IEF, 05.04.2019 – Das Royal College of Physicians (RCP) hat bereits vor der Befragung seiner Mitglieder im Februar angekündigt, von der ablehnenden Haltung gegenüber assistiertem Suizid abrücken zu wollen, sollten nicht zumindest 60 Prozent dagegen sein.

Die Online-Umfrage unter den Mitgliedern des Ärztebundes fand im Februar 2019 statt. (Das IEF hat berichtet). Nach Abschluss und Auswertung präsentierte das RCP die Ergebnisse der Befragung am 21. März und informierte über die Einnahme einer „neutralen“ Stellung gegenüber assistiertem Suizid, um damit die unterschiedlichen Meinungen der Mitglieder und der Gesellschaft insgesamt besser abbilden zu können.

Auf der Website des Ärztebundes ist zu lesen, dass 6.885 Ärzte an der Umfrage teilgenommen haben, was laut dem British Medicla Jornal 20% der Gesamtmitgliederzahl entspricht. Die Mehrzahl der Befragten (43.4%) sprach sich dafür aus, dass der Ärztebund seine ablehnende Haltung gegenüber assistiertem Suizid beibehalten solle und blieb damit auf beinahe der gleichen Höhe wie bei der Befragung im Jahr 2014. Damals stimmten 44,4% gegen eine Gesetzesänderung. Eine Verschiebung fand indes bei den Positionen „neutral“ und „pro“ Gesetzesänderung statt. Während 24.6% im Jahr 2014 für eine Legalisierung des assistierten Suizids stimmten, waren es 2019 31.6%. Die Zahl jener die eine neutrale Stellung befürworten, verringerte sich dabei im Vergleich zum Jahr 2014 um 6 Prozentpunkte auf 25%.

Das Royal College of Physicians gibt auf seiner Website an, dass die Einnahme einer „neutralen“ Haltung weder eine Unterstützung noch Ablehnung einer Gesetzesänderung in Bezug auf assistierten Suizid bedeute. Der Ärztebund möchte sich auch nicht auf assistierten Suizid in seiner Arbeit fokussieren, sondern sich weiterhin für eine qualitativ hochstehende palliative Versorgung einsetzen.

Kritik an der Vorgehensweise und Entscheidung des RCP äußerte unter anderem die Organisation „Care not Killing“ unter dem Vorsitz von Dr. Gordon Mcdonald. Für ihn sei die Änderung der offiziellen Haltung absurd, da „neutral“ die wenigsten Mitglieder vertrete, während die Mehrheit weiterhin gegen assistierten Suizid stimmte.

Bemerkenswert sei laut BBC, dass die einzige Facharztgruppe, die weit über die Mehrheitsquote hinaus (80%) für das Beibehalten der ablehnenden Haltung gestimmt hatte, die Palliativmediziner waren – also jene Ärzte die am meisten Zeit mit Menschen am Ende des Lebens verbringen.

Eine Gruppe von Ärzten hat angekündigt gegen die Entscheidung des RCP gerichtlich vorgehen zu wollen und eine Klage einzureichen. Sie wollen, dass der Ärztebund der mehrheitlichen Entscheidung seiner Mitglieder folgt, anstatt ein erhöhtes Quorum zu verlangen. (AH)

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