„Warum Frauen und Männer so gut zusammenpassen und sich trotzdem nicht verstehen“ mit Univ. Doz. Dr. Raphael Bonelli am 1. 4.2019

Im Rahmen des Fortbildungsschwerpunktes „Er und Sie – Dialoge zum Wir“ war gestern Abend Univ. Doz. Dr. Raphael Bonelli als Redner zu Gast am IEF. Der brisante Titel „Warum Frauen und Männer so gut zusammenpassen und sich trotzdem nicht verstehen“ versprach spannend zu werden.

Bonelli, Neurowissenschaftler, Psychiater und systemischer Psychotherapeut, spannte einen großen Bogen und arbeitete systematisch auf, weshalb Frauen und Männer so unterschiedlich denken und wahrnehmen würden, und sich deshalb einerseits so hervorragend ergänzen, und aus genau demselben Grund in ihren Beziehungen häufig in Schieflagen geraten würden.

Historisch habe sich diese Thematik vom Geschlechternarzissmus, der bis in die 50er Jahre vorherrschte, über die Geschlechterkonkurrenz bis ins Jahr 2000, und dann seither zu einer Geschlechterergänzung, sowie zur modernen Gendermedizin hin entwickelt. Erst seit noch nicht einmal 20 Jahren, würden die Geschlechter und ihre Unterschiedlichkeit erkannt und angenommen werden. Heute seien wir, so Dr. Bonelli, in der Lage, einander als Mann und Frau auf Augenhöhe zu begegnen, und in gegenseitiger Wertschätzung eine wahrliche Win-Win-Situation herzustellen. Der Eros, die Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern, sei unbewusst und lebe von der Unterschiedlichkeit von Mann und Frau. Der Neurowissenschaftler betonte überhaupt das Unbewusste, das immer geschlechtsspezifisch sei, als sehr bedeutsam für unsere Konstitution und somit unsere Paarbeziehungen.

Im Sinne der Gauß´schen Regel gäbe es laut Bonelli ganz klare Faktoren, die eine definitive Unterschiedlichkeit zwischen Frauen und Männern ergeben würden. Sowohl Körper, als auch Psyche und Kognition seien bis in jede Zelle verschieden angelegt. Somit sei es wissenschaftlich schlichtweg falsch, diese Unterschiede verleugnen zu wollen.

Der Menschen besteht, so Dr. Bonelli weiter, aus drei Dimensionen: Noos, Thymus, und Soma. Aus diesen Dimensionen ergäbe sich die völlig verschiedene Prägung von Männlichkeit und Weiblichkeit, die sich aber dann in jeder Dimension jeweils perfekt ergänzen würde. So würden Frauen über Lebensnähe, emotionale Intelligenz und ein assoziatives Denken, Männer wiederum über Stärke, emotionale Stabilität und ein lineares Denken verfügen. Der größte Unterschied liege in der Empathie, die ganz klar eine weibliche Eigenschaft sei.

Diese Verschiedenartigkeit in der Geschlechtlichkeit und die Tatsache, dass Männer prinzipiell sachorientiert und Frauen personenorientiert agieren würden, so führte Bonelli weiter aus, führe zu einer wunderbaren Symbiose, die in einer gelungenen Paarbeziehung zur vollen Entfaltung komme. Erst zwei Blickwinkel würden dreidimensional sehen, im Zusammenkommen von Mann und Frau würden die besten Lösungen möglich werden.

Weshalb geraten dann aber Paare so oft in eine Schieflage? Dazu verwies Dr. Raphael Bonelli auf den heute immer häufigeren Versuch, eben diese klaren Unterschiede in der Geschlechtlichkeit immer kleiner machen zu wollen und somit immer mehr zu verdrängen.

Würde nämlich entweder von den Frauen ihre Weiblichkeit oder von Männern ihre Männlichkeit nicht gelebt werden, so werde der Eros, die oben genannte Anziehungskraft, instabil. Erst die Polarität führe zur Anziehung; wir alle würden davon profitieren, wenn Männer männlicher und Frauen weiblicher wären.

Zum Ende rief Dr. Bonelli dazu auf, der eigenen Wahrnehmung zu trauen, und Talente, die man in eben dieser unbewussten Geschlechtlichkeit bekommen habe, zur Entfaltung zu bringen.

 

Buchtipp:

Raphael Bonelli
Frauen brauchen Männer und umgekehrt
Warum alle gewinnen, wenn Männer männlich und Frauen weiblich sind – Couchgeschichten eines Wiener Psychiaters
352 Seiten / 13,5 x 21,5 cm
22,70 EUR

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