IEF, 12.11.2019 – Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz veröffentlichten die Bischöfe eine Erklärung, in der sie die Politik zu konkreten Taten zum Erhalt bestehender Schutzbestimmungen gegen eine Tötung auf Verlangen auffordern.

Mahnend heißt es in dieser Erklärung: “Ist das Verbot der Tötung auf Verlangen und der Beihilfe zur Selbsttötung einmal aufgehoben, dann ist der Schritt zu einer gesellschaftlichen Normalität, die schließlich in eine soziale Pflicht pervertiert, nicht weit“.

Die Debatte dürfe nicht an Einzelfällen festgemacht werden, so die Bischöfe eindringlich. Die Frage sei vielmehr, “wie wir als Gesellschaft in Zukunft leben wollen und ob uns dabei das Leben so heilig ist, dass man an der Hand eines Menschen, aber nicht durch die Hand eines Menschen sein Leben beendet”.

Hauptmotive für die Tötung auf Verlangen wären laut belegender Studien vor allem psychische Belastungen wie Depression, Hoffnungslosigkeit und Angst. Die Antwort darauf könne niemals die Tötung sein, „sondern professionelle Hilfe, Beratung und Beistand“, so heißt es in der Veröffentlichung der Bischofskonferenz.

Der Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, sei in erster Linie ein “Hilfeschrei, den man nicht überhören darf”, so das Episkopat weiter. Um darauf reagieren zu können, sei eine “Kultur der Sorge und des Beistands” nötig, die eine “liebevolle Begleitung bis an die Schwelle des Todes” erlaube.

Von größter Bedeutung sei die Palliativversorgung, da diese entscheidend zur “Wiederentdeckung der ganzheitlichen Begleitung eines Kranken im Kontext der modernen Medizin” beigetragen habe: Wenn man ‘nichts mehr machen kann’, dann gibt es noch ‘viel zu tun’, so die Bischöfe weiter.

Martin Schaffenrath, Mitglied im Überleitungsausschuss der Österreichischen Gesundheitskasse, erklärt, dass Pro-Suizid-Gesetze den Druck auf vulnerable Menschen erhöhen würden: In Ländern mit legalisierter Suizidbeihilfe wie Belgien oder den Niederlanden sähen sich kranke, schwache oder ältere Menschen zunehmend unter “Rechtfertigungsdruck, warum sie überhaupt noch leben und wieso sich das Gesundheitssystem Therapie oder Pflege noch leistet”.

Auch er, als Experte, fordere eine “Kultur des Beistands” durch flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung.

Motivforschung zur Abtreibung und Unterstützung für Schwangere

Ihren Appell richten die österreichischen Bischöfe jedoch auch auf den Lebensschutz am Lebensbeginn. “Es muss in einem wohlhabenden Land wie Österreich möglich sein, andere Lösungen zu finden, als die Tötung heranwachsender Menschen”, so heißt es in ihrer Erklärung. Schwangere Frauen in Konfliktsituationen bräuchten mehr Unterstützung und Solidarität.

Insbesondere das Fehlen gesicherter Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen und ihren Motiven sei ein unverzeihliches Versäumnis. Gäbe es diese Angaben, so wie in fast allen anderen europäischen Ländern, könnten die Hilfsangebote “besser und zielgerichteter sein”, heißt es in der Erklärung.

“Allen Initiativen, die schwangeren Frauen, Müttern und ihrem Umfeld Hilfe und Beratung bei ihrem Ja zum Leben anbieten”, dankten die Bischöfe und bekundeten ihre Unterstützung für “alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte, die sich dafür einsetzen, das ungeborene Leben zu schützen und zu fördern”. (AMK)

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