AT / Familie: Aus Mutter-Kind-Pass wird Eltern-Kind-Pass

IEF, 17.06.2021 – Auch die vorgesehenen und verpflichtenden Maßnahmen werden durch den Eltern-Kind-Pass weiter ausgebaut und bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres verlängert.

Väter mitverantwortlich für Gesundheitsvorsorge

Väter sollen – geht es nach dem Entschließungsantrag, der letzten Woche im Parlament mit großer Mehrheit angenommen wurde – künftig mehr in die Gesundheitsvorsorge ihrer Kinder mit eingebunden werden. Die Regierungsparteien haben sich im Regierungsübereinkommen auf die Weiterentwicklung des Mutter-Kind-Passes zum Eltern-Kind-Pass bis zum 18. Lebensjahr und auf die Aufnahme von standardisierten und qualitätsgesicherten Screenings zur psychischen Gesundheit, Ernährung, der Schaffung von Therapieoptionen sowie bessere Informationen und Beratung über Impfungen geeinigt. Bis dato sind im Pass laufende Vorsorgeuntersuchungen sowie der Impfplan für die Zeit der Schwangerschaft bis zum fünften Lebensjahr des Kindes vorgesehen.

Eltern-Kind-Pass soll Chancengleichheit schaffen

Der 1974 eingeführte Mutter-Kind-Pass sei zwar laufend angepasst worden, doch seien die in den letzten zehn Jahren erarbeitete Grundlagen zur Weiterentwicklung im Sinne eines modernen evidenzbasierten und bio-psycho-sozialen Ansatzes bislang noch nicht vollständig umgesetzt worden. „Schon der Mutter-Kind-Pass war ein großer Erfolg. In den letzten Jahrzehnten haben wir Fortschritte erzielt, welche nun die Grundlage für eine Weiterentwicklung hin zum Eltern-Kind-Pass bilden.“ so der Familiensprecher der ÖVP Norbert Sieber in einer Aussendung. Das Einfließen der Erkenntnisse der letzten Jahre solle dazu dienen, „eine Chancengleichheit von Kindern unabhängig ihrer Herkunft zu schaffen“, so Sieber.

„Eingestaubte Klischees und Rollenbilder“

Dass das Wort „Mutter“ künftig durch „Eltern“ ersetzt wird, geht auf einen Antrag der NEOS zurück, um die essenzielle Rolle des zweiten Elternteils in den ersten Jahren nach der Geburt zum Ausdruck zu bringen, wie NEOS-Mandatar Michael Bernhard betonte. Obwohl die “Hauptverantwortung in der Schwangerschaft bei den Müttern liege”, spiele der zweite Elternteil in dieser Zeit und auch nach der Geburt eine wesentliche Rolle. „Es muss also unser Ziel sein, alle (sic!) Elternteile hier weiter einzubinden und zu integrieren. Wir müssen den eingestaubten Rollenbildern und Klischees mit zukunftsgerichteter Politik und Bewusstseinsbildung entgegentreten, um so für alle modernen Familienformen die besten Rahmenbedingungen zu bieten“, heißt es im Bericht des Familienausschusses.

Weitere Schwerpunkte der Parteien

Im Familienausschuss thematisierten die Fraktionen der Opposition in ihren Anträgen auch noch die Frage der Unterstützung von Familien vor dem Hintergrund der Belastungen der COVID-19-Pandemie. So forderte die SPÖ etwa eine zusätzliche halbjährliche Auszahlung der Familienbeihilfe. SPÖ wie NEOS traten für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ein. Die FPÖ will eine verpflichtende statistische Erfassung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Vermeidung von Härtefällen beim Bezug des Familienbonus Plus. FPÖ und NEOS wollen zudem Anpassungen im Kinderbetreuungsgeld. Die SPÖ fordert ein Angebot von Beratungsstellen für LGBTIQ-Jugendliche in ganz Österreich. Zwei Anträge der SPÖ wurden abgelehnt. Sie betreffen die Forderung nach mehr Budget für die Familienberatungsstellen sowie eine bundeseinheitliche Regelung des Kinderschutzes. Die Ablehnung der Erhöhung des Budgets für Familienberatungsstellen erfolgte unter Hinweis auf die im Maßnahmenpaket zum Gewaltschutzpaket bereits vorgesehene finanzielle Aufstockungdas IEF hat berichtet. (KL)

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