IEF, 17.7.2019 – Neun Tage nachdem die Ärzte die künstliche Ernährung von Vincent Lambert eingestellt hatten, verstarb dieser am 11.7.2019. Im Kreise seiner Familie wurde er am 13.7. beigesetzt.

Das Institut für Ehe und Familie (IEF) hatte in der Vergangenheit ausführlich über den tragischen Fall berichtet, der europaweit für Aufsehen gesorgt hat. Der 43-jährige Vincent Lambert lag seit einem Verkehrsunfall im Jahr 2008 im Wachkoma. Er erlitt bei dem Unfall ein schweres Schädelhirntrauma und war querschnittsgelähmt. Seine Ehefrau Rachel, die Vormund für ihren Ehemann war, prozessierte seit Jahren für eine Einstellung der Nahrung, damit er sterben könne. Seine Eltern kämpften hingegen für das Leben ihres Sohnes und legten dar, dass ihr Sohn zwar behindert sei, sich aber nicht im Sterbeprozess befinde. Sie forderten, dass er wie jeder andere Mensch mit Behinderung entsprechend medizinisch versorgt werden müsse.

Gegen UN-Verfügung: Gericht bestätigte Einstellung der künstlichen Ernährung

Bei dem erbitterten Rechtsstreit schaltete sich der UN-Ausschuss zum Schutz der Rechte für Menschen mit Behinderungen ein und verfügte, dass die künstliche Ernährung entgegen des Urteils eines französischen Gerichts nicht eingestellt werden dürfe. Wenige Wochen später jedoch bestätigte das französische Kassationsgericht am 2.7.2019 die Einstellung der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr für den Wachkomapatienten. Ein Einspruch war nicht mehr möglich und alle rechtlichen Mittel der Eltern erschöpft. Wie die Tagespost berichtet, erklärten die Eltern daraufhin in einem offenen Brief, den Kampf aufzugeben: „Vincents Tod ist jetzt unvermeidlich. Er wurde ihm verordnet, wie auch uns. Auch wenn wir das nicht akzeptieren, bleibt uns nichts anderes übrig, als dass wir uns abfinden mit dem Schmerz, dem Unverständnis, aber auch mit Hoffnung.“ Am 3.7.2019 stellten die Ärzte die künstliche Ernährung im Krankenhaus Reims ein.

Tod gezielt durch Ernährungseinstellung herbeigeführt

Zahlreiche Medien bezeichneten die Einstellung der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr als Erfolg im Sinne der Menschlichkeit und titelten etwa „Wachkomapatient Vincent Lambert darf sterben“. Fakt ist aber vielmehr, dass Lambert durch die Einstellung der künstlichen Ernährung verdurstet und verhungert ist. „Ein Skandal“, wie der Redakteur für Bioethik bei der Tagespost, Stefan Rehder, es bezeichnet. Ein Skandal deshalb, weil sein Tod gezielt von jenen, die ihn hätten pflegen und schützen müssen, herbeigeführt worden sei.

„Wer behauptet, Lamberts Ärzte hätten eine Therapie eingestellt, weil diese nach menschlichem Ermessen keine Aussicht auf Erfolg mehr gehabt hätte, irrt entweder oder verbreitet wissentlich die Unwahrheit. Eine medizinische Therapie zielt auf die Heilung oder Linderung eines Grundleidens. Sie darf deshalb nur eingestellt werden, wenn sie keinen Nutzen mehr verspricht. Sie muss es sogar, da sie andernfalls eine Körperverletzung darstellt. Daher ist es zum Beispiel moralisch erlaubt und mitunter sogar geboten, bei hirntoten Patienten die künstliche Beatmung einzustellen. Wo dies geschieht, desintegriert der Organismus des Betreffenden und der Hirntote erliegt tatsächlich seinem Grundleiden“, erläutert Rehder. Lambert habe aber selbständig geatmet. „Die Desintegration seines Organismus wurde nicht – wie dies bei künstlicher Beatmung geschieht – zunächst aufgehalten und – als diese Therapie keinerlei Erfolg zeigte – wieder aufgegeben“, stellt Rehder klar. Vielmehr wurde Lambert durch gezieltes Unterlassen getötet.

Papst-Twitter: „Ärzte sollen dem Leben dienen und es nicht nehmen“

„Beten wir für die Kranken, die im Stich gelassen und dem Tod ausgeliefert werden“, twitterte Papst Franziskus, nachdem die Ernährung Lamberts eingestellt worden war. „Ärzte sollen dem Leben dienen und es nicht nehmen“, mahnte der Papst. Bereits im Mai habe Franziskus laut Vaticannews in einem Twitterpost Bezug auf den Fall Lamberts genommen und zum Gebet für den Lebensschutz aufgerufen. Er mahnte, man dürfe der „Wegwerfgesellschaft“ nicht nachgeben. Zweimal habe der Papst im vergangenen Jahr außerdem appelliert, Vincent Lambert leben zu lassen. „Möge Gott der Vater Vincent Lambert in seinen Armen willkommen heißen. Lasst uns keine Zivilisation aufbauen, die Menschen beseitigt, deren Leben unserer Meinung nach nicht mehr lebenswert ist: Jedes Leben ist wertvoll, immer“, schrieb Franziskus als Reaktion auf den Tod Lamberts.  Die Päpstliche Akademie für das Leben bezeichnete die Geschichte und den Tod des ehemaligen Krankenpflegers als eine „Niederlage für unsere Menschlichkeit“. (TSG)

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