IEF, 06.06.2019 – In Birmingham protestieren Eltern seit Wochen gegen die an Schulen angebotene Sexualerziehung. Nun wurde gegen die Eltern auch eine einstweilige Verfügung erlassen.

Neue Vorgaben für Sexualerziehung ab 2020

Muslimische Eltern protestieren in Birmingham seit Wochen gegen die Art und Weise, wie das Thema Homosexualität in der Schule angesprochen werden soll. Im Mai weitete sich der Protest dann auf weitere Städte aus, wie BBC berichtet.  Anlass ist eine neue Aussendung des Bildungsministeriums mit dem Titel Relationships, Education, Relationship and Sex Education (RSE) and Health Education, die im Februar 2019 veröffentlicht wurde. Die darin beschriebenen Inhalte sollen ab dem Jahr 2020 in den Schulen unterrichtet werden. Schüler in der Grundschule sollen laut der Vorgabe darin unterrichtet werden, dass Familien und Ehen unterschiedlich aussehen können. Ziel sei unter anderem, dass die Kinder lernen, Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren, sondern auch Beziehungen und Ehen zwischen Gleichgeschlechtlichen als gleichwertig anzuerkennen. Dabei wird immer wieder betont, dass gerade beim Thema sexuelle Orientierung die jeweilige Weltsicht und religiösen Hintergründe der Schüler beachtet und berücksichtigt und im Religionsunterricht auch die Sichtweise der jeweiligen Religionsgemeinschaft thematisiert werden solle. Was die Grundschule betrifft, solle sich die Sexualerziehung in diesem Alter zudem vor allem auf die Themen Beziehung und Beziehungsfähigkeit, Gesundheit und körperliche Entwicklung beschränken.

Anlass der Proteste

Die protestierenden Eltern befürchten jedoch, dass sich die Schulen nicht an diese Vorgaben halten werden. Ausschlaggebender Anlass für die Proteste waren Unterrichtseinheiten in einer Grundschule, in denen verschiedene Familienformen gezeigt wurden und über Kinder gesprochen wurde, die sich entgegen ihrem biologischen Geschlecht kleiden.  Die Eltern befürchten, dass ein homosexueller Lebensstil beworben werde und Kinder im frühen Grundschulalter mit Inhalten wie beispielsweise homosexuellem Geschlechtsverkehr konfrontiert werden, die nach Ansicht der Eltern nicht altersangemessen seien, berichtet BBC. Bei sky ist zu lesen, dass die Eltern die Aufhebung der neuen Richtlinien und eine Überarbeitung mit Elternvertretern fordern, wobei insbesondere auf Altersangemessenheit und Sensibilität für unterschiedliche religiöse Zugehörigkeit und Ansichten Rücksicht genommen werden solle.

Zuständiges Parlamentsmitglied unterstützt Anliegen

In den letzten Wochen waren Gespräche zwischen der Elterninitiative und den Verantwortlichen in den bestreikten Schulen gescheitert. Gegen die protestierenden Demonstranten wurde sogar eine einstweilige Verfügung verhängt, die jedoch umgehend Unmut erregte. Die Verfügung sei „islamophob“ und „intolerant“, kritisiert etwa Shakeel Afsar, einer der betroffenen Elternteile, die seit einigen Wochen an der Anderton Park Primary School in Birmingham protestieren. Man werde weiter protestieren und auch gegen die einstweilige Verfügung vorgehen. Nazir Afzal, der eingesetzte Mediator, der zwischen der Stadt, den Eltern und der Schule vermitteln soll, meint jedoch, dass die Eltern die Vorgaben missverstünden. Nirgendwo sei die Rede von homosexuellem Sex. Rodger Godsiff, britisches Parlamentsmitglied, in dessen Wahlkreis sich die betreffenden Schulen befinden, befürchtet nun, dass sich der Konflikt zu einer grundlegenden Auseinandersetzung zwischen LGBTQ-Gruppen und muslimischen Interessensgruppen entwickelt. Er unterstützt die Anliegen der Eltern, insofern, dass er betont, dass gerade das Thema Sexualität noch nicht im frühen Grundschultalter thematisiert werden sollte. Er betont: „Diese Eltern wollen nicht die Gesetze dieses Landes verändernd, sie wünschen sich lediglich, dass der Unterricht altersangemessen abgehalten wird.“ (LG)

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