US_AT / Bioethik: Bioethikerin Kummer kritisiert Verzweckung des Embryos

IEF, 22.02.2017 – Die Wiener Bioethikerin Susanne Kummer vom Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) kritisiert in einem Interview gegenüber der kathpress die Empfehlung der U.S. National Academy of Sciences und der National Academy of Medicine in Washington D.C, demnach klinische Versuche am Embryo, bei denen die DNA manipuliert werden, erlaubt werden sollten. Die Wissenschaftler erhofften sich, dadurch Erbkrankheiten zu verhindern. Kummer zeigt sich jedoch skeptisch. Die als „Gen-Schere“ oder „Genome Editing“ bezeichnete Methode zur Ausmerzung von Erbkrankheiten im Erbgut des Embryos einzusetzen, wertet die Bioethikerin als „Scheinargument“. Die Methode erfülle laut Kummer keinen medizinischen Zweck, da bei potentiell vererbbaren Krankheiten bei weitem nicht jedes Kind automatisch betroffen sei. Je nach Typ der Erkrankung wisse man, dass die Wahrscheinlichkeit tatsächlich zu erkranken, für das Kind nur bei 25 bis 50 Prozent liege. Außerdem wäre es viel einfacher, genetische veränderte Embryonen mittels Präimplantationsdiagnostik auszusondern, anstatt sie individuell mittels „Genome Editing“ zu „korrigieren“. Kummer vermutet hinter der propagierten Methode daher vor allem marktwirtschaftliche Interessen. Die erhofften großen Gewinne durch die Stammzellenforschung seien ausgeblieben, nun gelte es, neue gewinnbringende Märkte zu öffnen, die den Glauben an die Möglichkeit eines „krankheitsresistenten“ Menschen aufrecht erhalten. Tatsächlich gehe es hier um „Optimierungssehnsüchte“ mit „fragwürdigen eugenischen Ansätzen“. Abgesehen davon, dass mögliche Folgeschäden der Veränderung des Erbgutes für das Individuum selbst und nachfolgende Generationen völlig ungewiss seien, würden Embryonen beim „Genome Editing“ als „Rohstoff verbraucht“, so die IMABE-Geschäftsführerin. „Die Genomeditierung kommt nicht ohne die selektive Vernichtung von Embryonen aus. Dem muss klar widersprochen werden: Der Embryo ist kein Heilmittel. Die Würde des Menschen in allen seinen Entwicklungsphasen, verbietet es, ihn für Experimente zu verzwecken“, so die Bioethikerin.

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