IEF, 13.01.2020 – Knapp ein Drittel der deutschen Altenheimbewohner leiden an Depressionen – häufig unerkannt und ohne Unterstützung.

Das Wiener Bioethikinstitut IMABE verweist in einem Bericht auf eine Studie des „Deutschland-Barometer Depression“ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die im November 2019 veröffentlicht wurde. Für die repräsentative Umfrage wurden im Juli 2019 5.350 deutsche Staatsbürger zwischen 18 und 79 Jahren im Juli 2019 befragt. Die Befragung untersuchte Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der Bevölkerung.

Depression gilt irrtümlich als Erkrankung der Berufstätigen

„Bei Senioren wird die Depression noch häufiger als bei jüngeren Menschen übersehen. Depressive Symptome wie Hoffnungs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen oder Erschöpfungsgefühl werden oft nicht als Ausdruck einer eigenständigen schweren Erkrankung gesehen, sondern als nachvollziehbare Reaktion auf die Bitternisse des Alters oder als Folge körperlicher Erkrankungen fehlinterpretiert“, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. So würde Depression von 83% der Befragten als Erkrankung in Folge von Stress und Belastung am Arbeitsplatz eingeschätzt und deshalb als Krankheit einer jüngeren Altersgruppe gesehen. Nur 45% der Deutschen wüssten, dass Depression auch eine Erkrankung des Gehirns sei und jeden treffen könne, so Hegerl.

Depressionen im Alter werden seltener erkannt und behandelt

Depressive Symptome wie Hoffnungs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen oder Erschöpfungsgefühl würden oft nicht als Ausdruck einer eigenständigen schweren Erkrankung gesehen, sondern als Reaktion auf die Bitternisse des Alters oder als Folge körperlicher Erkrankungen fehlinterpretiert, erläutert der Psychiater. Neben Demenz gehöre Depression aber zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Studien zufolge litten rund 30% aller Altenheimbewohner an einer akuten Depression, die jedoch selten adäquat behandelt wird. Ergebnisse der Studie zeigten, dass 64% der befragten Menschen über 70 dazu bereit wäre, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen und 81% der Befragten würden Antidepressiva zur Behandlung einnehmen. Tatsächlich erhielten allerdings nur zwölf Prozent der betroffenen Senioren über 70 eine Psychotherapie. Bei den 30- bis 69-Jährigen seien es demgegenüber 31%. Gut ein Fünftel der Befragten meinten, dass bei Älteren die Behandlung körperlicher Erkrankungen wichtiger sei. Jeder sechste Deutsche (17%) spreche sich gar dafür aus, Ressourcen des Gesundheitssystems lieber für die Behandlung jüngerer Patienten mit Depression auszugeben.

Dieser Einschätzung müsse jedoch entschieden entgegen getreten werden, kontert Hegerl: „Jeder sollte wissen: Eine Behandlung der depressiven Erkrankung ist bei älteren Patienten ebenso wichtig wie bei jüngeren Menschen. Sowohl Psychotherapie als auch medikamentöse Therapie haben sich als wirksam erwiesen“,

Niederlande: Überlegungen zu „Sterbehilfe“ für „lebensmüde Senioren“ alamieren

Die aktuellen Zahlen aus Deutschland alamieren insbesondere in Hinblick auf die niederländischen Bestrebungen, assistierten Suizid bzw. Tötung auf Verlangen auf lebensmüde Senioren jenseits der 75 auszuweiten, so die Biopolitikerin Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF). Gerade, da diese Altersgruppe in Zukunft wachse, sei es enorm wichtig, Erkrankungen wie Depression zu behandeln und nicht etwa finanziell „sparsameren Alternativen“ wie den assistierten Suizid zu ermöglichen, so Merckens. (TSG)

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