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Bischof Hermann Glettler: „Wir beide“ – Ehe als Leben in gegenseitiger Zugehörigkeit

IEF, 24.06.2026 – Das vatikanische Dokument Una Caro beschreibt das Sakrament der Ehe als Geschenk und Auftrag.

Diözesanbischof Hermann Glettler stellte in seinem Impulsvortrag im Rahmen des IEF-Dialog-Abends „Für immer Du“ das Dokument Una Caro vor, das Ende 2025 vom vatikanischen Dikasterium für die Glaubenslehre veröffentlicht wurde. Das Dokument versteht die Ehe als Leben in gegenseitiger Zugehörigkeit. Glettler bezeichnete den Text als ein Mosaik aus biblischen, theologischen und anthropologischen Perspektiven auf die Ehe – nicht als „verkrampfte Verteidigungsschrift der Monogamie“. An einigen dieser Mosaiksteine machte er die zentrale Botschaft des Dokuments deutlich.

Aus zwei wird ein Wir

Im Zentrum des Dokuments stehe die Vorstellung, dass aus zwei Menschen ein gemeinsames „Wir“ entsteht. Ehe bedeute dabei nicht die Aufgabe der eigenen Persönlichkeit, sondern eine freie Entscheidung zur gegenseitigen Zugehörigkeit. Aus einem Ich und Du wachse eine Gemeinschaft, die das Leben teilt und gemeinsam gestaltet. Zwei Menschen blieben eigenständige Personen und bilden zugleich eine neue Einheit.

Warum Einheit und Unauflöslichkeit?

Das Dokument verstehe sich als klares Plädoyer für die Monogamie. Glettler betonte jedoch, dass dies nicht aus einer Abwertung anderer Lebensformen geschehe. Vielmehr greife das Dokument Erfahrungen auf, die Bischöfe aus unterschiedlichen Kulturen und Kontinenten eingebracht hätten. Die Frage sei, welche Form von Beziehung der gleichen Würde beider Partner und ihrer persönlichen Reifung am besten entspreche. Die christliche Tradition sehe diese Verwirklichung in der exklusiven und lebenslangen Bindung von Mann und Frau.

Freiheit durch ein verlässliches Ja!

Freiheit werde heute oft als Offenheit für möglichst viele Optionen verstanden – auch in Fragen der Liebe. Das Dokument beschreibe Freiheit dagegen als die Fähigkeit, sich bewusst für einen Menschen zu entscheiden und diese Entscheidung gerade auch durch Krisenzeiten zu tragen. Ein dauerhaftes Ja schaffe einen Raum des Vertrauens, in dem Beziehung wachsen können.

Wo Menschen verbindlich miteinander leben, müssen Unterschiede ausgehalten, Konflikte ausgetragen und immer wieder gemeinsame Lösungen gefunden werden. Mit einem Verweis auf Papst Franziskus betonte Glettler, dass zu einer gelingenden Ehe auch gehöre, „gut zu verhandeln“ und „gut streiten zu lernen“.

Die Faszination gelebter Liebe

Ob Menschen sich für lebenslange Treue entscheiden, hänge letztlich weniger von Argumenten als von glaubwürdigen Zeugnissen ab, so Glettler gegen Ende seines Vortrags. Die Attraktivität der Ehe werde vor allem dort sichtbar, wo Menschen sie leben. Nicht Perfektion überzeuge, sondern Paare, die trotz Krisen, Verletzungen und Herausforderungen aneinander festhalten und immer wieder neu zueinander finden.

Getragen von Gott, offen für die Welt

Nach Glettler lebe die Ehe aus der Zusage Gottes und aus dem Vertrauen, dass die Liebe von einer Wirklichkeit getragen werde, die über die Stärken und Schwächen der Partner hinausweise. Gott sei Fundament und tragender Grund der Beziehung.

Es sei allerdings kein Zufall, dass sich die Eheleute das Sakrament der Ehe gegenseitig spenden. Durch dieses Sakrament werden sie zu einem sichtbaren Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit: In ihrer Liebe füreinander solle etwas von Gottes Liebe zum Menschen erfahrbar werden.
Glettler griff dafür das Bild eines Zeltes auf, dessen Grundpfeiler Gott ist. Mitten in der Welt sollen Eheleute ein Zelt aufspannen, in dem andere Menschen Heimat, Geborgenheit und Gemeinschaft erfahren können. Das Ehepaar habe als Einheit eine Sendung nach außen: Gastfreundschaft zu leben, Verantwortung zu übernehmen und andere an der erfahrenen Liebe teilhaben zu lassen. Das Sakrament der Ehe sei Geschenk und zugleich Auftrag – für die Eheleute selbst, für die Kirche und für die Gesellschaft. (SM)
 

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