AT / Abtreibung: Angst vor einer neuen Debatte über Abtreibung?

IEF, 15.2.2018 – Anneliese Rohrer warnt in der Kolumne Quergeschrieben in der Tageszeitung Die Presse am 10.2.2018 vor einer neuen Debatte über Abtreibung. Insbesondere kritisiert sie das Frauenvolksbegehren als zu schwach in dieser Frage und befürchtet ein Überschwappen der Trump-Entwicklung aus den USA.

In ihrem Kommentar vermisst die Journalistin etwa im Regierungsprogramm der neuen Regierung das Vorhaben, wirksame Verhütungsmittel kostengünstiger anzubieten. Sie kritisiert nicht nur die Aussage von Norbert Hofer über „die Gebärmutter“ als „Ort mit der höchsten Sterbenswahrscheinlichkeit in unserem Land“, sondern vor allem auch die Bestellung von Gudrun Kugler als ÖVP-Sprecherin für Menschenrechte. Johannes Reinprecht, Direktor des Instituts für Ehe und Familie (IEF), hatte diese Bestellung ausdrücklich begrüßt. Rohrer zitiert Kugler mit dem Satz „Wir wollen Abtreibungen in Österreich undenkbar machen.“

Weiters warnt Rohrer vor einem Überschwappen der Trump-Entwicklung in den USA auf Europa. Als Beispiele führt sie als angeblich wichtigstes Ziel der Republikaner unter Trump an, das Urteil Roe v. Wade, mit welchem die Strafffreiheit für Schwangerschaftsabbrüche 1973 in den USA möglich wurde, rückgängig zu machen und verweist auf eine Verkürzung der Fristen für legale Abtreibung durch das Repräsentantenhauses.

Wie das IEF berichtet hatte, bereute die Hauptprotagonistin im Fall Roe v. Wade ihre Rolle auf dem Weg zur Strafffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen und wurde selbst eine strikte Gegnerin der Abtreibung. Für die US-Amerikaner ist eine Schlüsselfrage bei der Beurteilung der Frist für legale Abtreibungen die Frage, ab wann der Embryo Schmerzen empfindet. Da das Schmerzempfinden des Embryos immer früher bestätigt wird, wird auch öffentlich immer häufiger eine Verkürzung der Frist gefordert und teilweise auch umgesetzt. Auch darüber hat das IEF bereits mehrfach berichtet. Angesichts der immer früher möglichen Überlebensfähigkeit von zu früh geborenen Kindern wie auch eines teilweise stärker werdenden Bewusstseins gegenüber eugenischer Praktiken steigt auch in Europa die Sensibilität gegenüber Spätabbrüchen von Ungeborenen. Filme wie „24 Wochen“ oder auch „Die dritte Option“ zeigten das Bedürfnis nach Diskussion zu diesen Fragen.

Für Stephanie Merckens, Juristin am IEF, stellt sich damit die Frage, was Rohrer eigentlich will. „Möchte sie tatsächlich an einem Tabu festhalten, in der falschen Hoffnung damit irgendeiner Frau zu helfen? Was ist falsch an dem grundsätzlichen Wunsch, zu erreichen, dass in unserem Land einmal kein Mensch mehr die Möglichkeit einer Abtreibung in Betracht ziehen wird?“, fragt sich die Biopolitikerin. „Dieser Wunsch sollte uns allen doch gemein sein, denn wer findet die Tötung eines Embryos oder Fötus schon wirklich wünschenswert“, meint Merckens. Wenn es Rohrer aber bloß um die Frage der Strafffreiheit im Rahmen der Fristenregelung geht, dann solle sie dies auch so sagen. Denn die Fristenregelung sei nicht gleichzusetzen mit der Abtreibung selbst, kritisiert die Juristin. Die Fristenregelung sei eine rechtliche Regelung, durch die Abtreibungen aus Hinterkammern und von Küchentischen in die Ordinationen und Kliniken verlagert worden seien. An den dahinterstehenden Problemen, die Frauen zu diesem Schritt bewegten, habe die Fristenregelung nichts geändert. Und schon gar nicht die rechtliche Möglichkeit, ein Kind wegen Behinderung bis kurz vor der Geburt abzutreiben (eugenische Indikation). Es sei höchste Zeit, wieder über Abtreibung – und noch mehr über die dahinterstehenden Probleme – zu sprechen, kontert Merckens und begrüßt die Debatte über Abtreibung, die Rohrer mit ihrem Kommentar angestoßen hat.

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