GB / Abtreibung: Frau klagt wegen mangelnder Aufklärung

IEF, 08.05.2020 – Zu einer informierten Entscheidung gehöre, dass Schwangere vor der Abtreibung über das Schmerzempfinden beim Ungeborenen informiert werden.

Für Ana-Maria Tudor kam die Schwangerschaft überraschend. Gynäkologen hätte ihr gesagt, dass sie kein Kind empfangen könne. Wegen dieser Annahme stellte sie auch erst sehr spät – und zwar im fünften Monat – fest, dass sie schwanger ist. Wie Daily Mail berichtet, soll ihr die Entscheidung bzgl. dem Schwangerschaftsabbruch nicht leichtgefallen sein. Letztendlich fasste sie jedoch den Entschluss ihr Kind in der 23. Schwangerschaftswoche abzutreiben. Eine Entscheidung, die sie im Nachhinein zutiefst bereut haben soll.

Wie ihre Anwälte nun in einer Klage gegen britische Abtreibungskliniken vorbringen, sei ihre Mandantin nicht darüber aufgeklärt worden, dass ihr Kind während der Abtreibungsprozedur leiden könnte. In ihrer Klage fordert Tudor daher, dass Frauen künftig vor einem Schwangerschaftsabbruch über das Schmerzempfinden der Ungeborenen informiert werden.

Tudor selbst vertrete die Auffassung, dass Frauen über das Austragen bzw. Beenden der Schwangerschaft selbst entscheiden dürfen. Diese Entscheidung müsse jedoch eine informierte sein. In ihrem Fall könne von einer informierten Entscheidung jedoch nicht die Rede sein. Denn wäre ihr bewusst gewesen, dass durch die Abtreibung dem Kind Schmerzen zugefügt werden, hätte sie sich dagegen entschieden.

In den regelmäßig aktualisierten offiziellen Richtlinien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) zu Abtreibungen gibt es keinen Hinweis darauf, dass ungeborene Kinder während der Prozedur leiden könnten. Diese Richtlinien würden sich auf eine Studie des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists aus dem Jahr 2010 stützen, die zu dem Ergebnis gelangte, dass ungeborene Kinder vor der 24. Schwangerschaftswoche unmöglich Schmerzen empfinden könnten.

Tudors Anwälte halten die NICE-Richtlinien jedoch für veraltet und überholt. Es gäbe neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, die von einem Schmerzempfinden bei Ungeborenen bereits ab der 18. Schwangerschaftswoche ausgehen würden.

Diese Aussage wird von einem unlängst im Journal of Medical Ethics (JME) veröffentlichten Artikel untermauert. Die Autoren des Fachartikels geben darin zu bedenken, dass zu keiner Zeit Konsens darüber bestand, dass ein Schmerzempfinden beim Ungeborenen vor der 24. Schwangerschaftswoche ausgeschlossen sei. Viele Untersuchungen gingen von einem Schmerzempfinden bereits vor der 20. Schwangerschaftswoche aus. Einige neuere Forschungsergebnisse würden sogar zu dem Ergebnis kommen, dass ein Schmerzempfinden beim Fötus bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche gegeben sei.  Das IEF hat berichtet.

Warum ein Kind bei den verschiedenen Abtreibungsmethoden Schmerzen empfinden könnte, erklärt der frühere Abtreibungsarzt Dr. Anthony Levatino in einem Video. (AH)

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