AT / Lebensende: Ärzte und Psychotherapeuten lehnen Sterbehilfe ab

IEF, 7.9.2017 – In einem von der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) kürzlich veröffentlichten Positionspapier wird Sterbehilfe ausdrücklich abgelehnt. Anlass für die Stellungnahme sei das wiederkehrende „Herüberschwappen“ von „Sterbe- und Suizidhilfe“ Diskussionen aus Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden, Belgien oder Deutschland.

Umsetzung von Sterbewünschen keine ärztliche Aufgabe

„Die ÖGPP sieht es als die zentrale Aufgabe ärztlichen, speziell psychiatrisch-psychotherapeutischen Handelns an, Menschen bei der Bewältigung und Überwindung von psychischen und psychosozialen Lebenskrisen zu unterstützen. Hilfe bei der Umsetzung von Sterbewünschen von Patienten kann aus Sicht der ÖGPP grundsätzlich keine ärztliche Aufgabe sein”, heißt es in der Stellungnahme. Die ÖGPP beklagt außerdem, dass öffentliche Diskussionen über das Sterben oftmals mit schwammigen und irreführenden Begriffe und aus den Ängsten der Nichtbetroffenen heraus geführt werden würden. „Die ÖGPP versteht unter dem Begriff ‘Sterbehilfe’ medikamentöse und andere Maßnahmen zur leichteren Erträglichkeit des Sterbeprozesses im Sinn einer ärztlichen, pflegerischen und psychotherapeutischen Sterbebegleitung. Die Unterstützung oder aktive Umsetzung eines vom Betroffenen geäußerten Sterbewunsches wird korrekt als ‘Suizidhilfe’ bezeichnet.“, grenzt die ÖGPP die Begriffe ab. Auch der Terminus „Sterben in Würde“ werde vielfach missbräuchlich verwendet: „Die Übernahme des Terminus ‘Sterben in Würde’ als Bezeichnung für fremdunterstütztes Sterben in den allgemeinen Sprachgebrauch ist abzulehnen. Es kann nicht sein, dass dadurch Menschen, die den oft leidvollen Prozess des Sterbens ohne Abkürzung auf sich zu nehmen bereit sind, im Umkehrschluss die Würde abgesprochen wird.”

Forderung: Ausbau von Hospiz- und palliativmedizinischen Angebote

Die Experten beziehen sich in ihrer Stellungnahme auch auf die oft sehr „unklaren“ Ängste der Betroffenen und Nicht-Betroffenen, so etwa die Angst vor unerträglichen Schmerzen, hilflosem Ersticken oder die Angst, anderen zur Last zu fallen. Die Aufgabe der Betreuenden bestünde hier gerade im „Mildern oder Beseitigen dieser möglichen Begleitumstände des Sterbens“. „Sterbewünsche relativieren sich oftmals schon im Rahmen der Vermittlung der Möglichkeiten der palliativen Medizin beziehungsweise dann unter entsprechender, individuell angepasster antidepressiver Behandlung.“, stellt die ÖGPP fest. Daher fordere die ÖGPP den Ausbau hospiz-und palliativmedizinischer Angebote in Österreich und eine vermehrte Einbindung von Psychiatern und Psychotherapeuten.

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