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AT / Sexualerziehung: Neuer Schlagabtausch um Vorwürfe der Homophobie

IEF, 29.5.2020 – Entwicklungspsychologe Hoffmann und Psychiater Bonelli kontern Homophobie-Vorwürfen des Standards.

In einem Standard-Artikel vom 27.5.2020 unter dem Titel „Homofeindlichkeit – Christliche Sexualpädagogik und ihre Netzwerke“ werfen die Journalistinnen Brigitte Theißl und Beate Hausbichler namentlich dem Entwicklungspsychologen Markus Hoffmann und dem Psychiater Raphael Bonelli vor, unter Ausnutzung „erzkonservativer“ Netzwerke dazu beizutragen, dass Homophobie weiterhin an Schulen, auf Youtube und in Vorträgen verbreitet werden kann.

Hoffmann und die wissenschaftliche Suche nach einem Verstehen von Sexualität

Markus Hoffmann reagierte sogleich mit einer ausführlichen Stellungnahme auf den Standard-Artikel. Er hält darin fest, dass das von ihm gegründete Institut idisb e.V. sich tatsächlich in die Entwicklung des in der Hochschule Heiligenkreuz angebotenen Studienlehrgangs „Leib – Bindung – Identität“ eingebracht habe. Das Institut arbeite dort mit unterschiedlichen Fachwissenschaftlern aus dem Bereich Entwicklungspsychologie, Sexualwissenschaft, Soziologie, Bildungswissenschaft und Pädagogik, Philosophie und Theologie zusammen und sei damit eine unter vielen Stimme im wissenschaftlichen Diskurs.

Bezüglich des Vorwurfes der Homophobie und dem Betreiben von Konversionstherapien reagiert Hoffmann mit einer klaren Absage. Das Institut habe sich ursprünglich sogar als Reaktion auf Konversionsbehandlungen, die die Mitglieder der Gruppe selbst erlitten hatten, gegründet. Es sei richtig, dass Markus Hoffmann und sein Institut aufgrund des Themas „Veränderung von Homosexualität“ und „Therapie“ massiven Anfeindungen der LGBT Bewegung ausgesetzt waren. Nachdem sich das Institut idisb e.V. mit einem eigenen Gesetzentwurf für das Verbot von Konversionstherapien in Deutschland eingesetzt hatte und seit Jahren klarstelle, dass im Institut keine Konversionsbehandlungen durchgeführt werden, gehöre die Kritik, wie es die Standard-Autorinnen richtig formulieren würden, jedoch der Vergangenheit an.

Was Hoffmanns Institut auszeichne, sei vielmehr die Suche nach einem Verstehen von Sexualität. Auch der Studiengang „Leib – Bindung – Identität“, an dem sich das Institut beteilige, sei weit davon entfernt eine bestimmte Sicht auf Sexualität und Geschlechtlichkeit durchsetzen zu wollen. Das Ziel sei es, den Lernenden alle möglichen wissenschaftlichen Inhalte zu verschiedenen Themen zum Selbstumgang zur Verfügung zu stellen, wobei man in Bezug auf die Inhalte streng wissenschaftliche Kriterien anwende und keine bloßen Meinungen oder ideologisch verkürzten Ansätze vermittle.

Abschließend lädt Hoffmann die Journalistinnen in seiner Stellungnahme zu einem fachlichen Austausch ein, hält jedoch gleichzeitig fest, dass ein solcher nur gelingen könne, wenn die Gesprächspartner darauf verzichten, Vorstellungen auf das Gegenüber zu projizieren und die Bereitschaft zum Hören mitbringen. Denn weder die Arbeit des Instituts idisb e.V., noch der Studienlehrgang „Leib – Bindung – Identität“ könne auf einige wenige Begriffe und Etiketten reduziert verstanden werden, so Hoffmann abschließend.

Raphael Bonelli wehrt sich gegen manipulative Vorwürfe

Auch Raphael Bonelli ging seinerseits in einer Youtube-Botschaft konkret auf den Artikel ein, verwehrte sich vehement gegen den Vorwurf der Homophobie und forderte die Journalistinnen zur Klarstellung auf. Wörtlich fragt er: „Warum formulieren Sie eine angebliche Homophobie so indirekt, dass ich das nicht klagen kann, obwohl Sie ganz klar meinen Ruf schädigen? Das frage ich Sie in aller Öffentlichkeit und ich erwarte eine Antwort.“

Tatsächlich gewinnt man nach einer Zusammenschau des Artikels und der Antwort von Bonelli den Eindruck von Manipulation und Klärungsbedarf, meint dazu Dr. Stephanie Merckens. So zitieren die Journalistinnen etwa von der Website Bonellis, dass dessen „Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ sich zwar als unabhängig von religiöser oder weltanschaulicher Ausrichtung bezeichne, Bonellis Positionen aber nicht in diese Kategorien passen würden. Völlig offen bleibe aber, welche Positionen Bonellis die Journalistinnen meinen.

Erklärungsbedarf gibt es auch hinsichtlich der selektiven Anführung von Vorträgen, Publikationen und freundschaftlichen Verbindungen Bonellis zu religiösen Menschen, Vereinen und Institutionen. Mangels anderweitig angeführter Argumente gewinnt man tatsächlich den Eindruck, dass die Journalistinnen durch diese selektive Wiedergabe bewusst Bonellis Ruf schädigen wollten, weil sie damit die Ausgewogenheit seiner Beiträge in Frage stellen, so Merckens weiter.

Hoffmanns und Bonellis Replik seien nach Ansicht Merckens‘ ein gutes Beispiel, wie unterschwellig Rufschädigung praktiziert werde. Sie zeigen zudem, wie schwer es falle, sich gegen den Vorwurf der Homophobie zu wehren, insbesondere da Homophobie oft als unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen definiert wird, was einen Gegenbeweis fast verunmögliche.

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