Belgier gegen kostspielige Therapien bei Hochaltrigen
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BE / Lebensende: 40 % der Belgier lehnen kostspielige Therapien für über 85-Jährige ab

IEF, 14.5.2019 – Das Wiener Bioethikinstitut IMABE warnt aufgrund einer aktuellen belgischen Studie davor, dass der Druck auf alte Menschen, sich für assistierten Suizid bzw. Tötung auf Verlangen zu entscheiden, weiter wachse. Die Ergebnisse der Studie seien besorgniserregend: 40 % der Belgier sprachen sich gegen kostspielige Behandlungen zur Lebensverlängerung bei über 85-Jährigen aus.

Laut IMABE wurde die nicht veröffentlichte Studie vom Bundeszentrum für Gesundheitsfürsorge (KCE), der König-Baudouin-Stiftung und dem Nationalen Institut der Invaliden-Krankenversicherung (Inami) durchgeführt. Die Studienautoren warnten aufgrund der Ergebnisse vor der Begünstigung einer „Zwei-Klassen-Medizin“. Es gäbe dann „jene Patienten, die sich mit einer Pflichtversicherung begnügen müssen, und solche, die sich nicht erstattungsfähige Medikamente oder Operationen leisten können, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten“.

Der belgische Verein Okra, der sich gegen Übertherapien einsetzt, hätte umgehend klargestellt, dass es im Gesundheitswesen keine willkürliche Altersgrenze geben dürfe. Eine wohlüberlegte therapeutische Intervention dürfe man rein aus Altersgründen nie ablehnen, da jeder Mensch ein Recht auf medizinische Behandlung habe, so der Verein.

„Senioren eine adäquate medizinische Versorgung zu verweigern, um Geld zu sparen, kombiniert mit dem Angebot, sie könnten doch aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen, stellt für eine Gesellschaft einen gefährlichen Mix dar“, zeigt sich Susanne Kummer, Geschäftsführerin von IMABE, in diesem Zusammenhang alarmiert. Durch die legale Option von Tötung auf Verlangen, wachse der Druck auf alte, kranke Menschen, sich für ein „sozialverträgliches Frühableben“ zu entscheiden, so Kummer. Die brutalen Ergebnisse der belgischen Studie zeigten außerdem, was Legalisierung von assistiertem Suizid bzw. Tötung auf Verlangen mit der Gesellschaft mache: Die Menschen gewöhnten sich an Tötung auf Verlangen als „normale Option“. So „kippt die Selbstbestimmung unter der Hand in Fremdbestimmung“, bringt Kummer die Kehrseite der Medaille auf den Punkt.

Seit der Legalisierung von Tötung auf Verlangen und assistiertem Suizid in Belgien im Jahr 2002 stiegen die Fallzahlen kontinuierlich an. Wären es 2004 noch 349 Tote gewesen, sind es im Jahr 2018 laut offizieller Sterbehilfestatistik bereits 2.357 Tote gewesen. Die meisten Patienten waren dabei zwischen 60 und 89 Jahre alt. (TSG)

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