DE / Abtreibung: (In)transparente Kritik aus Österreich

IEF, 9.2.2017 – Die vom Deutschen Statistischen Bundesamt jährlich im März veröffentlichten Abtreibungszahlen sorgen 2017 schon im Vorfeld für Kritik. Seit Anbeginn der Erhebung vermuten Vertreter der deutschen Lebensrechtsbewegung eine weit höhere Dunkelziffer und orten einen politischen Unwillen, den wahren Zahlen auf den Grund zu gehen. Nun bekommen sie von unerwarteter Seite Rückendeckung. Wie Focus online am 4.2.2017 berichtet, ist auch der Gynäkologe Dr. Christian Fiala davon überzeugt, dass in Deutschland vielmehr abgetrieben werden würde, als die veröffentlichten Zahlen vermuten ließen. Fiala ist in Österreich kein Unbekannter.

Selbst Betreiber mehrerer Abtreibungsambulanzen wehrt er sich seit jeher vehement gegen die Einführung einer Abtreibungsstatistik in Österreich. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihm daher die Bürgerinitiative „Fakten Helfen” der Aktion Leben Österreich, die auch vom Institut für Ehe und Familie (IEF) unterstützt wird. Fiala sieht in einer statistischen Erhebung nur eine weitere unnötige Hürde für Mediziner und Patientinnen. Eine solche mache zudem nur Sinn, wenn die Kosten für Abtreibungen von der Krankenkasse übernommen werden würden. Ein Argument, dass Helene Göschka, Pressesprecherin der Aktion Leben nicht gelten lässt. Fiala unterstelle damit seinen Ärzte-Kollegen pauschal, dass diese ihren beruflichen Meldepflichten nicht nachkommen würden. Ärztliche Meldepflichten seien völlig unabhängig von Krankenkassenleistungen zu sehen. Zuletzt wurden etwa auch im Bereich der Fortpflanzungsmedizin die Meldepflichten für Leistungen ohne Übernahme durch den IVF-Fonds erweitert.

„Tatsächlich wirkt Fialas Kritik an der deutschen Statistik eher wie ein Versuch, die österreichischen Forderungen nach einer Erhebung der Zahlen zu unterwandern”, meint Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF). Jede Statistik habe ihre Schwachstellen. Wichtig seien Konstanz in der Erhebung und Kontrolle der Datenerfassung, damit man nachvollziehen könne, ob sozialpolitische Maßnahmen zur Vermeidung von Abtreibungen greifen, so die Juristin. Mit Dunkelziffern sei immer zu rechnen. Sie blieben ständiger Auftrag, noch besser hinzuschauen. Fialas Kritik beurteilt Merckens aber eher als Ablenkungsmanöver. Und einen recht transparenten Versuch, entweder Abtreibungen als Kassenleistung durchzusetzen oder die statistische Erhebung schon im Keim zu verhindern.

(ief)

(Quelle: Focus.de)

Dazu auch: Kristijan Aufjiero in der Tagespost

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