Kinderschutz im Internet
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EU / Medien: Europaweite Umfrage für mehr Schutz von Kindern im Internet

IEF, 06.12.2021 – Für den Kinderschutz im Internet wären einige Menschen durchaus bereit, die eigene Online-Privatsphäre einzuschränken.

ECPAT, das weltweit größte Netzwerk gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern hat in acht EU-Ländern eine Umfrage zum Online-Kinderschutz durchgeführt. Dabei wurden Erwachsene ab 18 Jahren befragt. Kürzlich wurden nun europaweit die Ergebnisse der Umfrage veröffentlicht.

Internet nicht sicher, Kinderschutz über Privatsphäre

Aus den Umfrageergebnissen geht deutlich hervor, dass das Internet für Kinder als nicht sicher erachtet wird. Demnach sehen 73 % die Gefahr, dass Kinder das Internet nicht sicher benutzen können, ohne dass Erwachsene online versuchen, ihnen zu schaden. 76 % würden durchaus eine Einschränkung der eigenen Privatsphäre in Kauf nehmen und eine Online-Ausforschung zulassen, die anhand automatisierter technologischer Hilfsmittel sexuelle Ausbeutung von Kindern und Kindesmissbrauch erkennen kann.

Rechtsvorschriften im EU-Prüfungsverfahren

Durch den Erlass der Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation Ende 2020 sind ebendiese Online-Ausforschungstools in eine rechtliche Grauzone gerückt. Folglich stoppten viele Technologieunternehmen die Suche nach kriminellen Inhalten, wodurch es schon wenige Monate später zu einem Rückgang der Meldungen aus EU-Ländern um 58 % gekommen ist. Eine seit Juli 2021 befristete Übergangsregelung hat die Aufnahme der Online-Ausforschung mittels automatischer Tools nun für beschränkte Zeit wieder erlaubt.

Die EU prüft jetzt weiter, ob es beständige Rechtsvorschriften braucht, die Technologieunternehmen zu einem solchen Online-Screening zu verpflichten, um den Schutz von Kindern im Internet zu verbessern. Das würde eine kontinuierliche Überprüfung der persönlichen Nutzeraktivitäten und daher die Preisgabe eines Teils der Privatsphäre bedeuten. 68 % der Befragten der Umfrage würden dieses Vorhaben allerdings unterstützen. „Die meisten Befragten in der qualitativen Umfragegruppe wussten nicht, dass es Hash-Erkennungs- oder Anti-Grooming-Tools gibt. Sobald sie von diesen Tools erfuhren, zeigten sie sich wütend darüber, dass diese nicht ständig eingesetzt und automatisch eingeschalten wurden und plädierten für deren fixen automatisierten Einsatz, auch wenn ihre Daten zu diesem Zweck gescannt werden“, gibt Dorothea Czarnecki, stellvertretende Geschäftsführerin von ECPAT International die Ergebnisse der Umfrage wieder.

Appell an die EU

Und Astrid Winkler, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich betont, Datenschutzgesetze sollten dazu da sein, Bilder eines vergewaltigten Kindes zu finden, zu melden und zu löschen. Sie sollten es einem Täter nicht erleichtern, sich via Internet an ein Kind heranzumachen. Auch Winkler fordert daher die Zulassung von Online-Ausforschungstools. Die Umfrage zeige eine klare Botschaft an die EU: es soll eine gesetzliche Verpflichtung auf EU-Ebene geben, automatisierte Ausforschungstools immer aktiviert zu haben, um damit die Sicherheit von Kindern im Internet weitgehend zu erhöhen. (TS)

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