IEF, 28.01.2020 – Die Art und Weise wie in den Medien über Abtreibung berichtet wird, beeinflusst in einem hohen Maße die Einstellung der Menschen zu dem Thema.

The Times nahm neulich Bezug auf einen von der irischen Abortion Rights Campaign (ARC) veröffentlichten Leitfaden für Journalisten und Behörden mit dem Titel „Wie berichtet man über Abtreibungen“. In dem Leitfaden werden die Adressaten angehalten, bei der Berichterstattung zum Thema „Abtreibung“ gewisse Begriffe zu verwenden und andere zu verwerfen. Die verwendete Ausdrucksweise im Zusammenhang mit der Abtreibung sei immens wichtig, so die Autoren, da sie die Art und Weise, wie die Leser die Informationen aufnehmen, beeinflusse.

Fötus statt Baby

In den konkreten Anweisungen schlagen die Autoren der Leitlinien beispielsweise vor, nicht vom „ungeborenen Kind oder Baby“ zu sprechen, was beim Leser „unzutreffende Bilder“ hervorrufen könnte, sondern vielmehr den medizinischen Begriff „Embryo“, „Fötus“ oder einfach „Schwangerschaft“ zu verwenden. Außerdem sollte man vom „Recht auf Leben der Frau“ oder der „schwangeren Person“ sprechen, anstatt vom „Recht auf Leben des Fötus“.

Weiter heißt es in dem Dokument, dass Abtreibungsbefürworter eher als „Verfechter von Abtreibungsrechten“ oder „Befürworter sicherer Abtreibungen“ oder einfach “Pro-Choice“ bezeichnet werden sollen. Bei der Beschreibung der Gegenseite sollte man hingegen auf Ausdrücke wie „Pro-Life“ oder „Pro-Familie“ verzichten und stattdessen von „Anti-Choice“ oder von „Abtreibungsgegnern“ sprechen. Damit würde man vermeiden, dass nur diese Gruppe mit „Leben“ und „Familie“ in Verbindung gebracht wird.

Bei der Beschreibung der Zeit zwischen Beratung und Schwangerschaftsabbruch schlägt die ARC vor, von einer „vorgeschriebenen Wartezeit“ oder einer „vorgeschriebenen Serviceverzögerung“ zu sprechen, anstatt von „Bedenkzeit“ und „Cooling-Off-Zeit“.

Außerdem wird den Adressaten der Leitlinien empfohlen nicht davon zu berichten, dass jemand sich für die „Verhinderung oder Reduktion von Abtreibungen“ einsetzt, sondern den Fokus auf die „schwangere Person“ zu richten und von einem Einsatz zur „Verhinderung und Reduktion ungewollter oder ungeplanter Schwangerschaften“ zu sprechen.

Fokus weg von der persönlichen Situation der Schwangeren hin zu ihrer Wahlmöglichkeit

Die begleitenden Storys seien ebenso sorgfältig auszuwählen. Diese sollen jedenfalls nicht zu einer weiteren Stigmatisierung von Abtreibungen beitragen. Schwangerschaftsabbrüche sind als legitime Wahlmöglichkeit darzustellen und die Wahl der Schwangeren als rational und basierend auf der Überlegung, das Beste für ihre Zukunft tun zu wollen.

Es sollte jedenfalls vermieden werden zwischen „guten“ und „schlechten“ Abtreibungen zu unterscheiden. Anstatt den Fokus auf die Umstände zu legen, die die Schwangere dazu bewogen haben, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, (was manche Menschen dazu verleiten könnte zu sagen, sie wäre für ihre Situation selbst verantwortlich), sollte man ihrer Entscheidung und dem wie diese die Zukunft der involvierten Personen positiv beeinflussen kann, Aufmerksamkeit schenken.

Keine Bilder von hochschwangeren Frauen

Bekanntermaßen prägen sich Bilder viel tiefer in unser Gedächtnis ein und können gewisse Botschaften viel stärker transportieren als Worte. Daher schlägt auch der Leitfaden vor, keine Bilder von Frauen mit großen Babybäuchen zu vewenden, die den Eindruck vermitteln könnten, Föten wären voll entwickelte Babys. Stattdessen sollten Bilder von Beratungssituationen oder von Menschen, die auf die Notwendigkeit von Abtreibungen hinweisen und von Personen des öffentlichen Lebens, die sich für die „Abtreibungssache“ einsetzten, gezeigt werden.

“Hetzerische” und “unzutreffende” Kommentare zu Spätabtreibungen würden außerdem Bedrängnis bei jenen Menschen hervorrufen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer Behinderung des Kindes entschieden haben, und sollten daher vermieden werden.

Sprachkontrolle in den Medien

Solche „Leitlinien“ in Bezug auf die Berichterstattung zum Thema Abtreibung sind nicht neu. Das BBC hat bereits vor Jahren im „News Style Guide“ Journalisten dazu angehalten anstatt von Abtreibungsbefürwortern von „Pro-Choice“ und anstatt von „Pro-Life“ von Abtreibungsgegnern zu sprechen.

Laut dem Daily Mail soll BBC auch das Ergebnis einer Umfrage unter den Tisch fallengelassen haben, nachdem diese ergab, dass sich die Mehrheit der Engländer gegen eine Gesetzesänderung zur weiteren Liberalisierung der Abtreibung aussprach.

The Guardian hat zudem im Zusammenhang mit den in den letzten Jahren erlassenen restriktiven Abtreibungsgesetzen in den USA seinen Journalisten die Verwendung solcher Begriffe vorgeschrieben, die die reproduktiven Gesundheitsrechte der Frauen in Amerika unterstützen würden. So sollte anstatt von den „Heartbeat Bills“ von einer „6 Wochen Frist“ berichtet werden. Dadurch sollten medizinisch “inadäquate” Begriffe vermieden werden. Außerdem hieß es auch bei The Guardian, dass die Bezeichnung “Abtreibungsgegner” jener von “Pro-Life” vorzuziehen und “Pro-Choice” anstatt “Abtreibungsbefürworter” zu verwenden ist. (AH)

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