Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind steigt durch IVF mit Eizellspende
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AT_US / Reproduktionsmedizin: Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind steigt durch IVF mit Eizellspende

IEF, 16.4.2018 – Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass Frauen, die mit Eizellenspende im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) schwanger werden, häufigere Komplikationen erleiden als bei ihrer spontan empfangenen Schwangerschaft. Die Studie wurde an amerikanischen Leihmüttern durchgeführt, die selbst schon genetisch eigene Kinder geboren hatten.

Wie das Wiener Bioethik Institut IMABE berichtet, sei die retrospektive Studie einzigartig, da erstmals Daten von Frauen hinsichtlich des Verlaufs der Schwangerschaft und der Geburten verglichen wurden, die sowohl genetisch eigene Kinder zur Welt gebracht hatten als auch genetisch fremde Kinder in Form von Leihmutterschaft. Untersucht wurden 124 Frauen (Durchschnittsalter 33) und deren insgesamt 494 Schwangerschaft in Zusammenarbeit mit zwei Leihmutterschaftsagenturen in Kalifornien. Darunter waren 312 spontane Schwangerschaften und 182 Leihmutterschaft-Schwangerschaften.

Es zeigte sich, dass Frauen und Neugeborene im Fall von Schwangerschaft nach IVF mit genetisch fremden Kindern häufiger Risiken erlitten als dieselben Frauen bei spontan empfangener Schwangerschaft. Die genetisch fremden IVF-Kinder zeigten signifikant höhere gesundheitliche Risiken im Vergleich zu ihren eigenen Kindern: Sie waren bei der Geburt im Schnitt um 105 g leichter, die Frühgeburtsrate war erhöht (10,7% zu 3,1%), die Zwillingsrate und die damit verbundenen Risiken war erheblich erhöht (33% zu 1%). Es traten außerdem häufiger Geburtskomplikationen auf. Die Frauen litten häufiger unter Schwangerschaftsdiabetes und -bluthochdruck, das Risiko einer Fehllage des Mutterkuchens (Placenta previa) war erhöht genauso wie der Antibiotika-Bedarf während der Geburt.

Für Bioethikerin Susanne Kummer, Geschäftsführerin von IMABE, zeige die Studie, dass sich der Risikofaktor durch IVF in Verbindung mit Eizellspende für Mutter und Kind nicht mehr leugnen lasse und ethische Fragen aufwerfe. In Hinblick auf die derzeit schätzungsweise 5 Millionen lebenden Menschen, die nach künstlicher Befruchtung geboren worden seien, warnt Kummer: „Die Langzeitfolgen für die nach IVF geborenen Kinder, nach Eizellspende oder nach Leihmutterschaft, sind immer noch zu wenig erforscht.“ Umso wichtiger sei „Redlichkeit in der Erhebung und Verfügbarmachung von Daten“, insbesondere im Kontext eines aggressiven Marktes. Kummer bezeichnet Österreich in diesem Bereich als Schlusslicht, da der IVF-Bericht hierzulande mangelhaft ausfalle und wichtige Indikatoren offen lasse.

Wie das Institut für Ehe und Familie (IEF) berichtete, fehlten laut Kummer in der österreichischen IVF-Statistik Daten darüber, wie oft die künstliche Befruchtung zum Erfolg führte, wie viele Versuche nach Eizellspende fehlgeschlagen seien oder abgebrochen werden mussten, wie viele Fehl- oder Totgeburten es gab oder nach welchen Krankheiten Embryonen aussortiert worden seien. Außer den spärlichen Daten zum sogenannten Hyperovulationssyndrom gäbe es keine Angaben über negative Vorkommnisse, und auch die selektive Abtreibung von Embryonen bei Mehrlingsschwangerschaften bleibe unerwähnt, kritisiert die Bioethikerin.

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