Social Egg Freezing
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AT / Reproduktionsmedizin: Social Egg Freezing weckt falsche Hoffnungen

IEF, 26.05.2023 – Viele Frauen verschieben ihren Kinderwunsch auf später. Das Einfrieren der Eizellen soll die biologische Uhr austricksen. Funktioniert das?

Politisch wird in Österreich in letzter Zeit die Möglichkeit des Social Egg Freezings, der Entnahme und des Einfrierens von Eizellen zum Zwecke einer späteren Befruchtung ohne medizinische Indikation, diskutiert. So haben die NEOS am 29. März einen Entschließungsantrag eingebracht, in dem sie eine Reform des Fortpflanzungsmedizingesetztes (FMedG) fordern. Nach der jetzigen Rechtslage ist die Kryokonservierung von Eizellen nur bei Vorliegen eines medizinischen Grundes, wie etwa vor einer Krebsbehandlung, erlaubt.

NEOS wollen dem demografischen Wandel mit Social Egg Freezing und künstlicher Befruchtung entgegenwirken

Der Entschließungsantrag der NEOS argumentiert damit, dass Frauen oft lange auf eine Diagnose bei einem unerfüllten Kinderwunsch warten müssten und in dieser Zeit „Eizellen, die zu einem späteren Zeitpunkt höhere Chancen auf ein positives Ergebnis einer künstlichen Befruchtung hätten“, verlieren würden. Als weitere Gründe nennen die NEOS-Abgeordneten den gesellschaftlichen Wandel, mit dem Anstieg des Erstgeburtsalters bei Frauen, der weitverbreiteten Einstellung „Karriere zuerst und Familie später“, dem demografischen Wandel und der stagnierenden Geburtenrate. Der Entschließungsantrag beruft sich zudem auf den Frauengesundheitsbericht 2022, wonach „in Langzeitstudien nur fünf Prozent der Frauen angeben, keinen Kinderwunsch zu haben“.  20 Prozent dieser Frauen blieben dennoch kinderlos. Außerdem würde eine Legalisierung des Social Egg Freezings den Staat ökonomisch entlasten, indem Frauen nicht auf die „(subventionierte) Notwendigkeit von künstlicher Befruchtung anzuweisen“ wären.

Aktion Leben: „Eizellen einfrieren löst Grundproblem nicht“

Doch das Einfrieren von Eizellen macht gezwungenermaßen eine künstliche Befruchtung zur Erfüllung des Kinderwunsches notwendig und weist trotz des Einsatzes von gesunden und fruchtbaren Eizellen eine geringe Erfolgsrate auf. Aktion Leben quittiert die Idee des Social Egg Freezings in einer jüngsten Presseaussendung daher folgendermaßen: „Social Egg Freezing ist ein gutes Geschäft, das Frauen mit Geld und oft auch mit enttäuschten Hoffnungen bezahlen“. Denn internationale Studien weisen darauf hin, dass nur ein geringer Prozentsatz von Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, diese später auch nützen würden bzw. noch weniger Frauen bekämen tatsächlich auch ein Kind. Die Lebensumstände, die Frauen davon abhalten bereits in jüngeren Jahren ein Kind zu bekommen, würden sich mit zunehmendem Alter nämlich oft nicht entscheidend verändern und die Risiken einer späten Schwangerschaft würden dazukommen.

Risiken und niedrige Baby-Take-home-Raten

Zu den Risiken einer Schwangerschaft ab dem 35. Lebensjahr würden beispielsweise Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie, Kaiserschnitt und die Frühgeburt eines Babys mit niedrigem Geburtsgewicht gehören. Dazu kämen die gesundheitlichen Risiken der In-Vitro-Fertilisation – denn die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen führt nur über die künstliche Befruchtung zu einer potenziellen Realisierung des späteren Kinderwunsches. Es sei daher eine Irreführung, den Frauen zu suggerieren, sie könnten mit Social Egg Freezing in späteren Jahren problemlos ihren Kinderwunsch verwirklichen.

Medizinische Mittel für gesellschaftliche Versäumnisse

Mit der Möglichkeit des Social Egg Freezing will man gesellschaftliche Probleme und Versäumnisse mit medizinischen Mitteln lösen. Das funktioniert jedoch nicht.  „Wir sollten uns fragen, warum es für viele Frauen nicht möglich ist, in ihren fruchtbaren Jahren Kinder zu bekommen und warum so viele junge Männer den Schritt zur Vaterschaft scheuen“, so Martina Kronthaler, Generalsekretärin von Aktion Leben Österreich. Es brauche mehr Information und Aufklärung über Fruchtbarkeit, was sie fördere und wie begrenzt die Zeit für junge Menschen eigentlich sei, „um ihren Kinderwunsch möglichst auf natürlichem, risikoarmem Weg zu verwirklichen“.

In Österreich braucht es mehr Transparenz, Aufklärung und Information

Aktion Leben weist in ihrer Aussendung außerdem auf eine markante Zunahme an kryokonservierten Eizellen seit 2018 in Österreich hin. Waren es im Jahr 2017 noch 1.397 Eizellen, seien im Jahr 2021 ein Vielfaches davon, nämlich 6.346 Eizellen tiefgefroren worden. Es sei zumindest zu hinterfragen, ob dieser Anstieg allein auf medizinische Gründe zurückzuführen sei. Aktion Leben fordert daher „mehr Transparenz im Sinne umfassender Aufklärung und Informationen, ob und wie tiefgefrorene Eizellen weiter genutzt werden und zu wie vielen Geburten es kommt“. (AH)

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