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AT / Familie: Faktoren, die einen feinfühligen Vater ausmachen

IEF, 20.11.2023 – Eine neue Studie beschäftigte sich mit der Vaterrolle und mit Faktoren, die Väter zu feinfühligen Bezugspersonen machen.

„Aktuelle Forschung zeigt, dass sich eine feinfühlige Erziehung positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirkt und liefert erste Hinweise darauf, wie elterliche Feinfühligkeit zustande kommt“, so die Entwicklungsforscherin Antonia Dinzinger vom Institut für Early Life Care der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Da es allerdings bislang lediglich Studien gab, die die Beziehung zwischen Müttern und ihren Babys untersuchten, sei es an der Zeit gewesen, herauszufinden, was unter einem feinfühligen Vater zu verstehen sei, so Dinzinger mit dem Hinweis darauf, dass Väter einen immer größeren Platz im Leben ihrer Kinder einnehmen würden (lesen Sie zur zunehmenden Väterbeteiligung auch einen Artikel des IEF). Eine kürzlich veröffentlichte Studie mit dem Namen „Was macht einen Vater zu einem feinfühligen Vater?“ unter der Leitung von Dinzinger hat aus diesem Grund die Väter ins Rampenlicht gerückt.

Fokus auf Bindungsrepräsentation und Mentalisierungsfähigkeit

Im Rahmen der Studie wurden 40 Väter zwischen 21 und 52 Jahren und deren erstes Kind von der Schwangerschaft bis zum sechsten Monat begleitet. Der Fokus der Untersuchung lag dabei auf der Bedeutung der Bindungsrepräsentation und der sogenannten Mentalisierungsfähigkeit der Väter als Einflussfaktoren auf die Feinfühligkeit. Unter Bindungsrepräsentation versteht man die inneren Vorstellungen, die Menschen im Laufe ihres Lebens, insbesondere am Anfang des Lebens, über Beziehungen und Bindungen entwickeln und die Auswirkungen auf die eigenen Emotionen und Wahrnehmungen im Zusammenhang mit Beziehungen haben. „Mentalisieren beschreibt die elterliche Fähigkeit, sowohl über eigene Gedanken, Gefühle, Ziele und Wünsche als auch über die von anderen – beispielweise des Kindes – nachdenken zu können. Das ermöglicht Eltern, feinfühlig auf die Gefühle und Bedürfnisse ihres Kindes zu reagieren. Mentalisieren lernt man in der Regel bereits während der eigenen Kindheit in der Interaktion mit den Eltern oder weiteren Bezugspersonen“, so Danzinger. Bindungsrepräsentationen entstünden aus der Verarbeitung von Erfahrungen aus der eigenen Kindheit mit Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen.

„Zunächst haben wir im letzten Trimester der Schwangerschaft die generelle Mentalisierungsfähigkeit und die Bindungsrepräsentation der Väter erhoben, bei einem zweiten Testzeitpunkt sechs Monate nach der Geburt ihre Mentalisierungsfähigkeit in Bezug auf ihr Kind. Zudem haben wir die Väter beim Spielen mit ihren Babys beobachtet und die Feinfühligkeit in der Vater-Kind-Interaktion gemessen“, so die Studienautorin.

Mentalisieren kann gelernt werden

Die Untersuchungen ergaben drei wesentliche Erkenntnisse: Einerseits spielt die Bindungsrepräsentation insofern eine wichtige Rolle, als Väter feinfühliger mit den eigenen Kindern umgehen, wenn sie eigene Bindungserfahrungen sicher repräsentiert haben. Außerdem steht eine höhere Mentalisierungsfähigkeit der Väter in Zusammenhang mit einer feinfühligeren Interaktion zwischen den Vätern und ihren Kindern. Schließlich vermittelt die Mentalisierungsfähigkeit den Zusammenhang zwischen der Bindungsrepräsentation und der Feinfühligkeit des Vaters.  „Das bedeutet: die Bindungsrepräsentation des Vaters wirkt sich zwar auf seine Fähigkeit zu mentalisieren aus, allerdings beeinflusst erst die Mentalisierungsfähigkeit an sich, wie feinfühlig ein Vater mit seinem Kind umgeht. Feinfühligkeit von Vätern hängt somit nicht nur von deren eigenen Bindungs- und Beziehungserfahrungen ab, sondern vor allem von ihrer Fähigkeit zu Mentalisieren. Die gute Nachricht: Diese Fähigkeit kann gezielt auch im Erwachsenenalter erlernt und trainiert werden, beispielsweise im Rahmen einer therapeutischen Begleitung bereits während der Schwangerschaft“, so Dinzinger.

Online-Umfrage zu Perspektiven von Vätern

Auch der Österreichische Familienbund weiß um die als immer wichtiger wahrgenommene Rolle der Väter in der Familie Bescheid und arbeitet laufend an der Stärkung der Väterbeteiligung in der Familienarbeit. Dazu wurden bereits einige Studien („Väterbeteiligung – Kein Orchideenthema mehr“ und „Väter im Hürdenlauf“) publiziert und der 1. September zum „Tag der aktiven Väter“ erklärt. “Wir setzen unsere Bemühungen fort und möchten herausfinden, inwieweit sich die Situation seit 2017 verändert hat. Väter in der Erziehungsarbeit sind längst kein Orchideenthema mehr, aber es gibt noch viel zu tun, um flächendeckend Partnerschaftlichkeit zu ermöglichen. Unser Ziel ist eine faire Aufteilung der Familienarbeit, die es Eltern ermöglicht, sowohl ihren familiären Verpflichtungen als auch ihrer beruflichen Karriere gerecht zu werden – und zwar in der Art und Weise, die für ihre Familie am besten geeignet ist, ohne Werturteile”, unterstreicht Familienbund-Präsident Bernhard Baier. In diesem Sinne ruft der Familienbund alle Männer und Väter dazu auf, an einer Online-Umfrage zur partnerschaftlichen Elternschaft und der Rolle als Vater teilzunehmen. (TS)

>> Hier kommen Sie zur Umfrage.

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