EU / Familie: Langzeitstudie geht der Entwicklung zu weniger Kindern oder Kinderlosigkeit auf den Grund

IEF, 12.7.2018 – Frauen in Mittel-, West- und Osteuropa bekommen seit mehreren Jahrzehnten weniger Kinder. Erneut vermutet eine Studie die Gründe im Bereich politischer oder sozioökonomischer Umstände.

Eine neue Studie, durchgeführt von Kryštof Zeman und einigen Kollegen am Wiener Institut für Statistik, untersuchte, welche Gründe hinter dem Geburtenrückgang bei Frauen liegen, die in den Jahren zwischen 1940 und 1970 geboren wurden. Sie wählten diese Zielgruppe, da man bei diesen Frauen bereits davon ausgehen könne, dass die Kinderplanung abgeschlossen sei und man so mit den tatsächlichen Geburtszahlen pro Frau rechnen könne. Wie das Institut für Ehe und Familie (IEF) bereits in früheren Berichten zeigte, geht wie in Österreich in den meisten europäischen Ländern die Geburtenrate pro Frau im Durchschnitt immer weiter zurück. Die Studie zeigt jedoch auf, dass dieser Rückgang nicht nur in Europa, sondern beispielsweise auch in Ländern wie Japan und Singapur zu beobachten ist. Einen großen Einfluss, schreiben die Autoren der Studie, käme den jeweiligen sozioökonomischen Umständen in den Ländern und Zeiten zu. Die Tatsache, dass Frauen, die in den Jahren 1955-1970 geboren wurden, sowohl öfter keine Kinder, als auch öfter weniger Kinder bekamen, wird beispielsweise in den damals sozialistisch regierten Ländern der vollen Arbeitstätigkeit der Frauen zugeschrieben. Die Einstellung zur Kinderlosigkeit sei jedoch so negativ gewesen, dass die Frauen dann doch oft wenigstens ein Kind bekamen. Bezüglich der westeuropäischen Länder wird argumentiert, dass den Frauen in dieser Zeit oft nur die Wahl zwischen Erwerbstätigkeit und Mutterschaft blieb.  Der gesellschaftliche Trend, der auf „individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung zielte“, führte auch in diesen Ländern zu einem Geburtenrückgang, so die Autoren.

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