GB / Gender: Immer mehr Kinder werden mit Hormonblockern behandelt

IEF, 18.12.2017 – Im November 2017 hatte ein Lehrer aus Oxfordshire eine Schülergruppe mit den Worten „Gut gemacht, Mädchen!“ gelobt und wurde daraufhin wegen „nicht gendergerechter“ Ansprache verwarnt. In der angesprochenen Gruppe befand sich nämlich ein (biologisches) Mädchen, das sich als Junge fühlte. Immer mehr junge Menschen in Großbritannien scheinen Probleme mit ihrer Geschlechtsidentität zu haben und demensprechend hormonell behandelt zu werden.

„Nicht gendergerechte“ Ansprache der Schüler

Wie BBC News berichtet, habe der Mathematik-Lehrer Joshua Sutcliffe sich umgehend entschuldigt, nachdem die entsprechende Schülerin „wütend“ geworden sei. Eine danach einberufene Untersuchungskommission fand heraus, Sutcliff hätte durch „nicht gendergerechte“ („misgendering“) Ansprache gegen die Gleichbehandlungsrichtlinien der Schule verstoßen. Sutcliffe, der auch anglikanischer Pastor ist, teile nicht die Auffassung, dass Kinder dazu ermutigt werden sollten, ein Geschlecht zu wählen, das nicht dem biologischen entspräche. Jedoch versuche er nach eigenen Angaben stets seine Überzeugungen mit dem Bedürfnis der Schüler nach sensiblem Umgang abzustimmen. So vermeide er etwa den Gebrauch von geschlechtsspezifischen Pronomen, indem er die Schüler bei ihren Namen nenne. Die Schule habe es ihm nach dem Vorfall unmöglich gemacht, weiter an der Schule zu arbeiten, weshalb er den Beruf dort nicht hätte weiter fortführen können. Der Lehrer will die Schule nun klagen.

Zunahme an Transgender-Hormontherapien in Großbritannien

In Großbritannien gebe es Statistiken zufolge immer mehr junge Menschen, die an Problemen in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität litten. Im Jahr 2016 hätten sich mehr als 2000 Kinder und Jugendliche (zwischen 3 und 18 Jahren) an einem Spezialinstitut, dem Gender Development Identity Service (GIDS) behandeln lassen. 2010/11 seien es noch knapp 200 Behandelte gewesen. Von den 2016 Behandelten in 2017 seien 1.400 bei der Geburt biologisch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet worden. Der Direktor von GIDS Polly Carmichael sagte, es gäbe keine Erklärung für den extremen Anstieg, er stellt jedoch eine „signifikante gesellschaftlich angestiegene Akzeptanz von Transgenderismus und Genderdiversität“ fest. Laut Carmichael würde der Großteil der Behandelten sich nicht einer physischen Behandlung unterziehen.

Immerhin seien aber laut Daily Mail von Jänner bis Juli 2017 rund 800 junge Menschen mit umstrittenen Hormonblockern behandelt worden, rund 600 am GIDS. Mehr als 25 % der Behandelten sei unter 14. Die verabreichten Medikamente hemmen die Entwicklung von primären und sekundären Geschlechtsorganen sowie das Behaarungswachstum. Dadurch sollen die jungen Menschen Zeit gewinnen, Klarheit über ihre Geschlechteridentität zu bekommen. Außerdem werde so eine spätere operative Geschlechtsumwandlung erleichtert.

Hormonelle Unterdrückung der Pubertät gefährdet junge Menschen

Wie u.a. das Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) ebenso im Juli berichtete, hagelte es vor allem von amerikanischen Wissenschaftlern heftige Kritik an der Hormonbehandlung von Kindern.  Die Pubertät hormonell zu blockieren, sei laut den US-Experten ein rein experimentelles Verfahren. Es widerspreche dem ärztlichen Ethos, derartige Verfahren ohne intensive Vorabprüfung bei Kindern anzuwenden. Letztlich müssten die Erziehungsberechtigten der ärztlichen Behandlung zustimmen – auch dazu, dass ihre Kinder Forschungsgegenstand für Tests von ungeprüften Therapien werden, kritisieren die Experten. Unabhängig von der guten Absichten der Eltern und Ärzten gefährdeten solche Behandlungen die jungen Menschen, so die Wissenschaftler deutlich.

Österreichische Bioethikkommission veröffentlichte Stellungnahme zu Intersex  und Transidentität

Auch die Österreichische Bioethikkommission warnt vor zu frühen geschlechtsvereindeutigenden oder –zuordnenden Eingriffen. In ihren am 1.12.2017 veröffentlichten Empfehlungen zu Intersexualität und Transidentität fordert sie unter anderem von einer unangemessenen Pathologisierung bei Abweichungen vom bipolaren Mann/Frau-Schema abzusehen und auch in Fällen einer medizinischen Indikation reversiblen Eingriffen den Vorzug vor irreversiblen Eingriffen zu geben.

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