AI-Nanny
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CN / Reproduktionsmedizin: Roboter zur Versorgung von Embryos in künstlicher Gebärmutter entwickelt

IEF, 15.06.2022 – Chinesische Wissenschaftler haben ein KI-System entwickelt, das sich um Embryos kümmern soll, die in einer künstlichen Gebärmutter aufwachsen.

Das, was nach einem Science-Fiction-Roman klingt, kann in China vielleicht bald Realität werden: menschliche Embryos wachsen in einer künstlichen Gebärmutter auf während ihre Entwicklung von einem Roboter gesteuert und beobachtet wird. Damit wolle man der niedrigen Geburtenrate in China entgegenwirken, verkündete das Wissenschaftlerteam rund um Professor Sun Haixuan im Zuge der Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse im Journal of Biomedical Engineering. Ethische Aspekte werden dabei völlig außen vor gelassen.

Künstliche Intelligenz (KI) soll es möglich machen

Was die Wissenschaftler als „AI-Nanny“ (Artificial Intelligence Nanny) bezeichnen, ist ein System der künstlichen Intelligenz, das Embryos (bis zur 9. Schwangerschaftswoche), die sich in einer künstlichen Gebärmutter zu Föten (ab der 9. Schwangerschaftswoche) entwickeln, beobachten und versorgen kann. Bereits jetzt wird die „AI-Nanny“ dazu eingesetzt, um eine große Anzahl an Mausembryos zu versorgen. Diese befinden sich in kleinen Behältern, die mit nahrhaften Flüssigkeiten gefüllt sind. Vor der Entwicklung des Roboters musste der Wachstumsfortschritt jedes einzelnen Embryos beobachtet, dokumentiert und händisch angepasst werden. Die „AI-Nanny“ ermögliche die Beobachtung der Embryos mit einer Genauigkeit in unvorstellbarem Maße, da sie rund um die Uhr Embryo für Embryo anschaue, so die Wissenschaftler in ihren Forschungsergebnissen. Die künstliche Intelligenz erkenne das kleinste Anzeichen einer Veränderung an den Embryos und könne so deren Nährstoffzufuhr optimal anpassen.

Beseitigung kranker Embryonen

Dasselbe Konzept, das momentan bei Mäusen zum Einsatz kommt, soll auch auf menschliche Embryos umgemünzt werden, sobald grünes Licht vom chinesischen Gesetzgeber kommt. Derzeit sind Experimente an menschlichen Embryos, die älter als zwei Wochen sind, international verboten. Jedoch sei genau die Forschung in den späteren Entwicklungsphasen des Embryos von Bedeutung, so das Forschungspapier. Hier gebe es noch immer viele ungelöste Fragen. Die „AI-Nanny“ könnte laut den Wissenschaftlern nicht nur dazu beitragen, die früheste menschliche Entwicklung besser zu verstehen, sondern auch eine Basis dafür bilden, Geburtsfehler und andere reproduktive Probleme zu beseitigen, so Haixuan und sein Team. Das System ist nämlich in der Lage, die Embryos nach deren Gesundheit und Entwicklungspotential zu bewerten. Wird ein schwerwiegender Defekt an einem Embryo festgestellt, ist ein Techniker durch Warnmeldung der Maschine dazu angehalten, den Embryo aus der künstlichen Gebärmutter zu entfernen.

Obwohl die derzeitige chinesische Gesetzeslage ein solches Experiment an menschlichen Embryos noch nicht zulässt, hat China jedoch in der Vergangenheit bewiesen, dass es bereit ist, drastische Maßnahmen zu setzen, um die Größe der Population zu kontrollieren. Bei einer anhaltend sinkenden Geburtenrate ist der Einsatz einer „AI-Nanny“ auch bei menschlichen Embryos daher nicht auszuschließen. (TS)

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