INT / Gender: Gender-Sprache nun im Duden und im US-Kongress

IEF, 17.01.2021 – Der amerikanische Kongress unterwirft sich neuen Sprachregeln und auch der Duden strebt eine große Änderung an.

Der amerikanische Kongress hat sich unter der Leitung von Nancy Pelosi neue Sprachregeln auferlegt, gemäß denen nun eine „gender-neutrale“ Sprache verwendet werden soll. Die neuen Regeln, die mit einer Mehrheit von 217 zu 206 Stimmen beschlossen wurden, sind zwar nicht für die Kongressabgeordneten verpflichtend, allerdings definieren sie die „offizielle“ Sprache des Kongresses neu.

Statt Onkel oder Tante nun Geschwister des Elternteils

Wie die Daily Mail berichtet, soll seit der Abstimmung auf sämtliche Begriffe verzichtet werden, die Auskunft über das Geschlecht einer Person geben. Es geht folglich nicht darum, dass beide Geschlechter genannt werden (Männer und Frauen).

Konkret bedeutet das, dass statt von „Vater“ und „Mutter“ nun von einem „Elternteil“ gesprochen werden soll. Statt von „Schwester“ und „Bruder“ zu sprechen, soll nun der Begriff „Geschwister“ verwendet werden und aus „Onkel“ und „Tante“ wird „Geschwister des Elternteils“. Auch sollen Begriffe wie „er“ oder „sie“, „sein“ oder „ihre“ durch teilweise umständlichere Formulierungen vermieden werden.

In Anlehnung an diese neuen Regelungen schloss der Kongressabgeordnete Emanuel Cleaver das Eröffnungsgebet mit den Worten „Amen und Awoman“. Eine Anspielung auf die Tatsache, dass das Wort „Amen“ im Englischen mit dem Wort für Mann endet. Das Wort „Amen“ stammt allerdings aus dem Hebräischen und heißt so viel wie „So sei es“.

Der Duden entscheidet sich zu gendern und muss 12.000 neue Artikel schreiben

Das bekannte deutsche Wörterbuch Duden hat sich in aller Stille für neue Gender-Regeln in seiner Online-Ausgabe entschieden. Wie Die Presse berichtet, habe man dort bereits im vergangenen Jahr begonnen, das generische Maskulinum sukzessive zu ersetzen. Fortan sind also bei Bezeichnungen in männlicher Form, Frauen nicht mehr mitgemeint. Wer also beispielsweise nach dem Begriff „Schüler“ sucht, erhält schon jetzt eine Definition, die deutlich macht, dass es sich – ausschließlich – um männliche Personen handelt.

Insgesamt muss der Dudenverlag deshalb etwa 12.000 neue Artikel schreiben, eine Arbeit die bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Ob die neuen Artikel dann auch Eingang in die gedruckte Ausgabe finden sollen, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt, da es den Umfang des Buches deutlich erhöhen und damit die Auffindbarkeit von Begriffen erschweren würde.

Widerstand aus Fachkreisen

Dass der Dudenverlag damit keineswegs eine Entscheidung getroffen hat, die dem aktuellen Stand der Forschung oder dem Sprachgefühl der Mehrheit entsprechen, zeigen die Reaktionen aus Fachkreisen.

Besonders prominent darunter der Verein Deutscher Sprache, der nicht nur einen Aufruf auf seiner Website gestartet hat um „die deutsche Sprache vor dem Duden zu retten“, sondern sogleich mit 100 Prominenten Erstunterzeichnern aufwarten konnte, darunter vielen Wissenschaftlern und Schriftstellern. Im Aufruf selbst wird dann unter anderem darauf hingewiesen, dass selbst der deutsche Bundesgerichtshof im März 2018 klargestellt hat, dass beim Begriff „Kunde“ sehr wohl Personen beider Geschlechter gemeint seien. Folglich widerspreche der Duden nicht nur den Regeln der deutschen Grammatik, sondern trage diesem Urteil auch keine Rechnung. (MM)

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