IEF, 13.03.2019 – Wie unter anderem der Mirror berichtet, treten in England im April neue Maßnahmen in Kraft, die Kinder und Jugendliche vor Pornografie im Internet schützen sollen.

Neue Filterregelung in England

Bereits 2017 unterschrieb der britische Digitalminister Matt Hancock den sogenannten „Digital Economy Act 2017“, der die diesjährigen Änderungen ermöglicht. Zwei Jahre wurde wie vorgesehen an einer Lösung gearbeitet. Im Jänner 2018 wurden die Richtlinien für die Altersüberprüfung festgelegt, die nun im April 2019 in Kraft treten sollen. Zukünftig müssen Internet-User ihr Alter durch Informationen aus einem Führerschein, einer Kreditkarte oder dem Reisepass angeben, um Inhalte sehen zu können, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Möchte man keine dieser privaten Daten angeben, soll es möglich sein, einen entsprechenden Identitätsnachweis zu erwerben, der in Einzelhandelsgeschäften im ganzen Land für 10 Pfund vertrieben werden soll, so der Mirror.

ZDF weist auf Problematik Pornografie hin

Das Thema der Gefährdung durch Pornografie erregt in letzter Zeit immer mehr Aufsehen. Vor einigen Tagen sendete das ZDF in Deutschland eine fast 90-minütige Dokumentation. Darin wurden auf mögliche Folgen von Pornografiekonsum hingewiesen und der Gesetzgeber in Sachen Kinder- und Jugendmedienschutz in die Verantwortung gerufen.

In der Dokumentation „Milliardengeschäft Porno – Gefahr aus dem Internet“ kommen u.a. die Psychotherapeuten Tabea Freitag und Dr. Bert te Wildt (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie), der Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Jakob Pastötter sowie Personen, denen der Ausstieg aus der Pornografieindustrie gelungen scheint, zu Wort. Alle betonen die Risiken der Pornografie und fordern ein klares Eingreifen des Gesetzgebers, um Kinder und Jugendliche zu schützen.

Ergänzend zitiert die Dokumentation eine Studie aus dem Jahr 1997, die schon zur damaligen Zeit darauf hinweist, dass Pornografiekonsum zum Anstieg von Wünschen nach devianter Sexualität führe (bspw. Gewalt und Sadomaso), mit dem Anstieg von sexueller Gewalt in Verbindung gebracht werden kann, zu einem Anstieg negativer Einstellungen zu intimen Paarbeziehungen und festen Bindungen beiträgt und der Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen zuträglich ist. Auch jüngere Studien wie etwa eine schwedische Untersuchung aus dem Jahr 2011 weisen darauf hin, dass Benutzer, die täglich Pornografie schauen, deutlich häufiger auch deviante Inhalte schauten, etwa Gewalt- (3-mal so häufig) oder Kinderpornografie. Der Wunsch, das Gesehene in die Tat umzusetzen, sei gegenüber jenen, die weniger häufig Pornos schauten, doppelt so hoch und tägliche Nutzer von pornografischen Inhalten würden dreimal häufiger Täter sexuellen Missbrauchs. Die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke sieht ebenfalls einen starken Zusammenhang zwischen der Frequenz der Nutzung pornografischer Inhalte und sexuellem Missbrauch bzw. dem Ausüben sexueller Gewalt. In ihrer Forschung aus dem Jahr 2017 stellt sie außerdem einen starken Anstieg sexueller Gewalt in deutschen Schulen fest.

Trotz Warnungen von Experten sieht deutsche Behörde Zusammenhang weniger dramatisch

Angesichts solcher und ähnlicher Studienergebnisse entschloss sich die britische Regierung ihren Kinder- und Jugendmedienschutz zu verstärken. In Deutschland schreibt die Gesetzgebung bislang bloß deutschen Anbietern vor, ausgewiesene Inhalte nur unter Nachweis der Volljährigkeit verfügbar machen zu dürfen. Ausländische Anbieter unterliegen dieser Verpflichtung nicht. Das hat zur Folge, dass Kinder und Jugendliche ungehindert pornografische Inhalte im Internet aufrufen können, in dem sie mit einem Klick bestätigen, dass sie älter als 18 Jahre wären, heißt es in der Dokumentation. Auf Nachfrage des ZDF an die zuständige Behörde in Deutschland verweist das deutsche Bundeszentrum für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in der ZDF-Dokumentation auf eigene Studien, die in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg veröffentlicht wurden. Diese verweisen darauf, dass Jugendliche in ihrem Pornokonsum durchaus unterscheiden könnten zwischen der realen Welt und den Internetpornos. Jugendliche würden sich nur jene Fertigkeiten und Variationen abschauen, die zu ihren sexuellen Wünschen passten, heißt es in der Dokumentation. Der größte Teil der gefragten Experten äußert sich in der Sendung jedoch gegenteilig.

Österreich plant Maßnahmen zum Schutz vor Pornografie

In Österreich wird man sich der Gefahren, die von Pornografie im Internet ausgeht, hingegen immer bewusster. Wie das IEF berichtete wurde schon im Dezember ein Entschließungsantrag für besseren Schutz von Kindern vor Pornografie und Gewalt im Internet im Familienausschuss angenommen. Ziel ist die Erarbeitung von entsprechenden Schutzbestimmungen. In einer Nationalratssitzung sprach außerdem die Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler über die möglichen Folgen von Pornografiekonsum und scheute sich nicht, vor dem hohen Suchtpotenzial zu warnen, das damit verbunden sei.

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