INT / Reproduktionsmedizin: Cannabiskonsum reduziert Fruchtbarkeit massiv

IEF, 15.03.2021 – Eine aktuelle US-Studie zeigt eine Halbierung der Schwangerschaftsraten bei Frauen mit Cannabiskonsum.

Die US-Studie von Mumford et al., veröffentlicht im Journal Human Reproduction der Oxford Journal Mitte Jänner, beleuchtet die Auswirkungen von Cannabiskonsums während bestehenden Kinderwunsches. Ergebnis: Die Schwangerschaftsrate von Frauen halbierte sich. Auch die Konsumation von CBD-Produkten zeigte Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern.

Studien: Falsche Selbstangaben?

Im Rahmen der Studie wurden an über 1.200 Patientinnen mit Kinderwunsch anhand von Harnproben Frauen mit Cannabiskonsum identifiziert. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Frauen mit Cannabis-Missbrauch in den letzten 12 Monaten ihre Chance auf eine Schwangerschaft fast halbierten, obwohl sie häufiger Geschlechtsverkehr hatten als Frauen ohne Cannabiskonsum. Etablierte Studien hatten zuvor keine Relation zwischen Cannabiskonsum und Empfängnis gezeigt. Nach Aussage der Studienautoren der neuen Studie könnte das jedoch an einer falschen Selbstauskunft der Studienteilnehmer gelegen haben. Der Grund für die reduzierte Fruchtbarkeit wiederum könnte eine direkte Beeinflussung von Cannabis auf den weiblichen Hormonhaushalt sein.

Auch CBD-Produkte haben Auswirkungen

CBD (Cannabidiol) Produkte werden – im Gegensatz zu Cannabis selbst – fälschlicherweise oft als unbedenklich dargestellt. Doch auch bei diesen häufig konsumierten und in Österreich frei erhältlichen CBD-Produkten konnte ein Einfluss auf den Hormonhaushalt von Männern und Frauen und somit ein Einfluss auf die Fruchtbarkeit festgestellt werden. Bei Männern wurde im Rahmen der Studie ein Absinken des Testosterons und der Spermienanzahl beobachtet.

Langfristige Folgen unerforscht

Ob ein Cannabiskonsum auch langfristig Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat, ist derzeit unerforscht. Auch zur Rate der Fehlgeburten trifft die Studie keine Aussage.

Cannabiskonsum steigt

Wie unter anderem auch ein Vertriebsleiter eines steirischen Hanf-Produzenten gegenüber der Wiener Zeitung bestätigte, steigt die Nachfrage nach den in Österreich legal zu erwerbenden CBD-Produkten besonders in der Corona-Krise „rasant“ an. Informationen zu Auswirkungen der COVID‐19‐Pandemie wurden vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz im Bericht zur Drogensituation 2020 veröffentlicht: 44 Prozent der 337 Befragten gaben an, Suchtmittel öfter zu konsumieren. Hinsichtlich der Substanzen wurde häufig ein gleichbleibender oder verstärkter Konsum von Alkohol und Cannabis, während der Konsum anderer illegaler Substanzen gesunken sein soll. Die wichtigsten Gründe für einen verstärkten Konsum seien weniger Verantwortung, mehr Zeit, Langeweile, psychische Belastung und Coping.  (KL)

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