AT / Lebenshilfe: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Folgen der Pandemie

IEF, 25.03.2021 – Studien belegen: Die psychische Belastung bei Kinder und Jugendlichen ist bedenklich, Suizidgedanken nehmen zu.

Mit der Fortdauer der Pandemie sei auch die Zahl der Kinder mit psychischen Problemen weiter gestiegen, zeigen mehrere aktuelle Studien in Österreich. Kathrin Sevecke, Direktorin der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, warnt: Hier würden belastete und teilweise psychisch kranke Kinder heranwachsen. Sie zeigt sich laut Presse angesichts der Ergebnisse der Tiroler Studie an 703 Eltern und 224 Kinder „alarmiert“: Noch vor einem Jahr während des ersten Lockdowns wiesen nur drei Prozent der Kinder zwischen drei und zwölf Jahren klinisch relevante Symptome auf. Bei der zweiten Durchführung im Winter 2021 sei der Wert nun auf fünfzehn Prozent gestiegen. Die Anzahl der Angst- und Traumasymptome sei seit März 2020 sogar um 60 Prozent gestiegen. Zurückzuführen sei dieser drastische Anstieg in erster Linie auf fehlende soziale Kontakte. Gefordert sei die Politik, die auf die seelischen Folgewirkungen der Coronamaßnahmen bei Kindern verstärkt Rücksicht nehmen sollte.

Kinder- und Jugendpsychiatrien am Limit

Alarmierend äußerten sich auch die Kinder- und Jugendpsychiatrien, sie verzeichneten derzeit vermehrte Krisenaufnahmen. Gerade für Langzeitbetreuung sei jedoch die Kapazität dieser Einrichtungen am Limit. Zwei Drittel der akuten Fälle, die sich in selbstverletzendem Verhalten oder Suiziddrohungen äußerten, könne man auf die Pandemie zurückführen. Prinzipiell zeige sich bei jüngeren Kindern die Belastung vorwiegend in Schlafstörungen und Bauchschmerzen, ältere Kinder litten verstärkt an Konzentrationsstörungen und aggressivem Verhalten.

Armutsgefährdete Familien besonders betroffen

Auch die Volkshilfe Österreich wiederholte seit dem Sommer 2020 eine Befragung unter 100 armutsgefährdeten Familien. Das dramatische Ergebnis zeige eine eklatante Verschlechterung, die Volkshilfe verzeichne einen Spitzenwert bei Anfragen zur finanziellen Unterstützung. Finanzielle Sorgen der Eltern hätten auch Auswirkungen auf die psychische Belastung der Kinder, zeigt sich Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger im Gespräch mit der Presse besorgt. „Wie stark die Kinder und Jugendlichen von der Krise erfasst wurden, ist beispielslos“, so Fenninger. Die Einschränkung der sozialen Möglichkeiten treffe insbesondere armutsgefährdete Familien und verstärke das Einsamkeitsgefühl und Gefühl der Ausgeschlossenheit. Jede/r fünfte Mutter oder Vater (21%) schätze die Lage seiner Kinder derzeit desaströs ein.

Suizidgedanken bei Jugendlichen nehmen zu

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie der Donau-Uni Krems und der Medizin-Uni Wien an rund 3000 Befragten. Demnach zeigen 56 Prozent der Über-14-Jährigen eine depressive Symptomatik, die Hälfte zeige Angstsymptome. Die Häufigkeit dieser Beschwerden habe sich, wie auch jene von Schlafstörungen, demnach verfünf- bis verzehnfacht, wie die Presse Anfang März berichtete. „Ganz besonders alarmierend ist die Tatsache, dass rund 16 Prozent entweder täglich oder an mehr als der Hälfte der Tage suizidale Gedanken angeben. Das ist im Vergleich zu den letzten verfügbaren Daten aus Österreich ein deutlicher Anstieg“, stellt der Studienautor, Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien, fest. Der Anstieg psychischer Beschwerden stehe durchaus auch in Zusammenhang mit dem vermehrten Handygebrauch, der sich im Vergleich zu 2018 verdoppelt habe.

Prävention und professionelle Hilfe sind wichtig

Um psychischen Belastungen entgegenzuwirken, sei für Kinder und Jugendliche die Einhaltung eines Tag-Nacht-Rhythmus mit ausreichendem Schlaf, körperlicher Betätigung und die Wiederaufnahme sozialer Kontakte wichtig. Wenn aber die Probleme zu groß werden, sollte Hilfe in Anspruch genommen werden. Gerade in schweren Fällen und vor allem dann, wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr weiterleben zu wollen, ist eine professionelle Hilfe wichtig und auch möglich, präzisierte Plener. Hilfe und Information in solchen Belastungssituationen findet man unter anderem auf der Seite der Suizidprävention Austria.

Die neue Initiative „Gönn´Dir“ des Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung greift die Problematik der fehlenden Möglichkeit zur aktiven Freizeitgestaltung für Jugendliche auf und bietet Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren ein vielfältiges Programm zur kostenlosen Nutzung. Das umfangreiche Angebot setzt insbesondere auf körperliche Betätigung, Kunst und Ausdruck sowie auf musikalische Aktivitäten und wird durch professionelle Coaches und Experten begleitet.

Hilfe bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Instituts für Ehe und Familie

Mit Beginn der Krise hat auch das Institut für Ehe und Familie (IEF) sein Beratungsangebot verstärkt auf Web- und Telefonberatung umgestellt. Unter der eigens eingerichteten Seite IEF-Coronahilfe findet man konkrete Tipps zu verschiedenen konkreten Problemlagen. Persönliche, anonyme und kostenlose Beratung ist telefonisch oder online möglich. Zu den Kontaktmöglichkeiten mit unserem Beraterteam gelangen Sie hier. (EF)

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