AT / Familie: Lebensgefühl der jungen Generation auf Tiefstand

IEF, 05.07.2021 – Eine aktuelle Studie zeigt eine wachsende Unzufriedenheit der Jugendlichen in allen Lebensbereichen. Junge Frauen sowie Personen mit schlechterem Gesundheitszustand sind besonders davon betroffen.

Laut einer aktuellen Jugendstudie, die im Mai 2021 vom market Institut im Auftrag der Allianz Österreich an 800 14- bis 24-Jährigen im Rahmen einer Online- Befragung durchgeführt wurde, nimmt das Lebensgefühl der Jugendlichen seit Jahren ab. Konkret kann festgestellt werden, dass beinahe jede/r Zweite mit dem Leben unzufrieden sei, sich jede/r Dritte Sorgen um die Zukunft mache und jede/r Vierte unter psychischen Problemen leide, so das beunruhigende Ergebnis der Studie. Auffallend präsentiert sich dabei ein unterschiedliches Empfinden von Zukunftssorgen von Männern und Frauen: Fast jede zweite befragte Frau bezeichnet sich zukunftsängstlich, bei den Männern hingegen nur jeder vierte. Stärker geworden sei laut Umfrage der Tatendrang im Bereich Klimawandel, der in der Wahrnehmung der Mehrheit der jungen in Österreich lebenden Menschen als Hauptbedrohung der nächsten 20 Jahre genannt wird. Ein Drittel der Befragten empfindet bei diesem Thema Wut, die Jugend sieht dabei vorrangig die Industrie als Hauptschuldigen. Mit dem Bildungsgrad und Alter der Befragten steigt das Interesse am Thema Klimawandel.

Unter den wichtigsten Parametern für ein gutes Lebensgefühl sind für Jugendliche Arbeit und Familie: für acht von zehn Jugendlichen sind ein sicherer Arbeitsplatz, die Familie sowie Freunde die wichtigsten Sicherheitsfaktoren. Die Bedeutung einer festen Partnerschaft hingegen hat im Vergleich zur letzten Befragung etwas abgenommen. Viel Geld zu haben ist der Jugend jedoch heute wichtiger als noch 2017.

Psychische Beschwerden seit 2011 vervierfacht

Bedenklich angestiegen seien die psychischen Beschwerden bei den Jugendlichen in Österreich. Sie stellten das größte Gesundheitsproblem dieser Generation dar. In der Gegenüberstellung zur Vergleichsstudie aus dem Jahr 2011 habe sich die Zahl der jungen Menschen mit psychischen Problemen in Österreich im Laufe der letzten zehn Jahre vervierfacht, auch seit 2017 sei ein steter Anstieg festzustellen. Jeder vierte Jugendliche fühle sich „häufig einsam und unglücklich“. 46 Prozent der 14-bis 24-Jährigen seien häufig müde und schlapp, 45 Prozent oft gestresst, 38 Prozent unter Druck von äußeren Einflüssen und 30 Prozent generell überfordert.

Während die Nutzung digitaler Medien, insbesondere des Smartphones, eine Selbstverständlichkeit im Alltag ist, hätten die Jugendlichen persönliche Kontakte gerade während der Pandemie heftig vermisst. Laut Studie beschäftigten sich vier von zehn jungen Menschen täglich mehr als drei Stunden mit ihrem Smartphone, diese Tätigkeit zähle gemeinsam mit im Internet surfen und Social Media unter die Top-3 der „nichtsportlichen“ Freizeitaktivitäten.

Corona als starke Bedrohung empfunden

Corona habe auf österreichische Jugendliche vor allem dann eine besonders starke Bedrohung ausgelöst, wenn sie in allgemein schlechterem Gesundheitszustand waren. Eine stärkere Betroffenheit sei hier erneut bei jungen Frauen im Vergleich zu jungen Männern aufgetreten. Auch ältere Jugendliche fühlten sich durch die Pandemie stärker beeinträchtigt als jüngere.

Hinsichtlich der Perspektive auf die Zukunft manifestiere sich ebenfalls zwischen jungen Frauen und jungen Männern ein Unterschied: Während junge Männer eher an ein früheres Ende der Pandemie glaubten, bezweifelten das junge Frauen tendenziell stärker. Insgesamt glaube jede/r Zweite, dass wir auch noch nach 2021 mit der Pandemie zu kämpfen haben würden.

Anlässlich der Präsentation der Umfrageergebnisse betonte Rémi Vrignaud, CEO der Allianz Österreich: „Wir müssen unserer Jugend als Gesellschaft Kraft und mehr Vertrauen schenken sowie Zuversicht und Perspektiven vermitteln.“ Denn während bei Vergleichsstudien 2011 noch 73 Prozent und 2017 immerhin 69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen mit ihrem Leben zufrieden gewesen wären, so seien dies aktuell nur noch 57 Prozent. Gar nur 17 Prozent der „Generation Reset“ bewerteten ihr Leben insgesamt mit der Bestnote Eins. „Die verschärften Anforderungen der Corona-Zeit haben die jungen Menschen in eine Lebenskrise gestürzt und zudem den Generationenkonflikt befeuert. Die Jugend ist sicherheitsorientiert und hat massive Existenzängste. Wo bleiben die ‚Jungen Wilden‘, die die Zukunft entwerfen?“, brachte Stefan Anzinger, Senior-Researcher des market Instituts, die Umfrageergebnisse alarmierend auf den Punkt.

Beratungsangebote nützen

Betroffen vom Bericht zeigt sich auch der Direktor des Instituts für Ehe und Familie (IEF), Mag. Johannes Reinprecht, und meint: “Beratungen sollen helfen, die persönlichen Ressourcen zu stärken, die eigene Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen, Emotionen zu regulieren, Konflikte zu vermeiden und Harmonie in der Familie zu finden beziehungsweise zu stärken. Konkrete Anregungen können helfen, den Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, den Partner besser zu verstehen und Streit zu vermeiden”.

Das Beratungsteam des Instituts für Ehe und Familie (IEF) bietet professionelle und kostenfreie Krisenberatung für (Ehe-)Paare, Familien und Einzelpersonen. Unsere diplomierten Ehe-, Familien- und Lebensberaterinnen und -berater arbeiten mit Paaren, Familien und Einzelpersonen in methodisch geführten, persönlichen Gesprächen. In allen Fragen rund um Ehe, Familie, Schwangerschaft, Beziehung, Erziehung, Generationen und andere Lebensfragen steht das breit aufgestellte IEF-Expertenteam zur Verfügung. Auch in rechtlichen Angelegenheiten bieten wir Paaren und Familien Beratung und Information an.  Bei Bedarf empfehlen wir Fachleute unseres Vertrauens aus den Bereichen Familienrecht, Psychologie, Psychotherapie, Sozialarbeit, Seelsorge, Mediation, Pädagogik, Schwerpunktberatung (z.B. Migration, Sucht) und Medizin. Sie erreichen uns unter dem IEF-Krisentelefon 01/34 84 777, mittels Videotelefonie sowie per E-Mail unter beratung@ief.at oder finden mittels moderner Onlineberatungs-Tools unter www.ief.at/onlineberatung kostenfreie Soforthilfe. Unter www.ief.at/coronahilfe finden sich viele praktische Tipps und erprobte Ratschläge für die belastende Zeit des Corona-Ausnahmezustands. (EF)

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