Suizidrate
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CH / Lebensende: Beihilfe zur Selbsttötung lässt Suizidrate deutlich steigen

Kathpress, 11.11.2022 – IMABE-Direktorin Susanne Kummer sieht in Sterbehilfe-Organisationen einen Feind effektiver Suizidprävention.

Auch wenn die Schweiz 2020 erstmals weniger als 1.000 Fälle von Suizid verzeichnete, haben 1.251 Eidgenossen im selben Zeitraum Suizid mithilfe Dritter verĂĽbt – womit in Summe ein neuer Höchststand erreicht wurde. Das geht aus den aktuellen Daten des Schweizer Bundesamts fĂĽr Statistik hervor, die das Wiener Bioethikinstitut IMABE recherchiert hat, berichtet Kathpress (11.11.2022). Deutlich werde dabei aufs Neue, „wie sogenannte ‚Sterbehilfe‘-Organisationen mit ihrem Angebot de facto eine effektive Suizidprävention unterlaufen“, erklärt dazu IMABE-Direktorin Susanne Kummer.

Sterbehilfe um 350 Prozent zugenommen

Mit insgesamt 2.223 Fällen, in denen sich in der Schweiz Wohnhafte im Jahr 2020 das Leben frĂĽhzeitig nahmen, kommt die Alpenrepublik somit eigentlich auf eine Suizidrate von 25,6 pro 100.000 Einwohner, was mehr als das doppelte der Rate Ă–sterreichs von 12,5 (2021) bedeutet. Diese Zahl sei laut Kummer „erschreckend“, finde jedoch in der Ă–ffentlichkeit kaum Widerhall. Vielmehr werde der schrittweise RĂĽckgang „harter Suizide“ als Erfolg gemeldet – „und gleichzeitig ausgeblendet, dass in der Schweiz in nur zehn Jahren die Zahl der Selbsttötungen mithilfe Dritter um mehr als 350 Prozent gestiegen ist“, so die Ethikerin.

Kritik ĂĽbte die IMABE-Direktorin auch daran, dass assistierte Suizide in der Schweiz nicht zur Suizidrate zählen, was die Fakten verzerre. „Ein Suizid bleibt ein Suizid – auch wenn Dritte nach Absprache die Tötungsmittel zur VerfĂĽgung stellen. Prävention und nicht Angebote mĂĽssen oberstes Gebot bleiben“, betonte Kummer.

ZĂĽrich: Private Heime dĂĽrfen Zutritt verbieten

Die jĂĽngst präsentierten Schweizer Zahlen erhärten auch die internationalen Daten: Von sogenannten „harten“ Suizide sind vor allem Männern unter 65 Jahre betroffen. Die gefährdetste Gruppe fĂĽr Selbsttötungen mithilfe Dritter sind hingegen ältere Frauen und Senioren. Um an diese neue Zielgruppe besser heranzukommen, machen Sterbehilfe-Vereine auf die Politik Druck. Sie wollen direkten Zugang zu Altersheimen, um dort fĂĽr Suizidangebote zu werben und ältere Menschen damit zu „versorgen“.

Zumindest für Zürcher Alters- und Pflegeheime in privater Trägerschaft wurde dies nun abgewehrt. Während Alterseinrichtungen mit einem Leistungsauftrag einer Gemeinde nun gezwungen sind, Sterbehilfe-Vereinen wie Dignitas und Exit Zutritt zu gewähren, hat der Zürcher Kantonsrat nun entschieden, dass private Träger Suizidhilfe in ihren Räumlichkeiten weiterhin verbieten können.

„Exit“ wirbt in Bus und StraĂźenbahn

Empörung ĂĽber die Wende im Kantonsparlament äuĂźerte unter andrem der fĂĽr neue Klientel werbende Verein Exit, berichtet der IMABE-Infodienst „Bioethik aktuell“. Der Sterbehilfe-Betreiber wirbt derzeit in Basel, Bern und ZĂĽrich in Bussen und StraĂźenbahnen fĂĽr seine Suiziddienstleistungen. Angesichts erster Beschwerden von Fahrgästen berief sich ein Sprecher des Verkehrsunternehmens Bernmobil darauf, dass die Werbeflächen verpachtet und das Unternehmen somit nicht selbst fĂĽr die Anzeigen zuständig sei. Dennoch behalte man sich vor, „beispielsweise Werbung fĂĽr Alkohol, diskriminierende Werbung oder Werbung, die gegen andere rechtliche Vorschriften oder die guten Sitten verstößt, abzulehnen“ – wozu offenbar Werbung fĂĽr Suizid-Beihilfe nicht zählt.

„Ursachen zu wenig im Blick“

Dass auch in Deutschland in der Sterbehilfe-Debatte die Prävention von Suiziden vernachlässigt werde, hat jüngst auch der Präsident der Bundesdeutschen Ärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, kritisiert. Zu einseitig sei die derzeitige politische Debatte auf die Verwirklichung eines Suizidwunsches ausgerichtet, erklärte Reinhardt in einem Bericht des Deutschen Ärzteblattes.

Die Hauptursachen von Suizidalität wĂĽrden zu wenig in den Blick genommen, mahnt die BĂ„K. Etwa 90 Prozent der Suizide und TodeswĂĽnsche lägen psychische Erkrankungen zugrunde – insbesondere Depressionen. Untersuchungen zeigten, dass Depressionen und Vereinsamung einen starken Einfluss auf einen Suizidwunsch hätten. Um diese Menschen mĂĽsse man sich speziell mit regionalen Angeboten kĂĽmmern, betonte Reinhardt. Anlässlich der bevorstehenden gesetzlichen Regelung zum assistierten Suizid in Deutschland dĂĽrfe keinesfalls Suizidprävention hinter Suizidhilfe zurĂĽckstehen.

Der Artikel wurde dem IEF dankenswerterweise von Kathpress bereitgestellt.

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