Kirchliche Seelsorge
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DE / Lebensende: Bischöfe plädieren für Begleitung in letzter Lebensphase

IEF, 22.04.2021 –  Ein Grundlagenpapier der Deutschen Bischofskonferenz nimmt Stellung zur kirchlichen Seelsorge im Rahmen der Hospiz- und Palliativversorgung.

„Bleibt hier und wacht mit mir!“ heißt das veröffentlichte Papier, das die Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam mit Experten erarbeitet hat. Vorrangige Aufgabe der Kirche sei es, leidenden Menschen beizustehen, wie Bischof Franz-Josef Bode, Vorsitzender der Pastoralkommission, und Weihbischof Reinhard Hauke, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Diakonische Pastoral“ betonen. Die Bischöfe heben die Relevanz des Schreibens in der derzeitigen Debatte um ein „Sterbehilfe“-Gesetz in Deutschland hervor. Besonders die letzte Lebensphase alter und kranker Menschen solle würdevoll begleitet werden. „Wir möchten ihnen Lebensqualität und Hoffnung vermitteln, auch in scheinbar hoffnungslosen Situationen“, so Bode und Hauke.

Seelsorge: Teil der Palliativversorgung

 Bei der Diagnose einer unheilbaren Krankheit ermögliche die Hospiz- und Palliativversorgung eine wichtige Perspektive, denn sie nehme die Patienten in ihrer ganzen Bedürftigkeit wahr und gebe sie nicht auf. Eine gute palliative Fürsorge wolle das Leiden von schwerkranken und sterbenden Personen lindern, ohne den Tod vorzeitig herbeizurufen und ohne ihn durch eine Behandlung im Übermaß herauszuzögern, schreiben die Bischöfe. Ein wichtiger Teil sei zudem die Begegnung mit dem seelischen Schmerz, unabhängig von Konfession oder Weltanschauung, in all seinen Facetten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe betont, dass Seelsorge ein integrativer Teil der Palliativversorgung sei und die “Berücksichtigung spiritueller Bedürfnisse” zum Handlungskonzept der Palliativversorgung zähle. Nicht nur Seelsorger, sondern auch besonders liebe und verlässliche Beziehungen in der Familie und im Freundeskreis seien wichtig im Krankheitsfall und könnten zu einer „heilenden Gemeinschaft“, wie es Papst Franziskus kürzlich formulierte, werden. Durch eine würdevolle Begleitung geschehe es daher nicht selten, dass schwer kranke Menschen, die zunächst gegen ihre Situation ankämpften, schließlich doch ihr Sterben akzeptieren würden.

Forderung nach Ausbau der Palliativversorgung

 „Palliativmedizin ist von großer Bedeutung auch auf kultureller Ebene, da sie sich dafür einsetzt, all das zu bekämpfen, was das Sterben angst- und leidvoller macht, das heißt Schmerz und Einsamkeit“, sagte Papst Franziskus 2017 beim Europatreffen des Weltärztebundes. Ganzheitlich gegen eine Kultur der Bejahung und Förderung des Lebens sei das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts. Je selbstverständlicher und zugänglicher Optionen der Hilfe zur Selbsttötung würden, desto größer sei die Gefahr, dass die Hemmschwelle zum Suizid gesenkt werde und sich Menschen in sehr belastenden Lebenssituationen mangels alternativer Unterstützungsformen dazu gedrängt fühlten, von einer derartigen Option Gebrauch zu machen und ihrem Leben selbst ein Ende zu bereiten, warnt das Begleitschreiben. Die Qualität unserer Gesellschaft zeige sich gerade in der Weise, wie wir einander Hilfe und Unterstützung seien. Man werde sich nun umso mehr den Bemühungen widmen, Menschen in besonders vulnerablen Situationen Fürsorge und Begleitung anzubieten. Die bisherigen gesetzlichen Maßnahmen zur Förderung der Hospiz- und Palliativversorgung und deren Umsetzung würden bei Weitem nicht ausreichen. Die Bischöfe fordern daher weiterhin einen bedarfsgerechten Ausbau hochwertiger Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland und seien bereit, als Kirche daran mitzuwirken. Denn unheilbar kranke Menschen seien nicht unbehandelbar, sondern hätten aufgrund ihrer unantastbaren Würde ein Anrecht auf fürsorgende Begleitung – medizinisch-pflegerisch, sowie psychosozial und seelsorglich. (TS)

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