Kinderkostenanalyse
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AT / Familie: Aktuelle Zahlen – So viel kostet ein Kind

IEF, 13.01.2022 – Erstmals seit 1964 wurde Mitte Dezember eine aktuelle Kinderkostenanalyse veröffentlicht.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz hat die Statistik Austria eine aktuelle Kinderkostenanalyse durchgeführt. Mit der Durchführung der Studie, in der die direkten Kosten für Kinder auf Grundlage von Konsumerhebungsdaten geschätzt wurden, sei nach Auffassung des Ministeriums ein Ziel des aktuellen Regierungsprogramms umgesetzt worden.

Kosten höher als gedacht

Die aktuelle Kinderkostenstudie zeige, heißt es auf der Website des Sozialministeriums, dass die Kosten von Kindern deutlich höher sind als bisher gedacht. Im Schnitt betragen die Kosten für ein Kind in einem Zwei-Erwachsenenhaushalt 494 Euro und in einem Ein-Erwachsenenhaushalt 900 Euro. Von der indirekten Messung umfasst sind dabei sowohl direkte Ausgaben für Kinder als auch indirekte etwa bei Bedarf nach einer größeren Wohnung. Mit zunehmendem Alter wird ein Kind „teurer“: Während für Unter-14-Jährige im Schnitt Kosten von 395 Euro anfallen, sind es bei Kindern über 14 bereits 659 Euro.

Herausforderung: Lebensstandard halten

Darüber hinaus würden die Studienergebnisse verdeutlichen, über wie viel mehr an finanziellen Mitteln ein Haushalt mit Kindern im Vergleich zu einem kinderlosen Haushalt verfügen müsste, um denselben Lebensstandard zu erreichen. Ein Zwei-Erwachsenen-Haushalt bräuchte bei einem Kind um 11 Prozent mehr Einkommen, bei zwei Kindern um 23 Prozent.

Alleinerziehende haben es auch finanziell härter

Anders als in der Studie aus den 1960er Jahren, wurde dieses Mal nicht nur die finanzielle Situation einer „Normfamilie“ (Mutter, Vater, zwei Kinder) beleuchtet, sondern auch jene von Alleinerziehenden. Diese komme ein Kind im Vergleich deutlich teurer, vor allem wegen der bei geringer Haushaltsgröße höheren Fixkosten, aber auch weil Alleinerziehende im Schnitt ältere Kinder haben, die entsprechend mehr Kosten erzeugen, fassen die Salzburger Nachrichten ein Ergebnis der Analyse zusammen.

Gegenüberstellung: Finanzielle Unterstützung für Familien

Ergänzend zur Kinderkostenanalyse wurde das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) mit der Berechnung der monetären Familienleistungen für unterschiedliche Haushaltskonstellationen beauftragt. Hier zeigen die Ergebnisse, dass die monetären Familienleistungen die Kinderkosten zum Teil abdecken: Insgesamt betragen die durchschnittlichen Familienleistungen je Kind und Monat in Haushalten mit Kindern 328 Euro. Die direkten, vorwiegend einkommensunabhängigen Geldleistungen (wie die Familienbeihilfe) belaufen sich auf 210 Euro, die Steuererleichterungen für Familien auf 118 Euro. Mit den beiden Studien ist es möglich, die Kosten von Kindern und die ihnen gegenüberstehenden Transferleistungen direkt zu vergleichen.

Dass die tatsächliche finanzielle Belastung von Familien mit Kindern in einer aktuellen Studie erfasst wurde, rief hauptsächlich positive Reaktionen hervor – speziell da die letztgültige Konsumerhebung aus dem Jahr 1964 nach wie vor Grundlage für die Höhe von Transferleistungen (etwa Unterhaltszahlungen) gewesen war, die Werte wurden dafür nur jährlich auf Basis des Verbraucherpreisindexes valorisiert.

Caritas: Studie erklärt hohe Zahl armutsgefährdeter Kinder

Caritas-Generalsekretärin Anna Parr betonte in einer Aussendung, dass die Neuberechnung von Kinderkosten zeige, wie dramatisch die „klaffende Lücke zwischen Kinderkosten und Familienleistungen“ ist und ein „dringender Handlungsauftrag“ sei. Die Caritas habe in der Vergangenheit immer wieder auf die Wichtigkeit valider Antworten auf die Frage „Was kostet ein Kind“ hingewiesen. Dies sei ein „wesentlicher Faktor“ bei der Berechnung von Familienleistungen wie der Familienbeihilfe, von Richtsätzen für Kinder in der Mindestsicherung und auch Unterhaltszahlungen. „Die hohe Zahl armutsgefährdeter Kinder in Österreich ließ uns schon bisher annehmen, dass die realen Kosten, die für Kinder anfallen, viel höher sind, als die bisher als Grundlage herangezogenen Zahlen“, so Parr. Das würde nun durch die Studie endlich “schwarz auf weiß“ belegt.

Katholischer Familienverband: Ergebnisse nur bedingt aussagekräftig

Erfreulich sei zwar, dass mit der vom Sozialministerium vorgelegten Kinderkostenanalyse das Thema Kinderkosten wieder in den Fokus rücke, so Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes, da jedoch als Datengrundlage lediglich die Ergebnisse der Konsumerhebungen von 2014/15 und 2019/20 verwendet wurden, seien die Ergebnisse für ihn aber nur „bedingt aussagekräftig, weil bei der Konsumerhebung standardmäßig nicht separat abgefragt wird, welche Ausgaben allgemeiner Natur und welche kindbezogen sind“. „Die Kinderkostenanalyse, die jetzt vorliegt, ist nicht die Kinderkostenstudie, die wir als Familienorganisationen seit fünf Jahren im familienpolitischen Beirat fordern“, so Trendl. Um die Kinderkosten auf einer methodisch sicheren Grundlage erheben zu können, müssten die Ausgaben in konkreten Haushaltsbüchern erfasst und mittels Fokusgruppen neue Aufteilungsschlüssel für die Konsumerhebung gebildet werden. „Das ist aber leider nicht passiert. Und damit kann ich die allgemeine Euphorie über die vorgelegte Kinderkostenanalyse nicht teilen. “

Trendl: Familienbeihilfe an Inflation anpassen

Was aus der aktuellen Studie jedoch schon herausgelesen werden könne, sei, dass die bestehenden Familienleistungen bei weiten nicht die Kosten abdecken, die ein Kind verursacht. Trendl appelliert daher an die Politik in einem ersten Schritt den Fokus auf die Familienbeihilfe als niederschwelliges, automatisches Instrument zu legen: Vignetten, Pensionen und Parteiförderungen würden regelmäßig an die Inflation angepasst. „Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum das nicht auch für die Familienbeihilfe gelten soll“, wird der Familienverbandspräsident in der Aussendung zitiert. (KL)

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