IEF, 08.11.2018 – Österreich hat im Hinblick auf den Schutz der beteiligten Frauen und Kinder eine Altersgrenze bei der Eizellspende festgelegt. Ein Welser Arzt bekämpft diese nun und will bis zum EGMR gehen.

Gernot Tews, Leiter des Welser Kinderwunschinstituts, sieht Frauen bei künstlicher Befruchtung in Österreich diskriminiert. Einerseits sei alleinstehenden Frauen der Zugang zur künstlichen Befruchtung versagt, andererseits wären Frauen aufgrund der Altersgrenze von 45 Jahren bei der Eizellspende im Vergleich zu Männern, für die kein Höchstalter für eine Samenspende vorliegt, diskriminiert. Wie der ORF berichtet, möchte der Gynäkologe deshalb die geltenden Gesetzte beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einklagen und fordert eine Anhebung der Altersgrenze bei Frauen auf 50 und eine Begrenzung der Samenspende beim Männer auf 75 Jahre.

Als Reaktion warnt Aktion Leben in einer Pressemeldung vor erheblichen Risiken und Gefahren für die Gesundheit von Frau und Kind bei einer Schwangerschaft in höherem Alter. Hier seien unter anderem schwere Kreislaufstörungen bei der Geburt, Fruchtwasserembolie oder Nierenversagen, sowie Fälle schwerer Hypertonie zu nennen. Letztere sei etwa vor zehn Jahren gehäuft an der Uniklinik Aachen bei Schwangeren festgestellt worden. Drei Schwangerschaften seien damals wegen akuter Lebensbedrohung für die Mutter abgebrochen worden. Die Kinder hätten nicht überlebt. Diese Erkenntnisse seien dann von einer großangelegten Studie aus dem Jahr 2011 bestätigt worden. „Die Altersbeschränkung schützt Frauen, die sich sehnlich ein Kind wünschen, davor, sich und ihr Kind lebensbedrohlichen gesundheitlichen Risiken auszusetzen“, so Helene Göschka, Pressesprecherin von Aktion Leben.

Man müsste sich vielmehr darüber Gedanken machen, warum Frauen den Kinderwunsch immer weiter hinausschieben, die Ursachen für zunehmende Unfruchtbarkeit besser erforschen und in die Prävention investieren, um es Menschen zu ermöglichen, früher Kinder zu bekommen. Aktion Leben gibt außerdem zu bedenken, dass die Eizellspende auch mit Gesundheitsrisiken für die Spenderin verbunden sei. Die meisten Frauen, würden sich nicht aus altruistischen Gründen, sondern in finanziellen Notlagen dafür entscheiden, ihre Eizellen zu spenden.

In die gleiche Kerbe schlägt das neue Buch des bekannten Reproduktionsmediziners Wilfried Feichtinger und der Wissenschaftsjournalistin Eva Stanzl. Unter dem Titel „Kinderwunsch und Lebensplan“ plädieren die Autoren, den Kinderwunsch nicht zu lange aufzuschieben. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, werden die Aussagen des Buches ua auf eine Telefonumfrage gestützt, aus der die verschiedenen Gründe für die Verschiebung des Kinderwunsches angeführt werden. Darunter fallen erwartungsgemäß Existenzängste, Arbeitsplatzsicherheit und fehlende Kinderbetreuung. Feichtinger und Stanzl sind sich einig, dass nichts eine rechtzeitige Familienplanung ersetzen könne und raten Paaren mit Kinderwunsch, bei denen es nicht klappt, rechtzeitig zu Untersuchungen zu gehen, um eventuell noch präventiv agieren zu können. Gleichzeitig aber ermutigen sie, auch Ungeplantes anzunehmen. “Wir möchten jene, denen unerwartet eine Schwangerschaft ,passiert’, dazu animieren, sich für das Kind zu entscheiden – statt dagegen, weil es in diesem Moment nicht in die Lebensplanung zu passen scheint”, bekräftigen Feichtinger und Stanzl wörtlich.

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