
Auf dem Weg zur „familienfreundlichen Pfarre“
IEF, 10.12.2025 – Familienfreundlichkeit meint nicht nur mehr Angebote für Familien, sondern echte Zugehörigkeit.
In vielen Pfarren wird beklagt, dass nur wenige Ministrantinnen und Ministranten, Kinder und Jugendliche am kirchlichen Leben teilnehmen. Nicht selten schwingt dabei – manchmal auch unausgesprochen – der Vorwurf mit, die Eltern trügen dafür die Verantwortung. Diese Sichtweise ist aus der Perspektive engagierter Mitarbeitender verständlich; ob sie der Lebensrealität von Familien tatsächlich gerecht wird, steht jedoch auf einem anderen Blatt.
An diesem Punkt setzt der Entwicklungsprozess zur „familienfreundlichen Pfarre“ an. Vorweg ist festzuhalten: Jede Pfarre verfügt bereits über familienpastorale Elemente. Zumindest in der Sakramentenvorbereitung wird versucht, Kinder und Eltern anzusprechen und einzubeziehen. Gerade hier entstehen jedoch häufig Enttäuschungen und Frustrationen, da die Erwartungen der Mitarbeitenden und jene der Eltern teils deutlich auseinandergehen.
Der strukturierte Prozess hin zu einer familienfreundlichen Pfarre lädt dazu ein, bestehende Gemeinschaft(en), Angebote und Bemühungen bewusst in den Blick zu nehmen und die Kirche vor Ort durch eine verstärkte Aufmerksamkeit für Familien zu stärken. Ziel ist eine Belebung der Pfarrgemeinde, indem Familien und familienbezogene Aktivitäten in den Mittelpunkt gerückt werden. Dabei geht es nicht primär um völlig Neues, sondern um das Wahrnehmen, Wertschätzen und Weiterentwickeln des bereits Vorhandenen. Schätze und Potenziale sollen sichtbar gemacht und – auch durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Gruppen und Personen aus dem Pfarrgebiet – fruchtbar werden.
Familienfreundlichkeit verbindet sich in diesem Prozess mit grundlegenden Elementen einer gelebten Willkommenskultur. Es geht darum, Räume, Orte und Zeiten der Begegnung mit Menschen und mit Gott zu eröffnen. Pfarrliche Gebäude sollen als Orte verstanden werden, an denen Familien Entfaltungs- und Begegnungsmöglichkeiten finden. Da jede Pfarre von unterschiedlichen Rahmenbedingungen, Menschen und Begabungen geprägt ist, braucht es dafür jeweils einen maßgeschneiderten Weg.
Kürzlich hat ein Kurs für zukünftige Begleiterinnen und Begleiter dieses Prozesses begonnen. Ein zentraler Erfolgsfaktor, der dabei besonders hervorgehoben wurde, ist die Bildung eines tragfähigen Teams. Entscheidend ist:
- dass Pfarrleitung und Pfarrgemeinderat dem Projekt positiv gegenüberstehen und es an wichtigen Stellen mittragen – auch wenn sie nicht in allen Phasen aktiv mitarbeiten,
- dass gezielt Einrichtungen und Organisationen vor Ort angesprochen werden, die sich für Familien engagieren möchten, und für eine Mitarbeit gewonnen werden,
- dass Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Umfeld der Pfarre (vom Wirten bis zur Dorfärztin, vom Wirtschaftstreibenden bis zur Kindergartenpädagogin) einbezogen werden und ihre Perspektiven und Ressourcen einbringen können.
Mehr Informationen unter www.ief.at/die-familienfreundliche-pfarre
Wenn Sie Interesse haben, diesen Prozess in Ihre eigene Pfarre zu holen oder ihn in einer anderen Pfarre zu begleiten, wenden Sie sich gerne an
Mag. Markus Mucha, Institut für Ehe und Familie
markus.mucha@ief.at



