DE / Reproduktionsmedizin: Gesundheitliche Risiken weit höher als bisher angenommen

IEF, 21.4.2017 – Die in Österreich bereits erlaubte Eizellspende ist in Deutschland bislang verboten. Die Stimmen nach einer Legalisierung werden lauter. Im März diskutierte der Deutsche Ethikrat über die Zulassung der Eizellspende. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung avancierte die Eizellspende in den letzten Jahren zum favorisierten Verfahren für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch über 40. So kämen in den USA rund 75 Prozent aller künstlich gezeugter Kinder von Frauen über 40 mit Hilfe eines Dritten, bevorzugt einer Eizellspenderin, zustande. In Europa belief sich die Zahl der Eiszellspenden 2013 auf über 30.000 pro Jahr, wobei diese Zahl überholt sein dürfte, da der Reproduktionsmarkt rapide wächst.

Gesundheitliche Risiken der Eizellspende verharmlost

Eine vor kurzem veröffentlichte skandinavische Studie zeigt nun, dass die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind in einer Schwangerschaft, die mithilfe einer Eizellspende zustande gekommen ist, weit höher sind, als bisher bekannt. Die Risiken resultierten aus der Tatsache, dass die Gebärmutter, anders als man zunächst hoffte, kein vollkommen von der körpereigenen Abwehr abgeschirmter Raum sei. Ein Embryo, der zur Hälfte das Erbgut des Vaters enthält, ist stets ein Fremdkörper, der allerdings vom weiblichen Organismus während der Schwangerschaft akzeptiert wird. Ist die DNA jedoch völlig fremd, ist die Duldung durch das mütterliche Immunsystem häufiger überfordert. So erklärten sich die Wissenschaftler, dass Schwangerschaftsvergiftungen (Präeklampsie) in Schwangerschaften mit Eizellspende deutlich häufiger vorkommen.

Risiko von Schwangerschaftsvergiftung verdoppelt

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Eizellspende im Rahmen einer künstlichen Befruchtung das Risiko für eine Präeklampsie verdoppelte. Bei einer Mehrlingsschwangerschaft, die bei künstlicher Befruchtung häufig auftritt, verdreifachte sich das Risiko sogar. Präeklampsie geht mit einer chronischen Blutdruckerhöhung der Schwangeren einher, die zu lebensbedrohlichen epileptischen Anfällen führen kann. Außerdem kann sich ein „HELLP“-Syndrom entwickeln, das zu Hirnblutungen und Leberriss der Schwangeren führen kann. Präeklampsie erhöht auch das Risiko von Früh- oder Totgeburten.

Psychische Belastung wird verschwiegen

Neben allen körperlichen Risiken, werden auch die psychischen Folgen einer künstlichen Befruchtung bzw. Eizellspende kaum thematisiert. Darauf weist auf Nachfrage des Instituts für Ehe und Familie (IEF) die klinische Psychologin und Psychotherapeutin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien Dr. Karin Tordy hin. Laut Tordy zeige die klinische Erfahrung, dass „das erwartete Glück, die Bindung zum Kind und die (z. T. idealisierte) Elternschaft be­reits nach dem ersten positiven Schwan­gerschaftstest, im Verlauf der Schwanger­schaft und/oder unmittelbar nach der Geburt oft ambivalenter erlebt werden als erhofft.“  Im Gegenteil tauchten Zweifel und ablehnende Gedanken/Gefüh­le, die mit Angst, Verunsicherung, Schuld und Scham verbunden sind, auf. Darauf seien die Frauen/Paare einerseits nicht vorbereitet, andererseits gebe es auch keine Ansprechpartner dafür. Die Erfahrung zeige, dass Frauen nach erfolgter Eizellspende „erst in großer Not psychologische Hilfe suchen“, so Tordy.

„Eizellspende kein Ausweg“

Auf die psychosozialen und gesundheitlichen Risiken einer Schwangerschaft durch Eizellspende, weist auch Susanne Kummer, Geschäftsführerin des Wiener Bioethikinstituts IMABE, hin. So hatte Hans Evers, Reproduktionsmediziner der Universität Maastricht und Chefredakteur des Fachjournals Human Reproduction kürzlich eine Altersgrenze von Frauen jenseits der 42 für In-Vitro-Fertilisation (IVF)gefordert. Aufgrund der geringen Erfolgschancen, sei eine solche Kinderwunschbehandlung den Frauen und Paaren gegenüber nicht fair. Stattdessen empfehle Evers Frauen ab 42 die IVF durch Eizellspende. Das sei aber keinesfalls ein gangbarer Ausweg aus der ungewollten Kinderlosigkeit, hält Kummer entgegen. „Die Risiken werden von Reproduktionsmedizinern leider gerne ausgeblendet, ebenso die psychosozialen Folgen, die sich durch Eizellenspenden ergeben sowie das Machtgefälle zwischen den Eizell-„Spenderinnen“ und Eizell-„Bestellerinnen“, begründet die Bioethikerin ihren Standpunkt.

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