Sterbehilfe Österreich
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AT / Lebensende: Wie stehen die Österreicher wirklich zur „Sterbehilfe“?

IEF, 13.09.2021 – Jüngste Studie fragt nur noch nach dem „wie“ des assistierten Suizids.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INTEGRAL, die von der Österreichischen Gesellschaft für ein Humanes Lebensende (ÖGHL) beauftragt wurde, einer Studie des Ludwig Boltzmann Institute (LBI) und zuletzt des Meinungsforschungsinstituts FOCUS Austria (das IEF hat berichtet), will nun eine weitere Studie im Auftrag des Vereins „Letzte Hilfe“ wissen, wie Österreicher zur „Sterbehilfe“ stehen. Die Palette der möglichen Meinungen wird damit immer größer. Die Palette der Fragestellungen auch.

Laut jüngster Studie will eine Mehrheit der Befürworter auch die Tötung auf Verlangen

Die letzte – Ende August durchgeführte Studie – wurde, wie auch schon die INTEGRAL-Studie, von einem Verein in Auftrag gegeben, der sich für die Legalisierung des assistierten Suizids und der Tötung auf Verlangen einsetzt. Durchgeführt wurde sie vom Gallup Institut, das 1000 Personen repräsentativ für die (webaktive) österreichische Bevölkerung im Alter ab 16 Jahren befragte. Die Umfrageergebnisse wurden dem IEF vom beauftragenden Verein „Letzte Hilfe – Verein für selbstbestimmtes Sterben“ zur Verfügung gestellt.

Suizidbeihilfe: Fragen nach dem wie – nicht nach dem ob

Konkret ging es nicht mehr um die Frage, ob Suizidbeihilfe befürwortet wird, sondern nur noch, wer sie in Anspruch nehmen können soll. Dabei sollen sich 47% der Studienteilnehmer dafür ausgesprochen haben, dass „sämtliche Hilfesuchende mit unerträglichen Schmerzen oder einer schweren und unheilbaren Krankheit bzw. Beeinträchtigung“ Zugang zum assistierten Suizid haben sollten. 23% sollen Beihilfe zum Suizid „ausschließlich für todkranke Hilfesuchende mit einer sehr kurzen Lebenserwartung“ befürwortet haben und 11% für alle „Hilfesuchenden ungeachtet des medizinischen Zustandes“. Die große Mehrheit (74%) sei laut der Studie der Meinung, dass die Beihilfe zum Suizid durch Ärzte erfolgen soll. 62% hätten sich außerdem „in besonderen Fällen, wie z.B. bei kompletter Lähmung des Hilfesuchenden, und unter strengen Auflagen“ für eine Legalisierung der Tötung auf Verlangen ausgesprochen. Die Hälfte der Befragten soll auch angegeben haben „unter bestimmten Umständen für sich den assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen in Anspruch nehmen“ zu wollen. Schließlich wurde noch gefragt, wer bestimmen darf, „welche Formen der Sterbehilfe unter welchen Voraussetzungen in Österreich erlaubt sind“. Hier sollen 56% der Befragten gefordert haben, dass „die Bevölkerung per Volksabstimmung oder das Parlament nach einer Volksbefragung“ über eine künftige Regelung entscheiden soll.

Studienergebnisse variieren je nach Auftraggeber

Im Vergleich dazu sollen laut der vorletzten Umfrage (Focus Austria) lediglich 35% der Österreicher die Möglichkeit des assistierten Suizids und bloß 31% die Tötung auf Verlangen befürwortet haben. Wie kommt es zu solchen Diskrepanzen?

Einerseits scheint die Beauftragung einer Studie Einfluss auf deren Ergebnis zu haben. Die höchste Zustimmung für Beihilfe zum Suizid und Tötung auf Verlangen ging jeweils aus den Studien, die von der Österreichischen Gesellschaft für ein Humanes Lebensende (ÖGHL) und dem „Letzte Hilfe- Verein für selbstbestimmtes Sterben“ in Auftrag gegeben wurden, hervor. Das man hier subtil mit der Fragestellung Einfluss auf die Befragten ausüben kann, liege auf der Hand, so Dr. Stephanie Merckens, Leiterin der Politikabteilung am Institut für Ehe und Familie (IEF) mit Verweis auf die Kritik, die bereits nach der Veröffentlichung der ersten ÖGHL-Studienergebnisse laut wurde (das IEF hat berichtet).

Und dann komme es natürlich auf die Vermarktung an. Laut Merckens sei es durchaus irreführend, die jüngste Gallup-Studie als Antwort auf die Frage „Wie stehen Sie zur ‚Sterbehilfe‘“ zu präsentieren. Denn diese Frage wurde laut den dem IEF vorliegenden Fragen gar nicht gestellt. Vielmehr wurden die Österreicher vor die durch die VfGH-Entscheidung bewirkten vollendeten Tatsachen gestellt, dass „Sterbehilfe“ in Form des assistierten Suizids in irgendeiner Form ab dem kommenden Jahr erlaubt sein werde. Gefragt wurde sodann nur noch, wer assistierten Suizid in Anspruch nehmen soll und ob Tötung auf Verlangen etwa für Menschen, die immobil sind, möglich sein soll.

Umso kritischer sei es daher laut Merckens, dass die beiden von „Sterbehilfe“-Befürwortern in Auftrag gegebenen und entsprechende Ergebnisse liefernden Studien gleich von vielen Journalisten und Medien aufgegriffen wurden. Ganz im Unterschied zu jenen, die eine geringere Befürwortung der österreichischen Bevölkerung zu „Sterbehilfe“ deklarierten. (AH)

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