von einer Einrichtung kann es keine Einladung für Sterbehelfer geben.“ Zudem könne niemand verlangen, dass zur Suizidhilfe Räume zur Verfügung gestellt werden oder Sterbehilfevereine ihre Prospekte auslegen können.

Suizid beeinflusst gesamtes Umfeld

Wenn jemand den Weg des Suizids absolut gehen wolle, habe dies Auswirkungen auf das gesamte Umfeld wie Angehörige, andere Heimbewohner und Pflegekräfte. Hier gebe es noch viele offene Fragen, die der Caritasverband aktuell mit der Deutschen Bischofskonferenz zu klären versuche.

Auch EKD lehnt Sterbehilfe ab

Im Jänner des heurigen Jahres hatte ein Gastkommentar in der FAZ für große Aufregung gesorgt: drei bekannte Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatten sich dafür ausgesprochen, Sterbehilfe auch an kirchlichen Institutionen zu ermöglichen. Wie das IEF berichtete, hatten sich die evangelische, wie auch die katholische Kirche umgehend scharf von den Aussagen der Theologen distanziert. (KL)

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