AT / Familie: Sonntagsöffnung kommt nicht in Frage

IEF, 21.06.2021 – Die NEOS stoßen mit ihrem Antrag, die Ladenöffnungszeiten auf Sonntag auszuweiten, nicht nur beim Katholischen Familienverband auf scharfe Kritik.

Der von den NEOS am 16. Juni im Parlament eingebrachte Antrag auf „flexible Öffnungszeiten auf freiwilliger Basis“ solle zahlreiche Vorteile sowohl für Arbeitnehmer, als auch Unternehmer, den Arbeitsmarkt und den Tourismus bieten, wie die NEOS ihre Anfrage im Parlament argumentierten. Anders sehen das etwa der Katholische Familienverband (KFV) und die Katholische Arbeitnehmerbewegung Österreich (KABÖ), die beide Mitglieder der Allianz für den freien Sonntag Österreich sind und sich seit Jahren gemeinsam mit Gewerkschaften, Arbeiterkammer, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Vereinen für den arbeitsfreien Sonntag stark machen.

Vereinbarkeitsprobleme

Es sei „zynisch und auf dem Rücken der Eltern und Arbeitnehmer“, sagt etwa Alfred Trendl, der Präsident des KFV. Besonders in und nach der Pandemie sei Erholung gefordert und keine „Wochen ohne Ende“. Die angesprochene Freiwilligkeit beziehe sich zudem nur auf Unternehmer, während Eltern und Angestellte außen vor gelassen würden, so der KFV-Präsident. Wenn am Sonntag, der für viele Familien oft der einzige fixe gemeinsame freie Tag sei, gearbeitet werden müsse, würde das für viele Familien in weiterer Folge dazu führen, dass am Sonntag die Kinder betreut würden, während Mama und Papa arbeiteten. „Dafür hat die Mutter dann am Mittwoch frei, der Vater am Donnerstag und während dieser Zeit ist das Kind selbstverständlich in der Schule“, erläutert Trendl die drohenden Auswirkungen einer solchen Lockerung auf ein gemeinsames Familienleben. Trendl fordert, dass es in einem Land wie Österreich nicht nur um Quantität gehe, sondern vor allem um Lebensqualität und nicht alles dem Diktat der Wirtschaft untergeordnet werden dürfe, insbesondere nicht die ohnehin spärlich vorhandene Qualitätszeit der Eltern mit ihren Kindern.

Angriff auf verlässliche gemeinsame Zeit   

Eindringlich vor einer Sonntagsöffnung warnt auch die Bundesvorsitzende der KABÖ, Anna Wall-Strasser. „Wir brauchen gemeinsame freie Zeit für Familie, Vereine, Glaubensgemeinschaften und Ehrenamt“, so Wall-Strasser. Arbeiten an den Tagesrändern und am Sonntag zerstöre nur Familien- und Freundschaftsbeziehungen und verhindere gesamtgesellschaftliche Rhythmen der Pausen und der Erholung. Außerdem würde die Sonntagsöffnung zu einer Stärkung der großen Ketten zulasten der kleinen Geschäfte und Familienbetriebe führen, wie zahlreiche Studien gezeigt hätten. In der „Freiwilligkeit“ sehe Wall-Strasser nur eine reine Farce. „Die ohnehin oft prekär Beschäftigten, davon mehrheitlich Frauen, brauchen Planungssicherheit und nicht eine zusätzliche Belastung nach der ohnehin schwierigen Zeit während der Lockdowns in der Coronapandemie“, so die Bundesvorsitzende des KABÖ. Die bereits bestehenden Ausnahmen in bestimmten Tourismuszonen seien daher ausreichend und bedürften keiner Ausweitung, meldete sich auch der Bundesvorstand der KABÖ zu Wort.

Gemeinsames Innehalten benötigt

Unterstützung bekommen die katholischen Organisationen auch von evangelischer Seite. Der evangelische Superintendent Matthias Geist sehe zunehmend überforderte Menschen. „Eine Forderung nach „immer mehr“ im Konsumverhalten entspricht weder einer nötigen Nachhaltigkeit im Lebensvollzug noch dem Recht auf Bildung, Familie und Freizeit. Unsere Gesellschaft benötigt ein gemeinsames Innehalten“, so Geist. (TS)

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