
„Das Leben ist immer ein kostbares Gut“ – Impulse für eine Pastoral des menschlichen Lebens
IEF, 19.12.2025 – Zentrale Inhalte des Leitfadens des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben
Das Leben ist immer ein kostbares Gut – so betonte es Johannes Paul II. in Evangelium Vitae und Papst Franziskus hat diese Worte vielfach bekräftigt. Zum 30. Jahrestag von Evangelium Vitae ruft die Kirche mit dem Leitfaden La vita è sempre un bene alle Menschen guten Willens dazu auf, sich für den Schutz und die Förderung des Lebens einzusetzen. Erstellt wurde er vom Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben.
Angesichts der zahlreichen Angriffe auf die Unantastbarkeit des Lebens ist es heute wichtiger denn je, die Achtung der Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt der pastoralen Arbeit zu stellen. Die Pastoral des menschlichen Lebens muss dabei alle „Organe“, die den Leib Christi bilden, miteinbeziehen: alle Gläubigen, Priester und Laien. Sie ist Aufgabe jedes Getauften.
Dieses kurze Schreiben fasst im Auftrag des Familienbischofs Hermann Glettler die wesentlichen Kernaussagen und Schlussfolgerungen des Textes zusammen. Es bietet keine fertigen Lösungen, sondern versteht sich als Einladung, in allen Ortskirchen eigene Wege zur Entwicklung einer Pastoral des menschlichen Lebens zu fördern oder neu zu beginnen.
Was zeichnet eine Pastoral des menschlichen Lebens aus?
Sie ist ganzheitlich.
- Sie betrifft den ganzen Menschen – Körper, Geist und Seele – und alle Lebensphasen, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Grundlage ist das christliche Menschenbild, das die unveräußerliche Würde jedes Menschen anerkennt und die Berufung jedes Einzelnen zur Fülle des Lebens betont.
- Sie durchdringt übergreifend alle Bereiche der Pastoral: die Seelsorge, die Verkündigung, die Hinführung zu den Sakramenten, die Katechese, Diakonie und Caritas sowie Bildung und Erziehung in jeder Phase des christlichen Lebens.
Eine ganzheitliche Pastoral des menschlichen Lebens „lässt im Menschen die Gegenwart einer Berufung, eines Rufes zur Bekehrung und zur Nachfolge Jesu Christi erkennen.“
Sie geschieht synodal und in Gemeinschaft.
- Sie entsteht im gemeinsamen Hören, Unterscheiden und Handeln der Gläubigen. Synodalität bedeutet hier, im Dialog und im „Synodalen Gespräch“ zu erkennen, was „der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 2,7). Unterscheidung geschieht in einem Klima des Miteinanders und des Gebets, des Hörens auf das Wort Gottes und die Lehre der Kirche sowie durch das Wahrnehmen der Zeichen der Zeit.
- Sie bezieht alle „Organe“, die den Leib Christi bilden, mit ein: Gläubige, Priester und Laien – und sucht Kooperationen mit allen, die das Anliegen teilen.
- Sie verwirklicht sich in der Zusammenarbeit von Pfarren, Schulen, Universitäten, Verbänden und geistlichen Bewegungen.
„Das Synodale Gespräch ist ein fruchtbares Instrument für die Unterscheidung und das Hören auf das, was der Geist den Gemeinden sagt‘ (Offb 2,7).“
Sie wirkt in ihrer Haltung missionarisch.
- Im pastoralen Handeln wird das kontinuierliche, fürsorgliche Eingreifen Gottes in die Geschichte jedes Einzelnen erkennbar.
- Die Pastoral will die Wahrheit über das Leben nicht nur lehren, sondern durch konkrete Begleitung, Bildung und Solidarität erfahrbar machen.
- Sie setzt nicht (nur) auf eine Logik der Zielerreichung durch Aktivitäten, sondern lädt dazu ein, missionarische Jünger und Jüngerinnen zu werden.
„Im pastoralen Handeln der Kirche erkennen wir das kontinuierliche, fürsorgliche Eingreifen Gottes in die Geschichte jedes einzelnen Menschen.“
Sie wirkt (aus-)bildend.
- Sie erneuert Gewissen und Herzen: Sie fördert gerade in einer Zeit enormer Verunsicherungen eine Gewissensbildung, die zwischen Gut und Böse unterscheiden kann und das Leben in allen Situationen bejaht und schützt.
- Sie investiert in die Ausbildung der pastoralen Leitung und in die Begleitung von Menschen, die Verantwortung übernehmen.
„Es ist dringend notwendig, dass wir in die Gewissensbildung investieren. Denn jede Verwirrung zwischen Gut und Böse verursacht tiefe Leere und schweres Leid im persönlichen wie im sozialen Leben.“
Für die konkrete pastorale Arbeit: 5 Schritte & 6 Fähigkeiten
- Wahrnehmung der veränderten Wirklichkeit: Welcher Situation begegnen wir heute?
- Kritische Unterscheidung: Welche Bedürfnisse ergeben sich konkret daraus?
- Persönliche Berufung: Zu welcher Handlung ist jeder von uns dadurch aufgefordert?
- Vision im Blick behalten: Welche praktischen seelsorgerlichen Versuche sind zu wagen?
- Operative Planung beginnen: Welche Ziele und Schritte können wir umsetzen?

Konkrete Wege und Mittel für eine Pastoral des menschlichen Lebens
Bildungs- und Bewusstseinsarbeit: Ziel ist eine umfassende Bildungs- und Bewusstseinsarbeit auf Basis einer christlich-anthropologischen Sicht des Menschen, z.B. durch
- Stärkung der Spiritualität von Ehe und Familie
- Förderung altersgerechter Bildung über den Wert des Lebens – von Kindern bis zu Eltern und Lehrern
- Zusammenarbeit mit Fachleuten und katholischen Hochschulen zur Entwicklung von Kursen, Seminaren und Materialien
Institutionelle Pastorale Dienste: Ziel ist die strukturelle Verankerung einer Pastoral des Lebens in Kirche und Gesellschaft, z.B. durch:
- Diözesane Koordination und Vernetzung pastoraler Bereiche
- Einrichtung von Räten, Arbeitsgruppen und Beratungsstellen für Lebensschutz und Familienbegleitung
- Zusammenarbeit zwischen Hochschulinstituten und pastoralen Verantwortlichen
Förderung des kulturellen Dialogs: Ziel ist der Aufbau einer Kultur des Lebens durch Dialog und gesellschaftliche Präsenz, z.B. durch:
- Austausch mit Pfarren, Gemeinden, Schulen, Bewegungen und Vereinen
- Dialog und Kooperation mit kulturellen und sozialen Institutionen
- Aktive Beteiligung am öffentlichen, medialen und politischen Diskurs auf nationaler und internationaler Ebene
(SM)
Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des Instituts für Ehe und Familie des Dokuments „Das Leben ist immer ein kostbares Gut“ des Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben.
>>Hier kommen Sie zu der deutschen Fassung des Dokuments.
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