Gewalt
Lesezeit: 2,3 Minuten

AT / Beratung: „Gewalt in der Familie – Dynamiken erkennen und Wege finden“

IEF, 21.11.2022 – Wie Beratung, Prozessbegleitung und Vernetzung bei Gewalt an Mädchen und Frauen gelingt, war Thema des IEF-Berater-Jour Fixe am 21.11.2022.

Gewalt in Beziehungen kann viele Facetten haben und muss nicht immer offensichtlich an einem „blauen Auge“ erkennbar sein. Mag. Sabine Gasser, klinische- und Gesundheitspsychologin, integrative Gestalttherapeutin und Mitarbeiterin des
24h-Frauennotrufs der Stadt Wien schilderte an diesem Vortragsabend aus Ihrer Praxiserfahrung, welche Formen Gewalt annehmen kann, wie man Dynamiken erkennt und welche Rolle Verletzungsdokumentation und Beweissicherung spielen.

Dynamiken von Gewalt

90 Prozent aller Gewalttaten an Frauen und Kindern werden in der Familie und im sozialen Nahraum verübt. Neben körperlicher oder sexualisierter Gewalt wie Schlagen, Treten, sexuelle Übergriffe oder Missbrauch spielt auch psychische Gewalt wie Erniedrigen, Drohen, Isolieren/Kontrollieren und Psychoterror eine große Rolle. Gewaltdynamiken führen häufig zur verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit. Viele Frauen fühlen sich für derartige Situationen oft selbst verantwortlich und glauben, diese aushalten zu müssen – oftmals auch für ihre Kinder. Weitere Gründe dafür können unter anderem sein: Hoffnung auf Veränderung, Beteuerungen des Gewaltausübenden, sich zu bessern, vermutete Ausweglosigkeit oder auch Angst vor der Reaktion des Gewaltausübenden.

Folgen von Gewalt

Gewalt hat meist eine traumatisierende Wirkung. Frauen fühlen sich oftmals in einem „Freeze“-Zustand, indem es ihnen nicht möglich ist, sich zu wehren oder es kommt zu einer Überflutung von Gefühlen, wie intensive Furcht, Schuld, Scham oder Ohnmacht. Deshalb ist es oft auch sehr schwierig, wenn Betroffene bei Vernehmungen, sei es bei der Polizei oder vor Gericht, die Gewaltsituationen konkret schildern sollen. Dabei kann es zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, partieller Amnesie (Gedächtnislücken), Angstzuständen, Panikattacken oder Flashbacks kommen.

Exitstrategien für Betroffene

Um aus der Gewaltspirale auszusteigen braucht es nicht nur Mut, sondern auch konkret ausgearbeitete Sicherheitspläne, die den Betroffenen höchstmöglichen Schutz gewährleisten, umfangreiche Aufklärung und Information, die Struktur und Halt gibt (rechtliche, psychologische Beratung sowie sozialarbeiterische Begleitung) sowie einen respektvollen und wertschätzenden Umgang, um wieder Vertrauen gewinnen zu können. Wesentlich dafür ist in diesem Zusammenhang auch die Begleitung der Betroffenen und deren Angehörigen durch das Strafverfahren sowie die Unterstützung bei der persönlichen Aufarbeitung.

Standardisiertes Spurensicherungsset

In sämtlichen öffentlichen Wiener Spitälern wurde ein standardisiertes Behandlungskonzept für Gewaltopfer etabliert. Im Rahmen dieses „Spurensicherungssets Wien“ arbeiten Exekutive, Gerichtsmedizin, Krankenhäuser und Opferschutzeinrichtungen zusammen, um eine einheitliche Spuren- und Beweissicherung zu gewährleisten. Mit dem Gewaltschutzgesetz 2019 wurde auch die Melde- und Anzeigepflicht für Angehörige von Gesundheitsberufen wie Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen und Psychotherapeuten vereinheitlicht und ausgeweitet.

Sämtliche Informationen zu unseren künftigen rechtlichen Fortbildungen am Institut für Ehe und Familie im Jahr 2023 finden Sie demnächst auf der Website des IEF. (DP)

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