CH / Reproduktionsmedizin: Besorgniserregendes Ergebnis bei Untersuchung der Spermienqualität

IEF, 28.05.2019 – Eine neue Studie erforschte die Spermienqualität von 2500 wehrpflichtigen Männern in der Schweiz. 17% würden demnach nach WHO-Kriterien als unfruchtbar eingestuft werden.

Ergebnisse der Schweizer Studie

In der Studie von Genfer Forschern unter der Leitung des Genetikers Serge Nef wurden Trends bestätigt, die bereits frühere Studien gezeigt haben: die Spermienqualität von Männern in westlichen Ländern nimmt stetig ab. So hatte bereits 2017 eine Studie ergeben, dass seit 1973 die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma bei Männern aus westlichen Ländern um 52,4 % gesunken sei. Erstmals wurde nun eine länderspezifische Untersuchung angestrengt. Das Ergebnis: Die Schweiz schneidet im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit am schlechtesten ab.

In der Nef-Studie gaben insgesamt 2500 Männer eine Spermienprobe ab und wurden darüber hinaus noch gebeten, einen Fragebogen zu ihrer Umwelt und ihrem Lebensstil zu beantworten. Außerdem wurden auch die Mütter der Befragten zu ihrem Verhalten während der Schwangerschaft interviewt. Die Ergebnisse zeigen, dass rund 17% der untersuchten Proben unter dem Wert der Spermienkonzentration pro Milliliter lagen, bei dem die WHO die Grenze zur Fruchtbarkeit sieht. Auch bei zwei weiteren Kriterien der WHO, nämlich der Beweglichkeit und der Struktur der Zellen, zeigten die Proben negative Ergebnisse. Bei ca. einem Viertel der Untersuchten war die Beweglichkeit eingeschränkt und bei 43% der Proben wurden zu wenig normal aussehende Spermien beobachtet. Insgesamt entspreche demnach nur bei 38% der Männer die Spermienqualität den Normwerten der WHO.

Ziel der Studie war unter anderem herauszufinden, inwiefern Umwelteinflüsse sowie das Verhalten der Mutter in der Schwangerschaft und der eigene Lebensstil sich auf die Spermienqualität auswirken. Bezüglich der geographischen Zusammenhänge konnten keine großen Unterschiede gemessen werden. Klar nachgewiesen werden konnte, dass Männer deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, eine schlechtere Spermienqualität haben. Außerdem beobachtete man, dass Männer mit einer schlechteren Spermienqualität auch ein deutlich höheres Risiko für Hodenkrebs haben. Grund dafür könnten Entwicklungsstörungen der Hoden bereits in der Entwicklung im Mutterleib sein, vermutet Alfred Senn, einer der Studienautoren, in der Neuen Züricher Zeitung.

IVF und Spermienqualität

Erst vor kurzem hat sich außerdem ein Forscher zu einer weiteren kritischen Entwicklung geäußert. Dr. Hans Hanevik leitet das Fertility Department am Telemark Krankenhaus Norwegen. Er merkt an, dass mittlerweile immer mehr Kinder durch In-vitro Fertilisation (IVF) geboren werden und gibt zu bedenken, dass es sich hierbei zwar um eine großartige medizinische Errungenschaft handle, jedes dieser Kinder jedoch auch die Gene in sich trage, die bei ihren Eltern die Schwierigkeiten verursacht hätten, auf natürlichem Wege Kinder zu zeugen. Zukünftige Generationen könnten somit genetisch an eine Umwelt angepasst sein, in der Fortpflanzung von dem Einsatz technischer Intervention abhängig wird. Diese Intervention an einem Zeitpunkt im menschlichen Leben, an dem natürliche Selektion ohne technischen Einfluss am stärksten eingreifen würde, bliebe damit nicht ohne Folgen. Damit möchte er IVF an sich nicht kritisieren, wolle jedoch dazu anregen auch über die Folgen dieser inzwischen weitverbreiteten Methode nachzudenken, so der Forscher laut dem englischen Standard. Ähnliches legte bereits eine Studie aus dem Jahr 2016 nahe, über die das Ärzteblatt berichtete. Auch hier ergaben Untersuchen, dass Jungen, die durch In-vitro Fertilisation gezeugt wurden, die Infertilität ihrer Väter erben können. (LG)

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