IEF, 14.07.2017 – Das Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) gibt dreimal im Jahr unter dem Titel „Imago Hominis“ eine Zeitschrift heraus, in dem in Form von Fachartikeln jedes Mal ein Thema aus verschiedenen Richtungen beleuchtet wird. Das aktuelle Heft „Ethische Fragen der Reproduktionsmedizin“ aus dem ersten Quartal 2017 beschäftigt sich anlässlich von 40 Jahre Reproduktionsmedizin mit der künstlichen Befruchtung sowie damit zusammenhängenden Thematiken.

Schon die Zusammensetzung der Autoren verspricht Spannung, schreiben in diesem Band sowohl die investigative Journalistin Eva-Maria Bachinger, die für ihr Buch „Kind auf Bestellung“ den internationalen Pfaden eines Leihmutterschaftsarrangements auf den Spuren war, sowie die Psychologin Karin J. Lebersorger, die in ihrer täglichen Praxis immer mehr mit Kindern aus reproduktionsmedizinscher Behandlung zu tun hat. Susanne Kummer, Schriftleiterin der Fachreihe, fühlte sich selbst schon wie in einem Krimi, als sie die 40 jährige Geschichte der Reproduktionsmedizin zurückverfolgte und feststellen musste, dass sämtlichen ethischen Probleme, eugenischen Visionen wie auch humanmedizinische Experimente, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen, von der Methode der künstlichen Befruchtung von Anfang an inhärent waren.

Die Juristinnen Magdalena Flatscher-Thöni und Caroline Voithofer ergänzen den Band nicht nur um einen rechtlichen Aufriss der jüngsten Reform des österreichischen Fortpflanzungsrechts, sondern wagen es sogar, wenn auch vorsichtig, die Frage zu stellen, ob die [vermeintliche] Entscheidungsfreiheit der Frau, ein oder kein Kind zu bekommen, so weit gehen solle, dass sie sich gegen/für ein Kind mit bestimmten via Präimplantationsdiagnostik (PID) oder Pränataldiagnostik (PND) zulässigerweise ermittelten Eigenschaften entscheiden kann. Nach den Autorinnen könnte man auch argumentieren, dass der Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung über den eigenen Körper ausreichend Genüge getan sei, wenn diese Entscheidung nur unabhängig von den potentiellen Eigenschaften des potentiellen Kindes getroffen würde.

Die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz widmet sich dem Thema der Kinderlosigkeit. In einem Vergleich mit anderen Kulturen hinterfragt sie die Option, dieses Schicksal anzunehmen. Für die Biopolitikerin Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF) ist das Heft ein Muss für jeden, der sich interdisziplinär mit der Reproduktionsmedizin beschäftigt bzw näher beschäftigen möchte.

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