IEF, 13.7.2017 – Die Journalistin Eva Maria Bachinger unterzieht die Angebote zu assistierter Fortpflanzung in ihrem 2015 erschienen Buch „Kind auf Bestellung“ einer harten Kritik. Kinder zu haben ist zu einem Projekt geworden, das reibungslos funktionieren soll. Seit Jänner 2015 erlaubt der österreichische Gesetzgeber im Rahmen des Fortpflanzungsmedizingesetzes Eizellspende und lockerte den Zugang zur Präimplantationsdiagnostik. Die Journalistin Bachinger fragt in ihrem Buch, wem das eigentlich nützt. Während der Recherche hat sie mit Medizinern, unfreiwillig Kinderlosen, Leihmüttern und Eizellspenderinnen gesprochen. Auf die Frage nach dem Wohl und den Rechten der Kinder ist sie dabei zuletzt gestoßen. Im Vordergrund steht ein internationaler florierender Markt, der das vermeintliche „Recht auf ein Kind“ erfolgreich zu Geld macht.

Im Westen seien wir es heutzutage gewöhnt, zu bekommen, was wir wollen, wenn wir nur genug Geld dafür zahlen, resümiert die Autorin. Der Wunsch der Fortpflanzungsmedizin-Kunden laute, ein eigenes Kind müsse es sein, unabhängig vom oft fortgeschrittenen Alter. Ungeachtet der Studien, die den geringen Erfolg nicht verschweigen, wird für den Kinderwunsch vieles auf sich genommen und ausgeblendet. Und wenn es das Kind in einem Niedriglohnland günstiger gebe, umso besser.

Obwohl Bachinger den Schmerz nicht leugnet, der durch unerfüllten Kinderwunsch, inklusive Rechtfertigungsdruck, entsteht, ist es ihr Anliegen, auf die Rechte und das Wohl der Kinder hinzuweisen. Sie plädiert dafür, nicht alles Machbare zu tun und die Grenzen anzuerkennen.

Die Basis ihrer Argumentation ist „Es gibt kein Recht auf ein Kind“ und so pocht Bachinger beharrlich auf das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft, auf Schutz vor und nach der Geburt und das Recht, nicht gegen Geld gehandelt zu werden. Die Autorin vergleicht die gesetzlichen Regelungen der verschiedenen Länder und analysiert den Diskurs der Ärzte, Politiker und Ethikkommissionen, der oftmals widersprüchlich geführt wird und sich wie ein Fähnchen im Wind in Richtung der Goldgrube dreht. So würden die Risiken und Qualen hormoneller Stimulationstherapien, die Knebelverträge für Leihmütter, die Entlohnung der Eizellspenderinnen und die Gewinne der Kliniken unter den Teppich gekehrt. Dem Kind gehe es je nach reproduktionstechnischer Zeugungsart am besten bei den genetischen Eltern oder im geschaffenen sozialen Umfeld.

Bachingers Buch ist ein starkes und aufrüttelndes „Plädoyer für klare Grenzen“, wie der Titel sagt. Sie rechnet mit dem „egoistischen“ Kinderwunsch ab, der eine ganze Industrie am Laufen hält und viel Leid schafft.

Eva Maria Bachinger: „Kind auf Bestellung“. Ein Plädoyer für klare Grenzen. Deuticke Verlag, Wien 2015. 256 S., geb., 19,90 €.

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