
Im Herzen der Weltkirche
IEF, 15.06.2025 – Pilgerreise zum Jubiläum der Familien in Rom: ein persönlicher Bericht
Zwischen antiken Mauern, barocken Kirchen und lebendiger Gemeinschaft wurde während des „Jubiläums der Familien“ in Rom spürbar: Familie ist eine der schönsten Erfindungen Gottes!
Gemeinsam unterwegs nach Rom
Ende Mai machten wir uns als kleine IEF-Delegation auf den Weg, um gemeinsam mit Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt das Jubiläum der Familien, Großeltern und älteren Menschen zu feiern. Drei Tage lang tauchten wir ein in die Weltkirche – begleitet von tiefer Freude, bewegenden Begegnungen und inspirierenden Impulsen zur Bedeutung von Familie heute. Auch der österreichische Familienbischof Hermann Glettler war mit einer Pilgergruppe aus seiner Diözese Innsbruck mit dabei.
In diesem Artikel wollen wir persönliche Eindrücke und ein paar „Takeaways“ von unserer Zeit in Rom weitergeben.
Familie als Berufung und Zeichen der Hoffnung
Ein Höhepunkt unserer Reise war die Sonntagsmesse mit Papst Leo XIV. Schon früh am Morgen füllte sich der Petersplatz. Auch wir reihten uns mit Croissants und Cappuccino „bewaffnet“ in die lange Schlange der Sicherheitskontrolle ein. „Trotz drei Stunden Wartezeit und der Mittagshitze waren eine unglaubliche Freude und weltkirchliche Stimmung über alle Grenzen und Nationen hinweg zu spüren“, berichtet Brigitte. Johannes fügt hinzu: „Vor dieser gewaltigen Fassade von Sankt Peter sitzend, gemeinsam mit zigtausenden Gläubigen – da atmet man Jahrhunderte an lebendiger Kirchengeschichte. Und dann der Papst im Papamobil mit der jubelnden Menge; ich dachte mir: wie schön, Teil dieser katholischen Kirche sein zu dürfen!“
In diesen Tagen wurde uns vor Augen geführt: Familie ist mehr als eine Lebensform. Sie ist Berufung und Hoffnungsträgerin für unsere Zeit. Papst Leo XIV brachte es in seiner Predigt auf den Punkt:
„Meine Lieben, wenn wir uns so lieben, gegründet auf Christus, der »das Alpha und das Omega«, »der Anfang und das Ende« (vgl. Offb 22,13) ist, werden wir für alle in der Gesellschaft und in der Welt zu einem Zeichen des Friedens. Und vergessen wir nicht: Aus den Familien heraus entsteht die Zukunft der Völker. […] Ja, indem uns die Kirche diese Ehepaare als vorbildliche Zeugen vor Augen stellt, sagt sie uns, dass die Welt von heute den Bund der Ehe braucht, um die Liebe Gottes zu erkennen und anzunehmen und um mit seiner einigenden und versöhnenden Kraft jene Mächte zu überwinden, die Beziehungen und Gesellschaften zersetzen.“
Auch auf der FAFCE-Tagung (dem Treffen der europäischen katholischen Familienverbände) wurde klar, welch tiefes Potenzial Familie für Kirche und Gesellschaft hat:
„Beziehungen sind wie das Licht – wir sehen es nicht, aber durch das Licht sehen wir die Welt“
Dieses Zitat hat mich (Sabrina) tief beeindruckt. Familie soll keine „private Wohlfühloase“ sein, sondern ein Raum, in dem bedingungslose Liebe erlernt werden kann; ein Ort, der Mitmenschlichkeit konkret werden lässt. Diese gelebte Liebe kann zum „Schlüssel für eine solidarische Gesellschaft“ werden.
Katharina fasst ihre Eindrücke so zusammen:
„Familie ist Hauskirche – und Kirche wiederum Familie. Orte, wo Menschen Liebe und Frieden erfahren können, auch wenn es nicht immer leicht ist, zusammenzuleben und zusammenzuhalten.“
Ehe als Weg
Ob bei der FAFCE-Tagung, während des Nachmittags für Familien in Trinità dei Monti oder in persönlichen Gesprächen, immer wieder wurde deutlich: Ehe und Familie sind keine starren oder romantisierten Ideale, sondern ein Weg mit Höhen und Tiefen. Phasen der Verliebtheit, Freude, Enttäuschung, Krisen und Neubeginn gehören dazu.
Ehe bedeute: gemeinsam wachsen, einander neu begegnen, füreinander kämpfen, immer wieder neu. Besonders in den persönlichen Lebenszeugnissen unserer Gruppe beim gemeinsamen Abendessen wurde spürbar, wie Gott die „aufgespannten Beziehungsräume“ immer wieder – oft auf überraschende Weise – mit Gnade füllt.
Auch wir machten solche Erfahrungen während unserer kurzen Reise. Markus berichtet:
„Wir kamen an der geschlossenen Kirche der Heiligen Brigitta von Schweden vorbei – beim Zurückgehen standen plötzlich Ordensschwestern vor uns, die uns nicht in die Kirche, sondern in die Räume der Heiligen führte. Die Räume sind noch original von 1367! Ja, Gott ist groß!“.
Kirche und Familie leben!
Diese Pilgerreise hat uns auf besondere Weise gezeigt: Kirche und Familie leben. Sie sind Orte an denen Gottes Liebe erfahrbar wird.
Überall in Rom war diese Liebe zur Schönheit sichtbar, wie Marianne es beschreibt:
„Jeden Tag haben wir viele Schritte zurückgelegt und immer wieder gestaunt über die Schönheit Roms! Diese Farben der Hausfassaden und Fensterläden, diese wunderschöne Architektur. Die vielen unfassbar schönen Kirchen. Diese vielen Dachgärten grüßten von weit oben herunter und man bekam eine solche Sehnsucht nach dort oben. Die Römer lieben Pflanzen, das konnte man überall sehen, ob hoch oben über den Dächern oder auf den kleinen Balkons. Diese Farbtupfer lassen die Lebensfreude der Besitzer erahnen.“
Wir nehmen dieses Bild mit und damit auch den Auftrag, unsere Beziehungen bewusst zu gestalten. Im Herzen der Weltkirche wurde spürbar: Gott wirkt mitten unter uns – in Ehe, Familie und der Kirche als Gemeinschaft. (SM)



